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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.08.2013

Meret Oppenheim - Retrospektive verl├Ąngert! Noch bis zum 6. Januar 2014 im Martin Gropius Bau
AVIVA-Redaktion

Erstmals ist Meret Oppenheim eine gro├če Werkschau in ihrer Geburtsstadt Berlin gewidmet. Am 6. Oktober 2013 w├Ąre die j├╝disch-deutsche Ausnahmek├╝nstlerin einhundert Jahre alt geworden.



1913 in Berlin geboren, wuchs Meret Oppenheim auf beiden Seiten der deutsch-schweizerischen Grenze auf. Durch ihre Gro├čmutter Lisa Wenger-Rutz ÔÇô Autorin, Malerin und Frauenrechtlerin ÔÇô kam sie fr├╝h mit der Kunst in Ber├╝hrung und folgte mit 18 Jahren dem Ruf in das damalige k├╝nstlerische Zentrum Paris. Sie war schnell in den Kreis der Surrealist_innen um Andr├ę Breton, Dora Maar, Alberto Giacometti, Max Ernst und Leonor Fini aufgenommen. Ein Kreis, der sie inspirierte, aber auch einschr├Ąnkte, denn Oppenheim wollte weder kategorisiert werden noch sich einer k├╝nstlerischen Bewegung verschreiben. Zeitlebens litt sie daher unter der ihr zugewiesenen Rolle als "Muse" und "femme-enfant" des franz├Âsischen Surrealismus ÔÇô ein Bild, das unter anderem durch die Erotisierung ihrer "Pelztasse" (Breton verlieh dem Objekt den Namen "Fr├╝hst├╝ck im Pelz") als auch durch die von Man Ray geschossenen Aktfotos gen├Ąhrt wurde. "Ich verabscheue Etiketten", schrieb sie noch kurz vor ihrem Tod im Jahr 1985, nachdem diese Etiketten lange Zeit den Blick auf den Rest ihres Schaffens verstellt und sie Ende der 1930er in eine lange Schaffenskrise st├╝rzten. Diese versch├Ąrfte sich durch ihre prek├Ąre Lebenssituation, da ihr als "halb-j├╝disch" klassifizierter Vater seinen Beruf als Arzt nicht mehr aus├╝ben und sie daher nicht mehr finanziell unterst├╝tzen konnte.

Der spielerisch-humorvolle Umgang ihrer Werke mit Alltagsmaterialien, die sie in immer neue, gr├Â├čtenteils erotische, Sinnzusammenh├Ąnge transferierte, ist ein besonderes Charakteristikum ihrer k├╝nstlerischen Arbeit. Dies verbindet sie auch mit ihren K├╝nstlerfreunden Max Ernst, Alberto Giacometti, Marcel Duchamp, Andr├ę Breton, Hans Arp, Francis Picabia, Pablo Picasso oder Man Ray.



Jene Fotografien der Serie "├ërotique voil├ęe" (1934) , in denen Man Ray einst sein Modell Meret Oppenheim inszenierte, geh├Âren heute zu den bedeutendsten Werken des Surrealismus, in dessen Kreisen in Paris die K├╝nstlerin hoch anerkannt war. Noch 1983 war die diskursive Kraft ihres Surrealismus sp├╝rbar, als auf dem Waisenhausplatz in Bern unter heftigster ├Âffentlicher Debatte ihr "Oppenheimbrunnen" eingeweiht wurde.

Die Rezeption von Meret Oppenheims ├Ąu├čerst vielseitigem, von Experimenten und Umbr├╝chen, von Metamorphosen und dem "Traumhaften" gepr├Ągtem Schaffen hatte es nicht immer einfach. Auf Einheitlichkeit oder Wiedererkennbarkeit verzichtete die K├╝nstlerin zugunsten einer Experimentierfreudigkeit, mit der sie sich ├╝ber die Grenzen eines k├╝nstlerischen Stils, einer Gattung oder einer linearen Entwicklung hinwegsetzte.



Sprache und Mythen, Spiele und Tr├Ąume dienten ihr ebenso als Ausgangspunkt wie literarische Vorlagen und die Psychoanalyse C.G. Jungs. "Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen", res├╝mierte Oppenheim 1975. Ihre emanzipatorische, nonkonformistische Haltung sowie ihre kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Festschreibungen und zugewiesenen Geschlechterrollen machten sie zu einer zentralen Identifikationsfigur f├╝r nachfolgende Generationen von K├╝nstlerinnen.



Die Werkschau pr├Ąsentiert das gesamte Spektrum von Meret Oppenheims Oeuvre, das in seiner Unabh├Ąngigkeit und Vielgestaltigkeit bis heute wegweisend ist. Der k├╝nstlerischen Verfahrensweise Oppenheims folgend, die bestimmte Topoi ├╝ber lange Zeitr├Ąume hinweg immer wieder neu aufgriff und bearbeitete, legt die Schau einen Parcours thematischer Verdichtungen quer durch die Schaffensperioden der K├╝nstlerin: magische Objekte, Traumszenen und Mythen, Darstellungen des Unsichtbaren, Cadavre-exquis und das Spiel als k├╝nstlerische Methode, Identit├Ątssuche, Metamorphosen zwischen den Geschlechtern, zwischen Mensch und Tier, Natur und Kultur. Ausgehend von ihren viel beachteten Fr├╝hwerken im Umkreis der SurrealistInnen bis hin zu ihrem weniger bekannten poetischen Sp├Ątwerk sind ihre Zeichnungen, Gem├Ąlde, Objekte und Collagen ebenso zu sehen wie ihre Dichtung und Traumaufzeichnungen sowie ihre humorvoll-fantastischen Design-, Schmuck- und Kleiderentw├╝rfe. "Jeder Einfall wird geboren mit seiner Form. Man wei├č nicht, woher die Einf├Ąlle einfallen: sie bringen ihre Form mit sich, so wie Athene behelmt und gepanzert dem Haupt des Zeus entsprungen ist, kommen die Ideen mit ihrem Kleid."

