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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.04.2014

SCHNEE VON GESTERN. Ein Film von Yael Reuveny. Kinostart: 10. April 2014
Sharon Adler

Ihr Film "Kleine Miriam┬┤L" wurde auf dem 12. J├╝dischen Filmfestival gezeigt, nun begibt sich die in Berlin lebende israelische Filmemacherin und Stipendiatin der Stiftung Zur├╝ckgeben in dieser ...



... Dokumentation auf eine Reise an die Orte ihrer Familienvergangenheit in Israel, Deutschland und Polen.

Sieben Jahre lang hat Yael Reuveny an diesem Film gearbeitet, doch die Geschichte, die sie erz├Ąhlt, begleitet sie schon viel l├Ąnger. Seit ihrer fr├╝hesten Kindheit wei├č sie von ihrer Gro├čmutter m├╝tterlicherseits um den Verlust, der deren Leben bestimmte.

Nicht nur das Wissen um die Ausl├Âschung der Familie ist es, das die Gro├čmutter Michla bis an ihr Lebensende traumatisiert, es ist vielmehr ein dreifaches Trauma, das in ihrem Leben den gr├Â├čten Raum einnimmt: Ihr Bruder Feiv┬┤ke, totgeglaubt, beinahe wiedergefunden und dann erneut und f├╝r immer verloren.

Schritt f├╝r Schritt, Gespr├Ąch f├╝r Gespr├Ąch n├Ąhert sich die Enkelin dieser tieftraurigen Geschichte filmisch an, nicht ohne dabei ihr eigenes Leben selbstbestimmt weiterzuleben.

Die Geschwister Michla und Feiv┬┤ke Schwarz glauben, sie seien die einzigen ├ťberlebenden in ihrer Familie aus Wilna. Doch von einem Bekannten h├Ârt Michla, er habe ihren Bruder gesehen und sie solle am n├Ąchsten Morgen zum Bahnhof im polnischen Lodsch (Lodz) kommen. Michla wartet voller Hoffnung und Vorfreude, aber Feiv┬┤ke kommt nicht, und sie erf├Ąhrt, dass ein Feuer ein Lager f├╝r ├╝berlebende j├╝dische Menschen zerst├Ârt hat...
Sie wei├č nicht, dass Feiv┬┤ke noch am Leben ist und geht nach Pal├Ąstina, um dort sp├Ąter ihre eigene Familie zu gr├╝nden, w├Ąhrend er nach Deutschland ausgerechnet an den Ort zur├╝ckkehrt, wo er im KZ war. Er ├Ąndert seinen Namen zu Peter, heiratet eine deutsche Frau und gr├╝ndet eine deutsche Familie.

Ihren Kindern und Enkeln aber l├Ąsst das nicht gegl├╝ckte Treffen keine Ruhe, sie begeben sich unabh├Ąngig voneinander auf eine Recherchereise, die ihrem Leben eine neue Geschichte hinzuf├╝gt und die Erinnerung von zwei Familien und drei Generationen neu schreibt.

Dazu Yael Reuveny:

"Als Kind war ich fasziniert von dem einen Moment unserer Familiengeschichte. Ein Tag im Nachkriegs-Lodz, als meine Gro├čmutter f├╝r einen kurzen Augenblick glaubte, dass die brutale Klaue der Geschichte ihr etwas zur├╝ckgeben w├╝rde. Sp├Ąter examinierte meine Gro├čmutter diesen Moment wie ein arch├Ąologisches Artefakt, versuchte ihn zu entschl├╝sseln und zu rekonstruieren, immer wieder - bis er zum R├╝ckgrat unserer Familie wurde. Was f├╝r eine Familie w├Ąren wir geworden, wenn die Welt ihr dieses kleine Wunder erlaubt h├Ątte? Wenn Feiv┬┤ke zum Treffen gekommen w├Ąre?

