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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.04.2013

Ginger & Rosa. Ein Film von Sally Potter. Ab 12. September 2013 auf DVD
Julia Lorenz

London, 1962. Zwischen Kubakrise und wilden Partyn├Ąchten beginnen zwei unangepasste Teenager ihren Feldzug gegen Krieg und Konventionen - bis der Kampf sein erstes Opfer fordert: Ihre Freundschaft..



Ein lauter Knall im fernen Asien ├Ąndert die Spielregeln: Am 6. August 1945 werfen die Vereinigten Staaten von Amerika die erste Atombombe auf die japanische Hafenstadt Hiroshima ab und liefern damit den unmenschlichen Beweis, welch brachiale Zerst├Ârungskraft von jener neuen Bedrohung f├╝r die Weltbev├Âlkerung ausgeht.
In England erblicken im selben Jahr Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) das Licht der Welt. Bereits im Kindesalter durch die Freundschaft ihrer M├╝tter verbunden, wachsen die beiden zu engsten Vertrauten heran und teilen im London der Sechziger Jahre nicht nur ihre Vorliebe f├╝r Dufflecoats, sondern auch ihre ersten Erfahrungen mit Jungs, Alkohol und politischem Aktivismus. Eines steht fest: Sie wollen anders leben als ihre M├╝tter. Rosas chronisch ├╝berforderte Single-Mom Anoushka (Jodhi May) hat die Kontrolle ├╝ber ihre rebellische Tochter schon lange verloren, Gingers frustrierte Mutter Natalie (Christina Hendricks) fungiert f├╝r ihre Tochter vorrangig als Anti-Role-Model: Die ehemalige K├╝nstlerin setzt sich f├╝r mehr Hauswirtschaftsunterricht an Schulen ein und wird als spie├čb├╝rgerliches Doris-Day-Abziehbild in Szene gesetzt.

Ganz im Gegensatz zu Vater Roland (Alessandro Nivola): Als Akademiker mit Faible f├╝r Django Reinhardt-Platten, Pazifist und Boh├Ęmian ist er die perfekte Projektionsfl├Ąche f├╝r Gingers romantische, antikonservative Zukunftsvorstellungen. Doch Rolands freigeistige Attit├╝de imponiert auch Rosa. Sie glaubt, eine tiefe Verbundenheit zu ihm zu sp├╝ren und ihn von seinen Kriegs-Traumata heilen zu k├Ânnen - sehr zu Gingers Leidwesen, der sich neben der atomaren Bedrohung ein weiteres ernstes Problem er├Âffnet: Ihre beste Freundin und ihr Vater haben sich ineinander verliebt.

Wenn die Selbstverwirklichung des/r Einen im Widerspruch zum Wohl des/r Anderen steht - was hat dann Priorit├Ąt? Sally Potter widmet sich in ihrem neuen Werk einer komplexen Frage, die am delikaten Dreiecksverh├Ąltnis zwischen Ginger, Rosa und Roland exemplarisch nachvollzogen werden kann. Auf der einen Seite steht die Forderung nach freier, unkonventioneller Liebe, auf der anderen das Verh├Ąltnis zwischen Teenager Rosa und Roland. Instinktiv lehnt mensch die Beziehung ab und sch├╝ttelt den Kopf ├╝ber den Egoismus der Beteiligten, der Gingers Weltbild aus den Fugen geraten und ihren Kampf gegen die atomare Bedrohung mehr und mehr zum Ventil f├╝r ihre inneren Konflikte werden l├Ąsst. Rolands Filmcharakter durchlebt dabei einen bemerkenswerten Werdegang: Vom leichtlebigen Daddy Cool zum Rabenvater. Doch wer dem Spie├čerInnentum den Kampf ansagt, muss die eigenen, radikalen Prinzipien zu Ende denken: Ist nicht auch das Verh├Ąltnis zwischen der fr├╝hreifen Rosa und dem wesentlich ├Ąlteren Libertin eine "Liebe gegen das Moraldiktat" - und somit genau das, was Ginger und ihre MitstreiterInnen fordern?