Meret Oppenheim war eine der ersten K├╝nstlerinnen, deren Werk von Alfred Barr, dem Gr├╝ndungsdirektor des Museums of Modern Art, 1938 in die Sammlung aufgenommen wurde.
1982 wurde Meret Oppenheim mit dem Gro├čen Preis der Stadt Berlin geehrt. Im gleichen Jahr nahm sie an der documenta 7 teil. Kurz vor ihrem Tod wurde sie Mitglied der Berliner Akademie der K├╝nste. Sie starb am 15. November 1985 in Basel.
Mit ihrer zum Mythos gewordenen Pelztasse dem "D├ęjeuner en fourrure" wurde sie weltber├╝hmt. Das mit Fell bezogene Fr├╝hst├╝cksgedeck, 1936 in der Pariser Surrealisten-Schau gezeigt, geh├Ârt zu den herausragenden Werken der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts. Auch wenn diese Tasse in der Retrospektive nicht vertreten ist, zeigen die nun ausgestellten Exponate die ganze Bandbreite des Schaffens dieser bedeutenden K├╝nstlerin und richten den Blick auf das Werk einer Frau, die zeitlebens kompromisslos ihre nonkonformistische und gesellschaftskritische Sicht in ihrer Kunst gelebt hat.



Die Retrospektive entstand in enger Zusammenarbeit mit der Familie der K├╝nstlerin sowie mit dem Kunstmuseum Bern, in dem sich das Archiv Meret Oppenheim befindet und das mit dem Legat der K├╝nstlerin die bedeutendste Sammlung Meret Oppenheims besitzt. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Kunstforum Wien erarbeitet.

AVIVA-Tipp: Die Retrospektive dokumentiert das Werk dieser starken, hochsensiblen Frau und unabh├Ąngigen, rebellischen K├╝nstlerin in einer Weise, die ihr selbst auch gefallen h├Ątte: Wie spielerisch angeordnet, manchesmal wie zuf├Ąllig inszeniert, aber immer mit dem Blick auf das Wesentliche ÔÇô die Kunst in seiner reinsten Form ÔÇô konzentriert sich die Werkschau zu Ehren von Meret Oppenheims 100. Geburtstag dort, wo auch sie ihre Wurzeln hatte ÔÇô in Berlin.



Retrospektive verl├Ąngert! Noch bis zum 6. Januar 2014 im Martin Gropius Bau


Fast 50.000 BesucherInnen haben die Ausstellung "Meret Oppenheim. Retrospektive" bisher gesehen. Wegen des gro├čen Erfolges wird die Ausstellung noch bis zum 6. Januar 2014 im Martin-Gropius-Bau gezeigt.


Meret Oppenheim - Retrospektive
16. August 2013 ÔÇô bis zum 6. Januar 2014

├ľffnungszeiten:

Mittwoch bis Montag von 10-19 Uhr ge├Âffnet, dienstags geschlossen
An den Feiertagen ist die Ausstellung wie folgt ge├Âffnet:
24.12.2013 und 31.12.2013 geschlossen, an allen anderen Tagen von 10-19 Uhr ge├Âffnet.
Eintrittspreise:
10 Euro / erm├Ą├čigt 7 Euro
Gruppen (ab 5 Personen) p.P. 7 Euro
Eintritt frei bis 16 Jahre

Online-Tickets und Infos unter:

www.berlinerfestspiele.de

├ľffentliche F├╝hrungen:
Samstags 14 Uhr (ohne Anmeldung)
3 Euro zzgl. Eintritt p.P. 7 Euro

Angemeldete F├╝hrungen:
F├╝r Gruppen: F├╝hrungen (60 min.)
Erwachsene: 60 Euro zzgl. Eintritt p.P. 7 Euro /
Schulklassen: 45 Euro, Eintritt frei bis 16 Jahre

Beratung und Anmeldung f├╝r F├╝hrungen
MuseumsInformation Berlin
Tel. +49 (0)30 / 24749-888, Fax +49 (0)30 / 24749-883
museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de
www.museums-moderation.de

Das Sch├╝lerInnenprogramm zur Ausstellung "Meret Oppenheim. Retrospektive" ist online unter: www.berlinerfestspiele.de

Veranstalter: Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Martin-Gropius-Bau Berlin und des Bank Austria Kunstforum Wien. Gef├Ârdert durch den Hauptstadtkulturfonds. Mit freundlicher Unterst├╝tzung von Pro Helvetia.
Kuratorin: Heike Eipeldauer

Medienpartnerin: u.a. AVIVA-Berlin.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die AVIVA-Werkschau: 100 Jahre Meret Oppenheim - Zeit f├╝r einen Perspektivenwechsel

Meret Oppenheim - Tr├Ąume, Aufzeichnungen 1928-1985

Meret Oppenheim. The first Lady of MoMA - Ausstellung in der Galerie Schoen+Nalepa, 8. Juni bis 28. August 2004

(Quelle Berliner Festspiele)

Copyright Fotos: Sharon Adler

Kultur Beitrag vom 16.08.2013 AVIVA-Redaktion 





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