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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.12.2011

The Help. Kinostart 08. Dezember 2011. Einsendeschluss f├╝r den flankierenden Schreibwettbewerb 15. Dezember 2011
Lisa Scheibner

"You is kind, you is smart, you is important", bringt Aibileen dem kleinen wei├čen M├Ądchen bei, das in den rassistischen S├╝dstaaten der USA der 60er Jahre eine Verb├╝ndete...



... zu sein scheint. Eine liebevolle Aufmunterung f├╝r ein Kind, das von seiner Mutter abgelehnt wird. Aber schon in wenigen Jahren wird das Machtverh├Ąltnis zwischen der schwarzen Hausangestellten und dem wei├čen Kind ein ganz anderes sein. Wenn alles so bleibt, wie es ist.

"Ich habe 17 Kinder gro├čgezogen, f├╝r 95 Cent die Stunde." Die scharfsinnige Aibileen (Viola Davis) arbeitet seit ihrer Jugend als Kinderm├Ądchen f├╝r wei├če Familien. F├╝r ihren eigenen Sohn hat sie, als er klein war, nur nach Feierabend Zeit gehabt. Doch nun f├Ąllt es ihr immer schwerer, die Ungerechtigkeiten, denen sie als schwarze Hausangestellte ausgesetzt ist, zu ertragen.
Jackson, Mississippi, Anfang der 1960er Jahre: Die "Rassengesetze" versprechen gleiche Rechte f├╝r schwarze und wei├če Menschen unter dem Slogan "separate but equal". Doch in der Realit├Ąt treten sie die Nachfolge der Sklaverei an und schreiben die Regeln f├╝r eine zutiefst rassistische Gesellschaft, in der schwarze B├╝rgerInnen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden und praktisch keine M├Âglichkeit haben, sich dagegen zu wehren. Die schwarze B├╝rgerInnenrechtsbewegung ist in den S├╝dstaaten noch lange nicht angekommen.

Martin Luther King ist weit weg

Die junge Skeeter (Emma Stone), wei├č, intelligent, aus gutem Hause, kehrt nach dem College in ihre Heimatstadt zur├╝ck, sie m├Âchte Journalistin oder gar Schriftstellerin werden.
Ihr Leben daheim zeigt sich ihr nach dem Studium in einem anderem Licht: Skeeter nimmt nun wahr, wie rassistisch die wei├če Oberschicht ihre schwarzen Hausangestellten behandelt. Die fiese Hilly etwa (Bryce Dallas Howard), eine zutiefst unzufriedene wei├če Hausfrau, baut ein Au├čenklo, weil sie es f├╝r unhygienisch h├Ąlt, die gleiche Toilette zu benutzen wie das schwarze Personal.
Skeeter hat die Idee, die Erfahrungen der schwarzen Frauen in ihrer Umgebung aufzuschreiben, um ihnen eine Stimme zu geben. Minny (Octavia Spencer) und Aibileen, K├Âchin und Kinderm├Ądchen in befreundeten Familien, sind zun├Ąchst nicht begeistert. F├╝r sie steht ihre Existenz auf dem Spiel, falls herauskommt, dass sie von den menschenunw├╝rdigen Zust├Ąnden berichtet haben, unter denen sie t├Ąglich leiden. Doch die Feindseligkeit ihrer ArbeitgeberInnen wird ihnen immer unertr├Ąglicher, und so beschlie├čen sie, trotz Skeeters jugendlicher Naivit├Ąt, an deren Projekt teilzunehmen.

Wei├če Kinder als Verb├╝ndete des unterdr├╝ckten Personals?

In "The Help" wird der Zuckerguss, mit dem die wohlhabenden Wei├čen ihr Leben zu garnieren versuchen, ausgiebig entlarvt: Sexismus arbeitet Hand in Hand mit Rassismus: Au├čer Heiraten, Bridge und Charity-Veranstaltungen f├╝r "afrikanische Kinder" gibt es in den 1960ern nicht viel im Leben der jungen, wei├čen S├╝dstaatlerinnen. Und so lassen sie ihren Frust ├╝ber das eigene Unbedeutendsein je nach Charakter an ihren Kindern und Hausangestellten aus. Die wei├čen Kinder kommen in Tate Taylors Film nach dem Roman "The Help" von Kathryn Stockett, ├╝berraschend gut davon: sie werden als Verb├╝ndete der schwarzen Hausangestellten inszeniert, inspiriert von den Kindheitserinnerungen des Regisseurs und der Autorin, die ihre jungen Alter Egos scheinbar nicht auf der Seite der AusbeuterInnen sehen m├Âchten. Dabei sind die Schwierigkeiten der ungl├╝cklichen Kinder mit denen der schwarzen Frauen nicht im geringsten vergleichbar. Beide als gutm├╝tig und unschuldig darzustellen, verschleiert die Privilegierung der einen und vorenth├Ąlt den anderen ihre berechtigte Wut.
Aibileen und Minny, wunderbar gespielt von Viola Davis und Octavia Spencer, sind zwar die Sympathietr├Ągerinnen des Films, Identifikationsfigur aber bleibt eine Wei├če, Skeeter, die letztlich hofft, ihre Karriere mit dem geplanten Buch zu beginnen. F├╝r die Hausangestellten scheint es zun├Ąchst zu Kochen und Kindererziehen keine Alternative zu geben und, hier wird ein Klischee bedient: Aibileen liebt Kinder, Minny das Kochen. Aibileens Traum, vielleicht auch einmal Schriftstellerin zu werden, scheint unrealistisch. Als die Frauen beginnen, wenigstens gedanklich ihre Rechte einzufordern, m├╝ssen sie zugleich mit den Folgen von Skeeters Vorhaben leben: Jede Form des Aufbegehrens kann f├╝r schwarze B├╝rgerInnen lebensgef├Ąhrlich werden.