Sally Potter nimmt die emotionalen N├Âte, den liebenswert-naiven Idealismus und EntdeckerInnengeist ihrer jungen Charaktere ernst - und rekonstruiert somit nicht zuletzt ihre eigene Jugend: Im Interview mit dem britischen Guardian verriet die Regisseurin, dass sich die Gemeinsamkeiten zwischen ihr und der jungen Protagonistin nicht nur auf die markante Haarfarbe beschr├Ąnken lassen: Von Gingers poetischen Ambitionen bis hin zu ihrem leidenschaftlichen Aktivismus finden sich viele Parallelen zur jugendlichen Sally Potter. Ein Umstand, der sich im Film durch viel Sensibilit├Ąt und Sympathie f├╝r die Charaktere ├Ąu├čert.

AVIVA-Tipp: "Ginger und Rosa" ist nur bei oberfl├Ąchlicher Betrachtung das Portrait einer M├Ądchenfreundschaft: Regisseurin Potter hinterfragt in ihrem neuen Werk den Preis der Autonomie. Und zwar so klug und nuanciert, dass die Parteinahme - trotz intuitiver Ablehnung muffiger Fifties-Residuen - im Filmverlauf zunehmend schwer f├Ąllt. Das ist nicht zuletzt eine Leistung des gro├čartigen Casts, allen voran Elle Fanning, die zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal dreizehn Jahre alt war - wie Sally Potter im Jahre 1962. Mit viel Sixties-Zeitkolorit zeichnet die Britin das Bild einer Generation, die, gepr├Ągt von Aufbruchsstimmung und Innovationsdrang, viel riskierte, um sich von den moralischen Restriktionen der Nachkriegszeit zu befreien.

Zur Regisseurin: Sally Potter wurde 1949 in London geboren. Bereits mit sechzehn Jahren verlie├č sie die Schule und begann, eigene Filme zu drehen. An der London School of Contemporary Dance wurde sie zur T├Ąnzerin und Choreographin ausgebildet und gr├╝ndete ein eigenes Tanzensemble, die "Limited Dance Company". Mit der Adaption des Virginia Woolf Romans "Orlando" gelang ihr 1992 schlie├člich der internationale Durchbruch: Der Film erhielt zwei Oscarnominierungen und wurde vielfach international ausgezeichnet. Multitalent Potter trat auch als Komponistin, S├Ąngerin sowie als Schauspielerin in verschiedenen Projekten in Erscheinung, so in ihrem Film "Tango Lesson" aus dem Jahr 1997. F├╝r ihre Werke "Yes" (2004) und "Rage" (2009) war Potter nicht nur als Regisseurin, sondern auch als Drehbuchschreiberin t├Ątig.
Weitere Infos zur Regisseurin unter: www.sallypotter.com

Ginger & Rosa
Gro├čbritannien/ D├Ąnemark 2012
Regie und Buch: Sally Potter
DarstellerInnen: Alice Englert, Elle Fanning, Alessandro Nivola, Christina Hendricks, Annette Bening, Timothy Spall, Oliver Platt, Jodhi May, Oliver Milburn, Andrew Hawley
Kamera: Robbie Ryan BSC
Schnitt: Anders Refn
Produzenten: Christopher Sheppard, Andrei Litvin
Co-ProduzentInnen: Peter Bose, Jonas Allen, Lene Bausager, Michael Weber
Musik: Amy Ashworth
Kost├╝me: Holly Waddington
Filml├Ąnge: 87 Minuten
Verleih: Concorde Video
Format: Dolby, DTS, PAL, Widescreen
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bonus: Interviews mit dem Cast und der Regisseurin Sally Potter
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Preis: 12,99,- Euro
Eine Co-Produktion von BBC Films in Zusammenarbeit mit Adventure Pictures, British Film Institute, Det Danske Filminstitut und Media House Capital + Miso Films
DVD-Start: 12. September 2013
www.gingerandrosa.com



Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Tango Lesson von und mit Sally Potter

Yes

Sally Potter in interview (2005)


Kultur Beitrag vom 03.04.2013 Julia Lorenz 





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