Mit dieser Frage begann mein Arbeiten an diesem Film, vor sieben Jahren. ├ťber die wunderbare Kraft des Kinos wollte ich Feiv┬┤ke wieder auferstehen lassen. Doch bald fand ich heraus, dass es nicht reichen w├╝rde, einen Film ├╝ber Feiv┬┤ke und meine Gro├čmutter zu machen. Wir kennen bereits die vielen Geschichten dieses Krieges ÔÇô auf beiden Seiten, Opfer und T├Ąter. Und dennoch helfen sie nicht zu verstehen, was damals passiert ist. Es bleibt ein unantastbarer Kern, der sich nicht begreifen l├Ąsst.
Und deswegen musste Schnee von gestern ein Film ├╝ber uns werden, ├╝ber ihre Kinder und Enkelkinder. Ich musste dar├╝ber erz├Ąhlen, was dieser Krieg mit uns gemacht hat, sehr pers├Ânlich und intim.

Jeder Krieg ist wie ein Urknall. Ein Moment, wo die Familien zu z├Ąhlen beginnen:
erste Generation, zweite Generation... Das Geschichtenerz├Ąhlen dient ihnen als ├ťberlebensinstrument. Die Geschichten erkl├Ąren ihnen, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Sie helfen ihnen, sich im gro├čen Fluss der Geschichte zu positionieren und wieder Ordnung in die Katastrophe zu bringen. Wir zergliedern sie und setzen sie neu zusammen, wir bel├╝gen uns selbst, bis wir sie unser eigen nennen ÔÇô damit wir damit klar kommen, was wir geerbt bekommen haben.
Das ist, was ich in diesem Film tat."


Yael Reuveny wurde in Israel geboren und absolvierte die ┬┤Academy of Film and Television Sam Spiegel┬┤ in Jerusalem. Sie lebt in Tel Aviv und Berlin.
Im Jahr 2009 war Yael Reuveny mit diesem Filmprojekt eine der Preistr├Ągerinnen der Stiftung Zur├╝ckgeben, die Projektzusch├╝sse an j├╝dische K├╝nstlerinnen und Wissenschaftlerinnen vergibt.

SCHNEE VON GESTERN begeisterte auf zahlreichen Festivals und erhielt folgende Auszeichnungen:

HAIFA International Film Festival 2013: Bester Dokumentarfilm
Dok Leipzig 2013: DEFA Preis f├╝r Besten Dokumentarfilm
FilmFestival Cottbus 2013: Dialogpreis

Von der Filmbewertungsstelle wurde der Film mit dem Pr├Ądikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet

Yael Reuveny erh├Ąlt f├╝r diesen Film den Gershon-Klein-Filmpreis f├╝r den besten deutschen Dokumentarfilm mit j├╝discher Thematik des J├╝dischen Films Berlin & Potsdam 2014.

AVIVA-Tipp: Die Dokumentation "SCHNEE VON GESTERN" macht noch einmal mehr erfahrbar wie sehr das Trauma der Shoah von der ersten bis in die Generation heute weitergegeben wurde, wie sehr sie bis heute hineinwirkt.
Die Intention der Filmemacherin Yael Reuveny, "... die Vergangenheit in ihrer ganzen Komplexit├Ąt in das gegenw├Ąrtige Leben zu integrieren" ist ihr gelungen. "SCHNEE VON GESTERN" ist ein Film, der lange nachwirkt.

"SCHNEE VON GESTERN" wurde im Rahmen des 20. J├╝dischen Filmfestivals Berlin & Potsdam gezeigt. Mehr Infos und der Trailer unter: www.jffb.de

SCHNEE VON GESTERN
D / Israel 2013
Ein Film von Yael Reuveny
Dokumentarfilm, 96 min.
hebr./dt./engl. dUT OmU
Kinostart: 10. April 2014
Im Verleih von Film Kino Text




(Quelle. Film Kino Text, AVIVA-Berlin, Stiftung Zur├╝ckgeben)

Kultur Beitrag vom 07.04.2014 Sharon Adler 





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