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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.08.2008

Tage des Zorns
Tatjana Zilg

Der Regisseur Ole Christian Madsen inszenierte die Geschichte von zwei Widerstandskämpfern im von den Nationalsozialisten besetzten Kopenhagen als spannenden Thriller. Unter den Decknamen Flame ...



... und Citron werden zwei junge Dänen zum Liquidierungs-Kommando von Nazi-KollaborateurInnen. Als die Geheimagentin Ketty Selmer in das Leben des 23jährigen Flame tritt, muss er eine folgenschwere Entscheidung treffen.

Die Ereignisse, die auf einem wahren Handlungsrahmen basieren, werden in einem mitrei√üendem Tempo und einer packenden Bildsprache umgesetzt, so dass sich schnell Vergleiche zu einem Gangster-Drama von Scorsese oder einem High Suspense‚ÄďThriller von Coppola einstellen.

Der historische Hintergrund

Am 9. April 1940 wurde Dänemark von Deutschland besetzt. Da die dänische Regierung mit der Besatzungsmacht eng zusammenarbeitete, blieben das Staatsoberhaupt Dänemarks, König Christian X., die Regierung, Parlament, Verwaltung und die Streitkräfte lange Zeit unangetastet und intakt. In der Bevölkerung war die Ablehnung gegen die Nationalsozialisten jedoch hoch. Ab 1943 bildeten sich einige Widerstandsgruppen.
Die drei zentralen Charaktere des Films, Flame, Citron und Ketty Selmer, sind wahren Personen nachempfunden. Die beiden m√§nnlichen Widerstandsk√§mpfer wurden kurz vor Ende des Krieges exekutiert, w√§hrend Ketty Selmer √ľberlebte. Bis zu ihrem Tod Mitte der 1990er Jahre wollte sie sich nicht zu ihren Erlebnissen im Krieg √§u√üern, so dass ihre Rolle als m√∂gliche Doppelagentin ungekl√§rt blieb.

Nervenaufreibende Verwirrungen, Korruption, Misstrauen und Liebe

Bent Faurschou-Hviid alias Flame (Thure Lindhardt) und J√łrgen Haagen Schmith alias Citron (Mads Mikkelsen) sind in der Widerstandsgruppe "Holger Danske" aktiv, benannt nach einem d√§nischen Sagenheld. Viele ihrer MitstreiterInnen sind bereits von der Gestapo √ľberf√ľhrt und exekutiert worden. Neue kamen hinzu und unter der Koordination des Polizeichefs Axel Winthur (Peter Mygind) werden sie zu politisch motivierten Auftragskillern im Untergrund. Citron, knapp √ľber 30 Jahre alt und Familienvater, schreckt vor dem T√∂ten zur√ľck, aber Flame schie√üt ohne zu Z√∂gern auf die d√§nischen Zielpersonen.
Als Winthur ihnen drei deutsche Gestapo-Mitglieder als Zielpersonen nennt, sind sie √ľberrascht, da die Widerstandsgruppe bisher nur gegen d√§nische Verd√§chtige eingesetzt wurde. Dem hochrangigen Nazi-Offizier Horst Ernst Gilbert (Hanns Zischler) gelingt es, Flame mit einem philosophischen Dialog √ľber die Motive eines Soldaten so zu irritieren, dass er ihn entgegen der Anordnung von Winthur leben l√§sst. Wenig sp√§ter revidieren Flame und Citron seinen Fehler und erschie√üen Gilbert, aber in Flame ist ein innerer Prozess des Zweifelns √ľber sein Handeln in Gang gesetzt worden. Er ist sich unsicher, ob sein Opfer m√∂glicherweise dem deutschen Widerstand angeh√∂rt hat. Als er erf√§hrt, dass Winthur mit Gilbert profitable Gesch√§fte gemacht hat, w√§chst in ihm die Vermutung, dass sein Vorgesetzter mit dem Mord seine eigenen Vergehen vertuschen wollte. Auch Ketty Selmer (Stine Stengade), eine geheimnisvolle Frau und ein wenig √§lter als Flame, tr√§gt zu seiner Verunsicherung bei. Pl√∂tzlich taucht sie in seinem Leben auf und l√§sst sich nach nur kurzer Zeit auf eine leidenschaftliche Aff√§re mit ihm ein. Auch offenbart sie ihm, eine Kurierin f√ľr Winthur zu sein. Allm√§hlich erf√§hrt Flame aus vielen einzelnen Puzzlest√ľcke, dass Ketty weitaus mehr in die politischen Prozesse im Untergrund verwickelt ist, als sie Flame erz√§hlen m√∂chte. Es ist nicht auszuschlie√üen, dass sie als Doppelagentin den Nationalsozialisten Informationen √ľber den Widerstand zukommen l√§sst. In seiner inneren Zerrissenheit entscheidet sich Flame f√ľr einen Alleingang gegen den Oberbefehlshaber der deutschen Besatzer in Kopenhagen, dem Gestapo-Chef Hoffmann (Christian Berkel).

