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AVIVA-BERLIN.de im Februar 2024 - Beitrag vom 28.08.2008


Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe
Tatjana Zilg

Der Game-Designer Robert, gerade mal Mitte zwanzig, verliebt sich innig in die zwanzig Jahre ältere Monika. Nach genialen komödiantischen Verwicklungen erobert er tatsächlich ihr Herz ...




... und ihre Seele.

Dieser Film hat noch viel mehr zu bieten als die Geschichte über eine auf den ersten Blick unmöglich erscheinende Liebe: Nicht zuletzt schrieb Sven Regener (Element Of Crime) einen passgenauen Soundtrack mit modernen Liebesliedern, die allein schon ausreichend für den Wunsch sorgen, den Film mehrmals zu genießen.

Kult-Regisseur Leander Haußmann bewies mit der Adaption des Romans von Gernot Gricksch erneut seine Vorrangstellung in der deutschen Film-Landschaft. "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" ist bereits sein fünfter Geniestreich nach den Publikumserfolgen "Sonnenallee", "Herr Lehmann", "Kabale und Liebe" und "NVA", die alle in Zusammenarbeit mit der bekannten Berliner Boje Buck Produktion entstanden. Auch in der Theaterwelt machte er sich mit einer Intendanz am Bochumer Schauspielhaus sowie seinen Inszenierungen an den großen Bühnen von Frankfurt, München und Berlin einen bedeutenden Namen.

Tänzerisches Liebesglück mit Hindernissen

Wie von einem Regisseur dieser Größenordnung erwartet werden kann, näherte er sich dem inhaltlichen Material mit einigen ungewöhnlichen Arbeitsansätzen:
Er bat Sven Regener, Songs zu schreiben, die sich unmittelbar auf die Handlung beziehen und dem Film dadurch eine unverwechselbare Note geben. Vergleichbare Soundtracks gibt es eher wenige, einige der großen Hippiefilme der 70er Jahre haben mit diesem Stil gearbeitet wie zum Beispiel "Harold and Maude" und "Die Reifeprüfung".
Zudem holte er den Autor für die Hälfte der Drehzeit an den Set, um gemeinsam spontan Dialoge und Handlungsverlauf verändern zu können. Gernot Gricksch zeigte sich begeistert von der Welt der bewegten Bilder und erkor eine der Kernszenen, die mit Hilfe einer Unterwasserbühne mitten in einer nächtlichen Park-Landschaft gedreht wurde, zu seiner persönlichen Lieblingsszene: Das oft verspielte und dann wieder sehr erwachsen-reife Flair des Films wird hier in einer zwischen surreal und ultraromantisch chargierenden Begegnung der beiden ProtagonistInnen Robert (Tom Schilling) und Monika (Maruschka Detmers) auf malerische und poetische Weise eingefangen. Robert ist es endlich gelungen, seine Angebetete zu einem ersten Rendezvous zu überreden. Das Film-Team kreierte mitten in einem Wasserspiel eine phantasievolle Szene der vorsichtigen Annäherung der beiden Verliebten, umrahmt von einem aufwändig kostümierten zeitgenössischen Ballett und unterlegt mit einem der schönsten Songs, die Sven Regener je geschrieben hat.

Ein Beziehungsreigen des neuen Jahrtausends

Das Thema liebestechnische Irrungen und Wirrungen im neuen Jahrtausend ist aber nicht auf den äußerst amüsanten und anrührenden Beziehungsstart zwischen dem cleveren Robert, der sich in seinem Trend-Beruf Game-Designer um erste Erfolge bemüht, und der lebenserfahrenen, alleinerziehenden Mutter Monika, die in einer Schnellreinigung arbeitet, fokussiert. Aus den Augen von Robert erleben die KinogängerInnen einige Turbulenzen in modernen Beziehungsgefügen: Da ist der Vater (Adam Oest), der eine junge Geliebte umschwärmt und materiell verwöhnt und die Mutter (Marlen Diekhoff), die sich auf ihrer Urlaubsreise Trost sucht. Oder die lesbische Schwester Pia (Annika Kuhl), die mit ihrer Freundin Marga (Bettina Stucky) glücklich ist, aber sich wegen ihres Kinderwunsches doch mit dem besten Jugendfreund einlässt. Auch Roberts bester Freund und Arbeitskollege Ole (Christian Sengewald) ist auf der Suche und erkundet das Labyrinth der Kontaktanzeigen-Welt.

AVIVA-Tipp: Der Film wird durch eine verführerische Leichtigkeit, den unterschiedlichen Handlungs-Fäden, die mühelos zu einer überschaubaren Storyline verflochten werden, und einigen besonderen Überraschungen wie dem Gastauftritt des Sohns von Simon Garfunkel, der sich selbst spielt, zu einem außergewöhnlichen Kino-Leckerbissen. Inhaltlich betrachtet könnte der Film als Gegenspieler zu "Elegy" gesehen werden, aber er spricht eine weniger ernste Sprache und entlässt die ZuschauerInnen mit dem Gefühl, dass die Liebe im neuen Jahrtausend in all ihren Facetten möglich ist und dass dies eine verdammt gute Sache ist.

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe
Deutschland 2008
Regie: Leander Haußmann
Drehbuch: Gernot Gricksch
DarstellerInnen: Tom Schilling, Maruschka Detmers, Christian Sengewald, Adam Oest, Marlen Diekhoff, Annika Kuhl, Bettina Stucky, Steffi Kühnert, Sammy Steward, Julia Dietze, Kirstin Hesse
Verleih: Delphi Filmverleih
Laufzeit: 102 Minuten
Kinostart: 28. August 2008

Der Film im Netz: www.robert-zimmermann-derfilm.de und auf Myspace.



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Beitrag vom 28.08.2008

AVIVA-Redaktion