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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.08.2008

Robert Zimmermann wundert sich ├╝ber die Liebe
Tatjana Zilg

Der Game-Designer Robert, gerade mal Mitte zwanzig, verliebt sich innig in die zwanzig Jahre ├Ąltere Monika. Nach genialen kom├Âdiantischen Verwicklungen erobert er tats├Ąchlich ihr Herz ...



... und ihre Seele.

Dieser Film hat noch viel mehr zu bieten als die Geschichte ├╝ber eine auf den ersten Blick unm├Âglich erscheinende Liebe: Nicht zuletzt schrieb Sven Regener (Element Of Crime) einen passgenauen Soundtrack mit modernen Liebesliedern, die allein schon ausreichend f├╝r den Wunsch sorgen, den Film mehrmals zu genie├čen.

Kult-Regisseur Leander Hau├čmann bewies mit der Adaption des Romans von Gernot Gricksch erneut seine Vorrangstellung in der deutschen Film-Landschaft. "Robert Zimmermann wundert sich ├╝ber die Liebe" ist bereits sein f├╝nfter Geniestreich nach den Publikumserfolgen "Sonnenallee", "Herr Lehmann", "Kabale und Liebe" und "NVA", die alle in Zusammenarbeit mit der bekannten Berliner Boje Buck Produktion entstanden. Auch in der Theaterwelt machte er sich mit einer Intendanz am Bochumer Schauspielhaus sowie seinen Inszenierungen an den gro├čen B├╝hnen von Frankfurt, M├╝nchen und Berlin einen bedeutenden Namen.

T├Ąnzerisches Liebesgl├╝ck mit Hindernissen

Wie von einem Regisseur dieser Gr├Â├čenordnung erwartet werden kann, n├Ąherte er sich dem inhaltlichen Material mit einigen ungew├Âhnlichen Arbeitsans├Ątzen:
Er bat Sven Regener, Songs zu schreiben, die sich unmittelbar auf die Handlung beziehen und dem Film dadurch eine unverwechselbare Note geben. Vergleichbare Soundtracks gibt es eher wenige, einige der gro├čen Hippiefilme der 70er Jahre haben mit diesem Stil gearbeitet wie zum Beispiel "Harold and Maude" und "Die Reifepr├╝fung".
Zudem holte er den Autor f├╝r die H├Ąlfte der Drehzeit an den Set, um gemeinsam spontan Dialoge und Handlungsverlauf ver├Ąndern zu k├Ânnen. Gernot Gricksch zeigte sich begeistert von der Welt der bewegten Bilder und erkor eine der Kernszenen, die mit Hilfe einer Unterwasserb├╝hne mitten in einer n├Ąchtlichen Park-Landschaft gedreht wurde, zu seiner pers├Ânlichen Lieblingsszene: Das oft verspielte und dann wieder sehr erwachsen-reife Flair des Films wird hier in einer zwischen surreal und ultraromantisch chargierenden Begegnung der beiden ProtagonistInnen Robert (Tom Schilling) und Monika (Maruschka Detmers) auf malerische und poetische Weise eingefangen. Robert ist es endlich gelungen, seine Angebetete zu einem ersten Rendezvous zu ├╝berreden. Das Film-Team kreierte mitten in einem Wasserspiel eine phantasievolle Szene der vorsichtigen Ann├Ąherung der beiden Verliebten, umrahmt von einem aufw├Ąndig kost├╝mierten zeitgen├Âssischen Ballett und unterlegt mit einem der sch├Ânsten Songs, die Sven Regener je geschrieben hat.

Ein Beziehungsreigen des neuen Jahrtausends

Das Thema liebestechnische Irrungen und Wirrungen im neuen Jahrtausend ist aber nicht auf den ├Ąu├čerst am├╝santen und anr├╝hrenden Beziehungsstart zwischen dem cleveren Robert, der sich in seinem Trend-Beruf Game-Designer um erste Erfolge bem├╝ht, und der lebenserfahrenen, alleinerziehenden Mutter Monika, die in einer Schnellreinigung arbeitet, fokussiert. Aus den Augen von Robert erleben die Kinog├ĄngerInnen einige Turbulenzen in modernen Beziehungsgef├╝gen: Da ist der Vater (Adam Oest), der eine junge Geliebte umschw├Ąrmt und materiell verw├Âhnt und die Mutter (Marlen Diekhoff), die sich auf ihrer Urlaubsreise Trost sucht. Oder die lesbische Schwester Pia (Annika Kuhl), die mit ihrer Freundin Marga (Bettina Stucky) gl├╝cklich ist, aber sich wegen ihres Kinderwunsches doch mit dem besten Jugendfreund einl├Ąsst. Auch Roberts bester Freund und Arbeitskollege Ole (Christian Sengewald) ist auf der Suche und erkundet das Labyrinth der Kontaktanzeigen-Welt.

AVIVA-Tipp: Der Film wird durch eine verf├╝hrerische Leichtigkeit, den unterschiedlichen Handlungs-F├Ąden, die m├╝helos zu einer ├╝berschaubaren Storyline verflochten werden, und einigen besonderen ├ťberraschungen wie dem Gastauftritt des Sohns von Simon Garfunkel, der sich selbst spielt, zu einem au├čergew├Âhnlichen Kino-Leckerbissen. Inhaltlich betrachtet k├Ânnte der Film als Gegenspieler zu "Elegy" gesehen werden, aber er spricht eine weniger ernste Sprache und entl├Ąsst die ZuschauerInnen mit dem Gef├╝hl, dass die Liebe im neuen Jahrtausend in all ihren Facetten m├Âglich ist und dass dies eine verdammt gute Sache ist.

Robert Zimmermann wundert sich ├╝ber die Liebe
Deutschland 2008
Regie: Leander Hau├čmann
Drehbuch: Gernot Gricksch
DarstellerInnen: Tom Schilling, Maruschka Detmers, Christian Sengewald, Adam Oest, Marlen Diekhoff, Annika Kuhl, Bettina Stucky, Steffi K├╝hnert, Sammy Steward, Julia Dietze, Kirstin Hesse
Verleih: Delphi Filmverleih
Laufzeit: 102 Minuten
Kinostart: 28. August 2008

Der Film im Netz: www.robert-zimmermann-derfilm.de und auf Myspace.


Kultur Beitrag vom 28.08.2008 AVIVA-Redaktion 





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