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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.12.2007

Irene Langemann ÔÇô Rubljovka. Stra├če zur Gl├╝ckseligkeit
Jule Fischer

Die Rubljovka ist "in" in Russlands Oberschicht. Jedes Fleckchen wird mit dekadenten Villen bebaut, die Armen m├╝ssen weichen. Ein Film ├╝ber die Beziehung von Erde, ├ľkonomie und Menschen



Stra├če zur Gl├╝ckseligkeit wird die Rubljovka genannt. Schon als Iwan der Schreckliche die Gegend wegen ihrer Sch├Ânheit pries und verbot, sie industriell zu bebauen, wurde die Rubljovka Heimat ber├╝hmter russischer KomponistInnen, AristokratInnen und K├╝nstlerInnen. In diese illustre Gesellschaft gesellt sich im post-sozialistischen Russland mehr und mehr die neue Wirtschafts-Oligarchie, die ihren neu erworbenen Reichtum selbstbewusst zur Schau stellt. Auch Stalin hatte dort seine Datscha und, seit auch Vladimir Putin im Westen Moskaus wohnt, wurde die Rubljovka zur am besten bewachten Stra├če des Landes.

Die stetig steigende Zahl der Neureichen lie├č die Grundst├╝ckspreise an der Rubljovka in unermessliche H├Âhen steigen. Der Boden wird langsam knapp und bei der Jagd auf die Grundst├╝cke der letzten Mittellosen, schrecken die gierigen ImmobilienmaklerInnen, auch vor Brandstiftung nicht mehr zur├╝ck. Menschen, wie die alte Besenverk├Ąuferin Ljubov Jermilina, die inmitten all des Reichtums eine bauf├Ąllige H├╝tte bewohnt, passen da nicht ins Bild.

Es war dieser demographische Prozess, der die Regisseurin des Films, Irene Langemann, anregte, "Rubljovka" zu drehen:
"In meiner Erinnerung aus den 80er Jahren war die Rubljovka eine idyllische Landstra├če, an der die sowjetische Cr├Ęme de la Cr├Ęme ihre Datschen von V├Ąterchen Staat zugewiesen bekamen. Diese rasante gesellschaftliche Ver├Ąnderung eines 30 Kilometer langen Landstrichs war f├╝r mich der z├╝ndende Funke zur filmischen Erforschung dieses Gegenstands", schreibt sie ├╝ber ihre Motivation, diesen Film zu machen.

Sie begleitete die alteingesessenen und neuen, die armen und verm├Âgenden EinwohnerInnen der Rubljovka mit der Kamera. Ein schwieriges Unterfangen, denn Langemann und ihr Team standen, trotz einer Dreherlaubnis, unter st├Ąndiger Beobachtung durch den russischen Geheimdienst, der die Dreharbeiten, wo es m├Âglich war, behinderte.

Neben den Opfern dieses Raubtierkapitalismus gelingt es Irene Langemann, charismatische VertreterInnen der russischen Aristokratie, wie den altklugen 12-j├Ąhrigen "Roma", einen Enkel der ber├╝hmten Romanows vor ihre Kamera zu bekommen.
├ťberraschend ist, dass dies auch mit den neuen Reichen gelingt, die bereitwillig Auskunft geben, ├╝ber ihre Stellung in der Gesellschaft, ├╝ber die Bedeutung des neuen Russlands in der Welt oder ├╝ber die anstrengende Aufgabe, einen reichen Ehemann zu finden.

AVIVA-Tipp "Rubljovka" bietet einen ungesch├Ânten Blick auf ein post-sozialistisches Musterbeispiel, in dem sich durch den Ad-hoc-Neoliberalismus nach 1991 das katastrophalste Gesicht des Kapitalismus zeigen konnte. Der Film wird umso eindr├╝cklicher durch den bewussten Verzicht auf eine "Geschichte". Die, oft wenig sympathischen ProtagonistInnen, sprechen eine sehr deutliche Sprache.

Die Regisseurin:
Irene Langemann, geboren in Issilkul/UdSSR, studierte Schauspielkunst und Germanistik an der Tcepkin-Theaterakademie in Moskau. Seit 1980 arbeitete sie als Schauspielerin, Regisseurin und Theaterautorin in Moskau. Ab 1983 moderierte sie im Russischen Fernsehen. Mit dem Ende der Sowjetunion reiste Langemann in die BRD aus, war von 1990 bis 1996 Redakteurin bei "Deutsche Welle TV", K├Âln und ist seitdem freie Filmemacherin.

Ein Statement der Regisseurin zu "Rubljovka" finden Sie unter: hier.


Rubljovka
Stra├če zur Gl├╝ckseligkeit

Regie: Irene Langemann
DarstellerInnen: Roma Romanow, Marusja Agiewa,Shanna Bullock, Nikas Safronoy, Helen Yarmak, Galina Schostakowisch, Mstislaw Rostropowitsch
Deutschland 2007, 94 Minuten
Sprache: Russisch, O.m.U.
Kinostart: 13. Dez. 2007

Kultur Beitrag vom 12.12.2007 AVIVA-Redaktion 





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