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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 09.08.2008

Vienna┬┤s Lost Daughters ÔÇô ein Dokumentarfilm von Mirjam Unger
Sharon Adler

Wien in New York im Jahr 2007. Zwischen 60 und 70 Jahre alte Erinnerungen liegen zwischen dem Kindertransport von 1938/39. Einige der von Wien nach England verschickten j├╝dischen M├Ądchen leben...



...heute in New York. Die 1970 in Wien geborene Regisseurin Mirjam Unger hat mit diesem Film ein ber├╝hrendes Portrait und eine Hommage an die Lebenden und Toten geschaffen.

Tosca in Vienna

F├╝nf alte Damen in New York erinnern sich an die dunkelste Zeit ihres Lebens ÔÇô ihrer Kindheit in ├ľsterreich nach dem Einmarsch der Nazis. Einige von ihnen erz├Ąhlen mit gebrochener Stimme davon, wie sie von ihren Familien getrennt wurden und was ihnen, ihren Familien und den anderen j├╝dischen Kindern widerfahren ist in der Shoah. Aber auch Alltagsprobleme von heute finden ihren Platz in dieser Dokumentation. Die Interviewten spielen vor der Kamera Bridge, h├Âren Oper vom Band (die "Tosca"), lassen sich die Haare frisieren, oder backen Sachertorte nach dem Rezept der Mutter, die sie nie mehr wiedersehen konnten.
Gemeinsam ist den Protagonistinnen von Vienna┬┤s Lost Daughters
die Liebe zu Wien und die sch├Ânen Erinnerungen an eine Vergangenheit, die sie teilen m├╝ssen mit dem Leid um das Schicksal ihrer get├Âteten Familien.

"Time heals wounds, but the wound is still there"

Anita, Dorit, Eva, Hennie, Lizzy, Susanne, Susy und Rosalie leben in New York, wo sie ihre Familien gegr├╝ndet und ihre Leben aufgebaut haben. "Vienna┬┤s Lost Daughters" sind als j├╝dische M├Ądchen in Wien gro├č geworden. Als die Nazis die Rassengesetze auch in ├ľsterreich umsetzten, wurden die Kinder 1938/39 mit einem Kindertransport nach England verschickt und haben so ├╝berlebt.
Die Erinnerungen an den Abschied und Neubeginn sind jeder von ihnen noch gegenw├Ąrtig.
Mit ergreifender Offenheit und mutiger Emotionalit├Ąt zeigen sie der Regisseurin Mirjam Unger ihre privatesten Gef├╝hle und teilen ihr und der Kamera ihre Gedanken mit, ├Âffnen sich dem schmerzhaften Prozess des Erinnerns.

"Der Horror darf nicht alles zerst├Âren" meint eine der ├ťberlebenden oder "Das Beste ist, nicht geboren zu sein, aber das ist nur wenigen geg├Ânnt" eine andere.

Gemeinsam ist diesen Frauen, dass sie ihr Schicksal gemeistert haben, sich in ihr neues Leben eingefunden und etwas Neues daraus gemacht haben, ohne ihre Vergangenheit vergessen zu haben.

Der Film, urspr├╝nglich eine Auftragsarbeit, wurde bald zur pers├Ânlichen Herzensangelegenheit von Mirjam Unger, sie begab sich auf eine Recherchereise, die sie auch mit ihren eigenen Wurzeln und Geschichte konfrontierte. Ihre Gro├čmutter lernte Unger nie kennen, diese konnte sich zwar mit ihrer Schwester nach Pal├Ąstina retten, starb aber dort in einer Psychiatrie. Sie konnte es nicht verwinden, dass sie ihre Familie zur├╝ckgelassen hatte und selber am Leben war.

"F├╝r mich, als Nachkommin, bedeutete die Auseinandersetzung mit der Geschichte der "Vienna┬┤s Lost Daughters" Befreiung. Denn meine Gro├čmutter landete aufgrund der Verfolgung in der Nazizeit in einer Nervenheilanstalt. Die Damen des Films zeigten mir trotz Holocaust einen im Alltag mutigen, sch├Ânen und positiven Lebensweg."
Mirjam Unger, Wien, Oktober 2006

AVIVA-Tipp: Ber├╝hrend, eindringlich und ganz dicht dran zeichnet die Regisseurin Mirjam Unger ein Bild einer Generation, deren Wunden nicht verheilt sind. "Vienna┬┤s Lost Daughters" ist eine sensible Dokumentation des Schicksals von acht starken alten Damen und ihren Familien ÔÇô stellvertretend f├╝r die, die den Terror der Nazis nicht ├╝berlebt haben.


Weitersehen:

The Cemetery Club - Mo┬┤adon Beit Ha┬┤kvarot

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Erica Fischer ÔÇô "Himmelstra├če"


Vivian Jeanette Kaplan - "Von Wien nach Shanghai"


Vienna┬┤s Lost Daughters
├ľsterreich 2007
Regie: Mirjam Unger
87 Min., OmU
Verleih: Polyfilm
Starttermin: 31.7.2008
Weitere Infos unter:
www.viennaslostdaughters.at
und
www.kindertransport.org

Interviews Beitrag vom 09.08.2008 Sharon Adler 





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