Eine Wei├če gibt den Ansto├č zur Ver├Ąnderung

Eine Wei├če mit Gerechtigkeitssinn hat eine Vision und den Mut, diese umzusetzen, die schwarzen Frauen m├╝ssen erst davon ├╝berzeugt werden, dass sie ein Recht auf eine Meinung haben. Das mag der Zeit geschuldet sein, in der der Film spielt, ist aber dennoch entt├Ąuschend und l├Ąsst Aibileen, Minny und die anderen Frauen auch geistig als abh├Ąngig erscheinen. Die einzige schwarze Figur, die in "The Help" eigenst├Ąndiges revolution├Ąres Potential hat, ist Rachel (Rhonda LaChanze), die Tochter von Skeeters ehemaligem Kinderm├Ądchen Constantine (Cicely Tyson). Sie erscheint leider nur kurz als Nebenfigur. Skeeter kommt nicht auf die Idee, auch Rachel zu interviewen. Dabei h├Ątte sie viel erfahren k├Ânnen von dem Kind, das parallel zu ihr aufgewachsen ist, aber seine Mutter mit ihr teilen musste. Dass Skeeter trotz ihres Gerechtigkeitssinns Teil des Unterdr├╝ckungssystems ist und davon profitiert, wird im Film nicht thematisiert, ihr Erfolg scheint ausschlie├člich Folge ihrer eigenen F├Ąhigkeiten zu sein.

AVIVA-Fazit: "The Help" blickt hinter die Kulissen der sauberen S├╝dstaatenromantik und zeigt den allt├Ąglichen Rassismus gegen schwarze Hausangestellte im Mississippi der 1960er Jahre. Das ber├╝hrende Spiel der Darstellerinnen Viola Davis und Octavia Spencer l├Ąsst die Zuschauerin die Ungerechtigkeit intensiv miterleben, gerade auch dann, wenn diese, wie so oft im Film, schweigen m├╝ssen, statt sich zu wehren und sich der innere Widerstand nur in ihrer Mimik zeigt. Dennoch fragt mensch sich, warum diese Geschichte im Jahr 2011 genau so, n├Ąmlich aus wei├čer Perspektive, erz├Ąhlt wird. Warum ist einmal mehr die wei├če Journalistin die mutige Heldin, die das gef├Ąhrliche Projekt ins Rollen bringt, die schwarzen Hausangestellten hingegen die, die sich nur mit heimlichen Tricks wehren? Ein Film ├╝ber die b├Âsen, alten Zeiten vor der schwarzen B├╝rgerInnenrechtsbewegung, der durch die Wahl einer wei├čen Identifikationsfigur eher als Feelgood-Film taugt, als Rassismus, der auch heute noch massiv wirksam ist, effektiv zu kritisieren.

Zum Filmteam: Regisseur Tate Taylor ("Winter┬┤s Bone", 2010, "Pretty Ugly People", 2009) stammt genau wie Kathryn Stockett, die Autorin der Romanvorlage "The Help" (auf deutsch: "Gute Geister"), aus Jackson, Mississippi, wo die beiden in den 70er Jahren zusammen aufwuchsen. Viola Davis ("Eat, Pray, Love", 2010, "Solaris", 2002 u.v.a.) wurde f├╝r ihre Darstellung der Mrs. Miller in "Glaubensfrage" (2008) f├╝r den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert und gewann bereits einen Tony Award am Broadway. Octavia Spencer ist bekannt aus Filmen wie "Dinner f├╝r Spinner" (2010) und "Sieben Leben" (2008), arbeitete bereits bei "Pretty Ugly People" mit Tate Taylor, die beiden lebten einige Jahre zusammen in einer Wohngemeinschaft und sind eng befreundet. Emma Stone spielte unter anderem in mehreren Kom├Âdien wie "Einfach zu haben" und "Freunde mit gewissen Vorz├╝gen" (2011).

Schreibwettbewerb zu "The Help":
Unter dem Motto "Ver├Ąnderung beginnt mit einem Fl├╝stern" ruft der btb Verlag, bei dem Kathryn Stocketts Buchvorlage "Gute Geister" erschien, zum Kinostart von "The Help" zu einem Schreibwettbewerb auf. Bis zum 15. Dezember 2011 k├Ânnen Kurzgeschichten ÔÇô das Genre ist frei w├Ąhlbar ÔÇô an schreibwettbewerb@btb-verlag.de geschickt werden. Die f├╝nf besten Beitr├Ąge werden anschlie├čend in einem eBook ver├Âffentlicht. Mehr zu den Teilnahmebedingungen unter: www.randomhouse.de/btb/.

The Help
USA 2011
Buch und Regie: Tate Taylor
DarstellerInnen: Viola Davis, Octavia Spencer, Emma Stone, Bryce Dallas Howard, Allison Janney, Sissy Spacek, Jessica Chastain, Cicely Tyson u.a.
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Laufl├Ąnge: 146 Minuten
Kinostart: 08. Dezember 2011
www.thehelp-derfilm.de

Kultur Beitrag vom 05.12.2011 AVIVA-Redaktion 





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