Zwiesp√§ltig an der filmischen Umsetzung ist es, dass das Handeln der Widerstandsk√§mpfer in die N√§he zum Terrorismus ger√ľckt wird. So sagt das Produzententeam: "Tage des Zorns verbindet einen actionreichen Genreplot mit einer brisanten politischen Botschaft. Der Widerstand gegen eine Besatzungsmacht und die Frage der angemessenen Mittel im politischen Kampf haben dar√ľberhinaus eine gro√üe Aktualit√§t: Der echte Flame und der echte Citron waren √ľberzeugt, einen gerechten Kampf zu f√ľhren und auf der richtigen Seite zu stehen. Aber legitimierte das ihre kaltbl√ľtigen Morde? Oder waren die beiden schlicht Terroristen? Kann es im Krieg eine richtige Seite geben? Diese Fragen √ľbersteigen den geographischen und historischen Kontext der Geschichte von Tage des Zorns und sind heutzutage brisanter denn je."

AVIVA-Tipp: Dem kaltbl√ľtigen Erschie√üen von Menschen im ersten Teil des Films werden leider in zu geringem Ma√üe die Grauentaten der Nationalsozialisten gegen√ľbergestellt. Die Schoah findet nur in einer Szene Erw√§hnung, in der Flame Ketty erz√§hlt, wie er in Deutschland Zeuge der brutalen Verhaftung einer J√ľdin wurde. Den SchauspielerInnen, die zum Teil bereits im Cast von anspruchsvollen internationalen Filmen vertreten waren (so zum Beispiel Thure Lindhardt an der Seite von Daniel Br√ľhl in "Was n√ľtzt die Liebe in Gedanken"), gelingt es jedoch in hervorragender Weise, den schwierigen Rollen eine komplexe Gestalt im Wechselspiel zwischen idealistischem Heroismus und aufkommenden Selbstzweifeln, mutigem Handeln und √úberlebenswillen zu verleihen. Flame wurde in der Realit√§t posthum von der amerikanischen Regierung mit der "Medal of Freedom" geehrt, f√ľr beide Widerstandsk√§mpfer wurden in D√§nemark Gedenksteine errichtet.

Tage des Zorns
Dänemark / Deutschland 2008
Regie: Ole Christian Madsen
Drehbuch: Lars K. Andersen, Ole Christian Madsen
DarstellerInnen: Finn Bergh, Christian Berkel,,Rasmus Bjerg,,David Bjergs√ł, Rasmus Botoft, Jesper Christensen, Flemming Enevold, Martin Greis, Martin Hall, Ren√© Hansen, Martin Hestb√¶k, Henrik J√łrgensen
Verleih: NFP
Laufzeit: 136 Minuten
Kinostart: 28. August 2008
Tage des Zorns wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat "Besonders Wertvoll" ausgezeichnet.

Der Film im Netz: www.tagedeszorns.de



Kultur Beitrag vom 25.08.2008 AVIVA-Redaktion 





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