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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.04.2008

Itty Bitty Titty Committee von Jamie Babbit
Silvy Pommerenke

Was haben plastische BrustvergrĂ¶ĂŸerungen, siebziger Jahre Brillen, lesbischer Sex und DenkmĂ€ler in Form von Phalli miteinander zu tun? Sehr viel, wie die fĂŒnf Protagonistinnen...



...des neuen Kinofilms von Jamie Babbit zeigen werden.

Das einzige Manko dieses Filmes ist wohl der Filmtitel, der nach rosa Panties oder einem Kindergeburtstagsreim klingt. Dabei ist es ein höchst brisanter politischer Film, der ein permanentes Augenzwinkern beinhaltet. Deswegen sei der Regisseurin auch dieser geschmacklose Titel gewĂ€hrt, der eigentlich passender ĂŒbertitelt wĂ€re mit "C.I.A. – Clits in Action", so der Name der radikalen Frauengruppe, von der der Film handelt. Darum geht es nĂ€mlich den fĂŒnf Protagonistinnen des Filmes, die nichts mehr als die HĂ€lfte des Himmels wollen. Sie prangern das Patriarchat an, das sich fĂŒr sie vor allem in Form von phallusartigen SiegessĂ€ulen prĂ€sentiert.

Was so lustig und amĂŒsant daher kommt ist in Wahrheit ein gesellschaftliches Problem, das leider immer noch evident ist: Frauen verdienen die HĂ€lfte des Einkommens von MĂ€nnern, besetzen weniger wichtige berufliche Positionen und werden immer noch von der Gesellschaft zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Dagegen will ein kleines Komitee (das besagte Itty Bitty Titty Committee) angehen. AnfĂŒhrerin der Rebellinnen ist die heterosexuelle Shulamith Firestone, die ganz in ihrem Hardcore-Feministinnen-Dasein (und ihrer siebziger Jahre Brille) aufgeht, sich aber dennoch in den smarten Transmann Calvin verliebt, der bereits bekannt ist aus der Serie The L-Word. UnterstĂŒtzt wird sie dabei von Meat, der kĂŒnstlerischen Seite der Bewegung, die in Gipsform alle möglichen Protestgestaltungen kreiert. Des Weiteren gibt es noch den angehenden Transmann Aggie, die charismatisch Sadie, die zwar mit der deutlich Ă€lteren Courtney zusammen ist, sie aber nicht davon abhalten lĂ€sst, sich in die unschuldige und vertrĂ€umte Anna zu verlieben.

Um Anna rankt sich denn auch das ganze phantastische HollywoodmĂ€rchen. Sie ist Aushilfskraft in einem Unternehmen, das Frauen zu BrustvergrĂ¶ĂŸerungen verhilft. Einen Eingriff in den weiblichen Körper, den die C.I.A. natĂŒrlich gar nicht gut heißt! Als Greenhorn trifft Anna auf die radikale Gruppierung, die nicht nur durch Sadie ihr Herz gewinnt. Schnell ist sie angefixt von den politischen Forderungen der kleinen aber effektiven Gruppe (wie sich am Ende heraus stellt) und gibt ihr ganzes Engagement in das Komitee hinein. Dabei wird schon mal die Hochzeit der Schwester vergessen, die Haare revolutionĂ€r pink gefĂ€rbt und auch mit der falschen Frau (beziehungsweise mit dem falschen Mann) Aggie geschlafen, was zu fatalen Konflikten innerhalb der Gruppierung fĂŒhrt. Dabei will sie doch nur eines: die Welt verbessern und von Sadie geliebt werden ...

Der Film ist ganz dem Dogma-Style unterworfenen, indem die KamerafĂŒhrung sehr wackelig per Hand vorgenommen wurde, keine Wirklichkeitsentfremdung des Kinos den ZuschauerInnen vorgegaukelt wird, Live-Musik von LeTigre, Sleater-Kinney und Peaches in die filmischen Szenen eingeschnitten wird, der Film im Hier und Jetzt spielt und ein sozial-kritisches Thema aufgegriffen wird. Was nach zĂ€hem und anstrengendem Inhalt klingt, ist extrem witzig und ironisch dargestellt, bringt die Zuschauerin vielfach zum schenkelklopfendem Lachen, ohne dabei in platte AttitĂŒden zu verfallen. Die amerikanische Regisseurin Jamie Babbit, die bereits mit dem Film "But I`m a Cheerleader" von 1999 den Beweis anstellte, dass sie mit einem ironischen Film auch gesellschaftspolitische Dilemmata anprangern kann, hat einen extrem tiefsinnigen Film mit extrem leichtfĂŒĂŸigen Mitteln umgesetzt. Und was letztendlich mit den SiegessĂ€ulen in Form von Phalli geschieht, sehen Sie bitte selbst ...

Der Film hat bereits etliche Preise gewonnen, unter anderem beim Southwest Film Festival 2007 als "Bester Spielfilm", beim Panorama der 57. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2007 oder beim Zuschauerpreis beim Outtakes New Zealand GLBT Film Festival 2007 als "Bester Spielfilm".

AVIVA-Tipp: Vier, fĂŒnf Frauen, ein, zwei MĂ€nner, aber nur ein Ziel: Die Gleichberechtigung von Frauen und die Abschaffung des Patriarchats. Was nach plattem politischem Palaver der siebziger Jahre klingt, ist ein wunderbarer, nachdenkenswerter und vor allem extrem witziger Film geworden. In einer grandiosen filmischen und inhaltlichen Umsetzung ist es der Regisseurin Jamie Babbit gelungen, ein StĂŒck Gesellschaftskritik auch fĂŒr diejenigen zu transportieren, die normalerweise mit Politik nichts am Hut haben. So macht das Infragestellen des Establishments Spaß!

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.ittybittytittycommittee.de
www.salzgeber.de

Itty Bitty Titty Committee
USA 2007
Buch und Regie: Jamie Babbit
Darstellerinnen: Melonie Diaz, Nicole Vicius, Guinevere Turner u.a.
Verleih: Edition Salzgeber
LauflÀnge: 85 Minuten
Kinostart: 24. April 2008

Kultur Beitrag vom 20.04.2008 Silvy Pommerenke 





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