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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.04.2008

Caramel. Und alle wollen sie nur das eine...die Liebe
Kristina Tencic

Dass ein Film, der in einem Schönheitssalon spielt, alles andere als oberflÀchlich sein muss, beweist die Regisseurin Nadine Labaki mit der libanesischen Tragikomödie "Caramel"



Layale, die Besitzerin des Schönheitssalons, ist 30 Jahre alt und lebt bei ihren Eltern, da sie unverheiratet ist. Was die Familie nicht weiß, ist, dass Layale einen verheirateten Geliebten hat, von dem sie abhĂ€ngig ist, und stĂ€ndig enttĂ€uscht wird. Ihre Mitarbeiterin Rima, eine burschikose eigensinnige junge Frau, findet in einer geheimnisvollen Kundin erstmals die Liebe, die sie auf eine sehr unschuldige Art, nĂ€mlich beim Haarewaschen, ausleben wird. Die Muslimin Nisrine hat zwar einen Mann, den sie bald heiraten wird, dafĂŒr aber ganz andere Probleme – sie ist keine Jungfrau mehr. Die Schneiderin Rose schließlich erfĂ€hrt zum ersten Mal in ihrem bereits fortgeschrittenen Leben, was es heißt, einen Verehrer zu haben. Doch obgleich sie die Liebe erwidert, bereitet ihr ihre geisteskranke Schwester ganz andere Sorgen. Die Hausfrau Jamale ist eine Frau, die sich dank der modernen Chirurgie jenseits des Alterungsprozesses befindet und eine Schauspielerinnen-Karriere anstrebt. Doch ihr Körper hört einfach nicht auf die Gesetze der KĂŒnstlichkeit...

Die Welt der fĂŒnf libanesischen Frauen ist ein einziger Widerspruch. Sie befinden sich zwischen Tradition und Moderne, Christentum und Islam und zuletzt zwischen ihrer eigenen und der aufgezwungenen IdentitĂ€t. Der einzige Ort, an dem sich alle WidersprĂŒchlichkeiten auflösen, ist der Ort, an dem sie einfach sie selbst sein können: der Schönheitssalon. In der Parallelwelt der ManikĂŒren und HaarverlĂ€ngerungen geht es zwar vordergrĂŒndig um die Schönheit, doch unter der Gurkenmaske verborgen liegt die Sehnsucht nach Schutz, Geborgenheit und Liebe.

Unter den von außen auferlegten Konventionen und Verpflichtungen versuchen die Frauen sich gegenseitig Halt zu geben, um im Schutze ihres Mikrokosmoses dennoch einen gewissen Grad an Selbstverwirklichung zu erlangen. Die Heuchelei des orientalischen Systems in Beirut drĂ€ngt sie in Rollenbilder, deren Schein zu wahren sie gegenĂŒber ihrer Familie und der (religiösen) Gesellschaft verpflichtet sind – aber keine/r ahnt, was sich wĂ€hrend einer Zuckerwachsbehandlung mit Karamell noch alles abspielen kann.

Die Geschichte der fĂŒnf Frauen zwischen Trockenhaube und IdentitĂ€tskrise beeindruckt durch das gekonnte Spiel mit genannten WidersprĂŒchlichkeiten und ist, entgegengesetzt zu dem Salon, keinesfalls naiv oder oberflĂ€chlich. Schönes Licht und sinnliche Bilder erzeugen eine warme AtmosphĂ€re. Nicht zuletzt hat der Film deshalb einen sehr authentischen Charakter, da die Regisseurin und Darstellerin Nadine Labaki Laienschauspielerinnen engagiert hat, die sie in einer Fabrik, auf der Straße oder in ihrem Bekanntenkreis fand. Ihre Intention war es auch, die Dialoge so wenig aufgesetzt wie möglich erscheinen zu lassen, was ihr durch ihre eigensinnigen Darstellerinnen gelungen ist.

AVIVA-Tipp: Die anrĂŒhrend sinnliche Tragikomödie Caramel zeigt die vorgeschobene Maske der Schönheit und legt den Blick auf die dahinterliegenden MissstĂ€nde offen, ohne die atmosphĂ€rische Leichtigkeit zu verlieren. Es ist die Suche nach der Schönheit im Leben, welche die fĂŒnf Frauen verbindet, da sie die ErnĂŒchterung erfahren haben, wie schnell sich alles ins Gegenteilige wandeln kann.

Zur Regisseurin und Hauptdarstellerin: Nadine Labaki wurde 1974 im Libanon geboren und studierte Medienwissenschaften an der St. Joseph-UniversitĂ€t in Beirut. Sie drehte Kurz-, Werbefilme und Musikvideos und erhielt fĂŒr ihre Arbeiten bereits mehrere Auszeichnungen. "Caramel" ist ihr erster Langfilm und gleichzeitig ihr grĂ¶ĂŸter Erfolg. Nachdem er in ihrer Heimat sehr erfolgreich in den Kinos gezeigt wurde, hat er bei den Filmfestspielen in Cannes 2007 den Publikumspreis gewonnen und bekam eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "bester nicht englischsprachiger Film". Weitere Infos unter: www.nadinelabaki.com

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Caramel
Libanon 2007
Regie: Nadine Labaki
Drehbuch: Rodney Al Haddad
Darstellerinnen: Nadine Labaki, Yasmine Al Masri, Joanna Moukarzel, Gisele Aouad, Siham Haddad, u.a.
Spielzeit: 95 Minuten
FSK: ohne Angabe
Kinostart: 03.04.2008
Infos und Trailer unter: www.caramel-derfilm.de

Kultur Beitrag vom 03.04.2008 Kristina Tencic 





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