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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 30.12.2007

Wir verstehen uns wunderbar
Anna Opel

Charlotte Rampling und Jean Rocherfort als ungleiches Paar, das nach drei√üig Jahren wieder k√§mpft, Kr√§nkungen √ľberwindet und sich in den Kissen w√§lzt. franz√∂sische Kom√∂die mit erstklassiger Besetzung



Sch√∂n √ľbertrieben

Auf der Suche nach einer pfiffigen Location f√ľr seinen n√§chsten Film verschl√§gt es den erfolgreichen franz√∂sischen Kom√∂dienregisseur Louis Ruinard (Jean Rochefort) in London in einen Homo-Club. W√§hrend er sich, um den T√ľrsteher zu √ľberzeugen, mit schwarzer Lederm√ľtze und Bikerjacke bekleidet, einen Weg zwischen gediegenen Clubsesseln und bizarr Kost√ľmierten bahnt, nuschelt er seiner Assistentin Rageaud (Isabelle Nanty) zu: "Das k√∂nnen wir nicht machen. Sonst hei√üt es blo√ü wieder, ich √ľbertreibe." Und schon trippeln ihm Lord Evleyn Gaylord und dessen Butler Randall in gewagt knappem schwarzen Lack √ľber den Weg.

Ja, einiges an dieser schrillen Kom√∂die ist reichlich √ľbertrieben. Gerade das macht allerdings Spa√ü an diesem handwerklich perfekten und visuell opulenten Film.

Glamouröse Vorgeschichte

Der Lord mit dem sprechenden Namen ist der adlige Ehemann, der mit √ľber sechzig Jahren strengen, aber strahlenden Sch√∂nheit Alice d¬īAbanville (Charlotte Rampling), einer Schauspielerin, die in jungen Jahren mit dem charismatischen Franzosen liiert war. Heute ist Alice Shakespearedarstellerin auf einer eher kleinen Londoner B√ľhne. Gemeinsam drehten Louis und Alice ihre wichtigsten Filme, sie waren das glamour√∂se Traumpaar der europ√§ischen Filmwelt bis Alice in einer Nacht und Nebelaktion ihre Koffer packte. Sie wollte sich nicht l√§nger von Louis betr√ľgen lassen.

Englisch-französischer Stellungskrieg

In der Jetztzeit des Films, drei√üig Jahre nach der Trennung, hat Alice ihre Kr√§nkungen keinesfalls √ľberwunden. Sie soll dem immer noch charmanten Franzosen einen englischen Filmpreis √ľberreichen und knirscht dar√ľber m√§chtig mit den Z√§hnen. Um ihm unmissverst√§ndlich mitzuteilen, dass sie das nicht aus Freundschaft tut, zitiert sie ihn eigens in einen eleganten englischen Teesalon, in dem Louis sich so heimisch f√ľhlt, wie ein Orang-Utan im Pinguingehege. Alice nutzt die Preisverleihung schlie√ülich, um ihren Ex reichlich l√§cherlich zu machen. Dieser scheucht Boy George von der B√ľhne, um selbst einen flotten, albernen Chanson zum Besten zu geben. Trockenster englischer Humor und franz√∂sische Nonchalonce prallen in dieser Szene aufeinander, dass es kracht.
Als Alice mit ihrem Mann gerade den Saal verlassen will, bricht Louis auf der B√ľhne zusammen.

Zaghafte Annäherung und eine Entdeckung

Nur ganz allm√§hlich gelingt es Louis, der inzwischen als Kranker von Alices gro√üz√ľgigem Ehemann auf dem herrschaftlichen Landsitz untergebracht ist, seine ehemalige Freundin ins Gespr√§ch √ľber die gemeinsame Vergangenheit zu verwickeln. Bald ist klar, dass beide noch lebhafte Gef√ľhle f√ľreinander hegen. Klar ist auch, dass die Ehe zwischen Alice und Evlyn Gaylord nicht mehr ist, als innige Freundschaft, auch wenn die beiden einen wunderbaren erwachsenen Sohn haben. Doch als Louis erf√§hrt, wann genau Paul zur Welt gekommen ist, kommt er ins Gr√ľbeln...

Nach langwierigen Vorbereitungen locker im Bett

Antoine de Caunes hat mit diesem Film eine ziemlich √ľberdrehte Kom√∂die geschaffen, die mit einigen witzigen Running Gags aufwartet und zwei wunderbare SchauspielerInnen pr√§sentiert, denen man einiges abnimmt: nach umst√§ndlichen Vorbereitungen in Angst, f√ľr den anderen an Attraktivit√§t verloren zu haben, st√ľrzen die beiden sich unverkrampft und altersweise in ihr tete a tete. Da ist nichts aufzuschieben. Wer wei√ü, wie viele Gelegenheiten sich noch ergeben werden f√ľr eine aufregende Nacht zu zweit? W√§ren da blo√ü nicht die Falten und der nicht mehr ganz so frische Atem.

Im Handlungsverlauf wird das Tempo der Story zwar gedrosselt, die herrlich polemischen Wortgefechte verlieren sich, ebenso die drastischen Kontraste zwischen englischer Correctness und franz√∂sischer Schludrigkeit. An die Stelle all dieser Raffinessen treten z√∂gernde Ann√§herungen, tastendes Ausloten, was die Zukunft f√ľr diese beiden noch Aufregendes bereith√§lt. Das ist liebevoll und anr√ľhrend erz√§hlt und handelt ganz nebenbei von so existentiellen Fragen, wie der, ob man sich richtig entschieden hat im Leben. Und ob Recht haben allein gl√ľcklich macht.

AVIVA-Tipp: Ein witziger SchauspielerInnenfilm, der leichte dramaturgische M√§ngel durch opulente Sets und eine durchweg gro√üartige Leistung der DarstellerInnen wettmacht. Dabei hat diese Kom√∂die neben messerscharfen Wortgefechten, die immer viel zu schnell vorbei flitzen, auch tiefsinnige Einsichten √ľber die Irrt√ľmer der Altersweisen zu bieten.


Wir verstehen uns wunderbar (Désaccord parfait)
Frankreich 2006
Regie und Buch: Antoine de Caunes
DarstelerInnen: Charlotte Rampling, Jean Rochefort, Isabelle Nanty, Ian Richardson u.v.a.
92 Minuten
Kinostart 03.01.2008
Ohne Alterbeschränkung
Verleih: Movienet

Kultur Beitrag vom 30.12.2007 AVIVA-Redaktion 





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