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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.01.2013

Play. Ein Film von Ruben ├ľstlund. Kinostart 24. Januar 2013
Sonja Baude

Wenn Kinder Kinder unterdr├╝cken: eine klug inszenierte Studie ├╝ber das grausame Erstarken Einzelner innerhalb einer Gruppe, ├╝ber die Lust an Machtaus├╝bung und ├╝ber gesellschaftliche Ungleichheit.



Ist das alles nur ein Kinderspiel? Auf Grundlage einer ├ťberfallserie, die in G├Âteburg im Zeitraum von drei Jahren stattfand, rekonstruierte der schwedische Filmemacher die eigenwillige Struktur, man k├Ânnte sagen Dramaturgie, die diesen ungef├Ąhr 40 Vorf├Ąllen innewohnte.Immer war es eine Gruppe Jugendlicher im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die ein wenig j├╝ngere Kinder ihrer Habseligkeiten beraubte.
├ľstlund recherchierte genau, sah sich s├Ąmtliches Gerichtsmaterial an sowie Videos, die im ├Âffentlichen Raum durch ├ťberwachungskameras aufgenommen worden waren.

Nun ist auf den ersten Blick das bemerkenswerte Merkmal des ├ťberfallsettings, dass die Angreifer alle aus Einwanderfamilien kommen und schwarz sind, die ├╝berfallenen Kinder jedoch wei├č und aus b├╝rgerlichen Verh├Ąltnissen stammen. Als der Film in Schweden startete, warf ihm die Kritik teilweise vor, rassistisches Gedankengut zu manifestieren oder gar erst neu zu konstituieren. Er tut beides nicht, vielmehr konfrontiert er die ZuschauerInnen mit vorherrschenden Stereotypen ├╝ber das Fremde und echter und vermeintlicher political correctness.

├ľstland selbst interessiert an erster Stelle, wie es den angreifenden Jugendlichen gelang, vor allem dank ausgekl├╝gelter Rhetorik, g├Ąnzlich unter Verzicht k├Ârperlicher Gewalt oder Gewaltandrohung, ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Hab und Gut den ├Ąlteren Kindern zu ├╝berlassen. Ein perfides Spiel denken sich die Angreifenden aus, um ihre Opfer derart in Angst zu versetzen, dass sie sich au├čerstande sehen, die Forderungen zu verweigern. Dabei spielen in der Gruppe der Angreifer alle ihre ganz eigene Rolle und gehen immer mehr oder minder gleicherma├čen vor: Sie beschuldigen die j├╝ngeren Kinder, ein Handy geklaut zu haben, lassen es sich dann zeigen und versichern einander, dass es sich um das vermisste und gestohlene Telefon handele. Darauf folgt eine sehr subtile psychologische Interaktion, die im Letzten dazu f├╝hrt, dass sich die Opfer ihrer eigenen Unschuld nicht mehr gewiss sind, sich dem massiven Druck ihrer Widersacher beugen und in Bewegungslosigkeit erstarren.

Der Film zeigt dieses Procedere anhand eines exemplarischen Falles. Besonderes Augenmerk richtet ├ľstlund auf das Ph├Ąnomen, dass sich die Angreifer in der Realit├Ąt offensichtlich die gesellschaftlichen Vorurteile gegen├╝ber "Fremdheit" zunutze machten und geradezu einen umgekehrten Rassismus auf den Plan riefen. An einer Stelle des Films hei├čt es sinngem├Ą├č von Seiten der Angreifer: "Wie bl├Âd m├╝sst ihr sein, Schwarzen euer Handy zu zeigen?"

So f├╝hrt der Film die ZuscherInnen tief in ein Psychospiel, in das wir wie in einen Guckkasten hineinblicken. ├ľstlund f├╝hrt keinen einzelnen Protagonisten bevorzugt vor, mit dem eine Identifizierung m├Âglich w├Ąre. Stattdessen setzt er unbedingt auf die Totale, baut lange Einstellungen und reduziert die Schnitte auf das N├Âtigste, um das Geschehen im Detail beobachten zu k├Ânnen, von au├čen. Erz├Ąhlte Zeit und Erz├Ąhlzeit scheinen einander zu entsprechen. Damit wird die Schau um so pr├Ąziser und analytischer, so als handele es sich um eine minuti├Âse Dokumentation. Grandios gespielt von allen jugendlichen Laiendarstellern, die vergessen lassen, dass sie blo├č Figuren mimen.

Dass ├ľstlund wie nebenbei mit seinem Film auch einen komplexen Beitrag zum Thema Immigration in Schweden geleistet hat, zeigt nicht zuletzt ein kleiner Nebenstrang in der Geschichte, indem die Kamera immer wieder Szenen auf einem Platz einf├Ąngt, auf dem s├╝damerikanische Panfl├Âtenspieler sich ein romantisiertes Klischee vom "Indianer" nutzbar machen und in folkloristischer Kleidung das Fremde in die schwedische Gesellschaft vermeintlich integrieren.

AVIVA-Tipp: "Play" ist eben kein Spiel, sondern zeigt sehr genau Mechanismen von Macht und Erniedrigung in s├Ąmtlichen Spielarten auf. Darin verweigert der Film explizit einfache moralische Zuweisungen und beleuchtet die Vielschichtigkeit von Ursache und Wirkung von Machtgebahren. Alle acht jugendlichen Laiendarsteller verstehen es in ├╝berzeugender Spielweise, gesellschaftliche Rollenzuweisungen vorzuf├╝hren und lehren die ZuschauerInnen, dass Vorurteile, auch Zivilcourage und Gerechtigkeit stets neu zu ├╝berdenken sind.

"Play ÔÇô nur ein Spiel?" wurde u.a. mit dem Schwedischen Filmpreis "Guldbagge" f├╝r die Beste Regie ausgezeichnet.


Play
Schweden / Frankreich / D├Ąnemark 2011
Regie & Drehbuch: Ruben ├ľstlund
K├╝nstlerische Beratung Kalle Bomann
Kamera: Marius Dybwad Brandrud
Schnitt: Ruben ├ľstlund, Jacob Schulsinger
Produktion: Plattform Produktion, Coproduktion Office ApS
Verleih: fugu Filmverleih
Laufl├Ąnge: 113 Minuten
Kinostart: 24. Januar 2013
Weitere Infos unter: www.fugu-films.de


Kultur Beitrag vom 19.01.2013 Sonja Baude 





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