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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 07.07.2014

After the Rain. Ausstellung der koreanischen K├╝nstlerin Jinran Kim bis 27. Juli 2014 in der Galerie im K├Ârnerpark
Dorothee Robrecht

Zu sehen sind Installationen, Malerei, Zeichnungen und Objekte. Jinran Kim lebt Berlin, wie viele internationale K├╝nstlerInnen. Doch kaum jemand setzt sich k├╝nstlerisch so mit Berlin auseinander ...



... wie die Koreanerin. Kim hat international ausgestellt, u.a. in Tokio, Moskau und Paris. Die Ausstellung im K├Ârnerpark ist die erste Jinran-Kim-Werkschau einer Berliner Institution.

Frau Kim, seit wann sind Sie in Berlin?
Jinran Kim: Seit 1994, ich habe Bildhauerei in Seoul studiert und bin dann nach meinem Studium nach Berlin gegangen. Ich wollte unbedingt nach Berlin, ich h├Ątte auch nach London oder New York gehen k├Ânnen, aber Berlin hat mich fasziniert. Nicht nur aber auch, weil es eine geteilte Stadt war, und weil ich selbst aus einem geteilten Land komme.

Ihre j├╝ngste Arbeit "After the Rain" erinnert an das v├Âllig zerst├Ârte Berlin von 1945. Warum einen Horror revitalisieren, der Vergangenheit ist?
Jinran Kim: H├Ątte ich diese Bilder als Schweizerin oder Amerikanerin gemalt, k├Ânnte man zu Recht sagen, was soll das? Aber ich komme aus Korea, und auch Seoul war nach dem Krieg kaputt, so wie Berlin. Nicht 1945, aber 1953 nach dem Korea Krieg. Und vermutlich bin ich deshalb besonders empf├Ąnglich f├╝r die Aura Berlins. Ich nehme Berlin als eine Stadt wahr, die bis heute zutiefst gepr├Ągt ist dadurch, dass sie 1945 in Schutt und Asche gelegen hat.

Wie ist "After the Rain" entstanden?
Jinran Kim: Ich habe in Archiven nach Fotos gesucht, die zeigen, was ich vor meinem inneren Auge sehe, wenn ich durch Berlin laufe. Nach Fotos, die 1945 gemacht wurden, w├Ąhrend oder unmittelbar nach Bombenabw├╝rfen, von markanten Geb├Ąuden wie zum Beispiel dem Hotel Adlon, das mal voller Leben war. Diese Fotos waren meine Grundlage. Mir ging es nicht darum, sie abzumalen. Ich habe sie ├╝bersetzt in gro├čformatige Gem├Ąlde, die sie verfremden. Alle sind mit Asche gemalt, f├╝r die ich Holz verbrannt habe aus Altbauten, die damals schon standen.

Die Bilder sind sehr sch├Ân, sehr elegant in ihren Schattierungen zwischen einem fast wei├čen Grau und tiefem Schwarz. ├ästhetisieren Sie Grauen und Zerst├Ârung damit nicht?
Jinran Kim: Das ist eine sehr europ├Ąische Frage, die in Asien niemand stellen w├╝rde. Die Frage impliziert ja, dass Sch├Ânheit reserviert sein sollte f├╝r das Gute und Angenehme, und das ist in Asien nicht so. Sch├Ânheit ist ein Grundprinzip, wenn es um Darstellung geht, unabh├Ąngig von den Inhalten. Aber um die Frage zu beantworten: Nein, ich ├Ąsthetisiere das Grauen nicht, ich zeige es oder besser, ich reinszeniere es. Auf meinen Bildern kann man das Detonieren der Bomben fast h├Âren und den Rauch noch riechen. F├╝r mich hat dieses Reinszenieren mit Katharsis zu tun.

Meinen Sie mit Katharsis das, was Aristoteles als seelische Reinigung beschrieben hat?
Jinran Kim: Ja, dieselbe Wirkung, die Aristoteles der Trag├Âdie zugeschrieben hat, erhoffe ich mir f├╝r die Berlin-Bilder. Es geht um Erl├Âsung, um das Loswerden von Angst. Angst vor Gewalt, Krieg, Sterben - f├╝r mich sind das Gef├╝hle, die in der Luft liegen. Sie lassen sich in Berlin nur leichter verdr├Ąngen, in Korea sind sie pr├Ąsenter, wegen der tagt├Ąglichen Konflikte zwischen Nord- und S├╝dkorea.

"Tr├╝mmerfrauen" hei├čt eine andere Arbeit von Ihnen ÔÇô Zeichnungen koreanischer Geishas, die wie displaced persons durch das zerst├Ârte Berlin ziehen. Warum Geishas?
Jinran Kim: Ich als K├╝nstlerin sehe mich in der Tradition koreanischer Geishas, und wenn Sie so wollen, sind die Zeichnungen auch ein ironischer Kommentar zu meiner Rolle als Asiatin in Berlin. Das Wort Geisha hat in Europa oft einen leicht anz├╝glichen Klang, den es in Korea ├╝berhaupt nicht hat. Geishas waren K├╝nstlerinnen, die man bezahlte, weil sie gut malten, sangen oder tanzten. Geisha war ein respektabler Beruf, und verschwunden ist der erst, als Korea nach dem Krieg eigene Traditionen aufgab, um westlichen Vorbildern nachzueifern. Und nat├╝rlich sind K├╝nstlerinnen f├╝r mich letztlich auch Tr├╝mmerfrauen, weil oft sie es sind, die Dinge aufarbeiten. Die sich f├╝r Erinnerungen interessieren und daf├╝r, wie sie Leben formen.

W├╝rden Sie sich als Konzeptk├╝nstlerin bezeichnen?
Jinran Kim: Ich brauche dieses Etikett nicht, aber es w├Ąre auch nicht ganz falsch. Ich recherchiere immer sehr lange f├╝r meine Arbeiten, unabh├Ąngig davon, ob es um eine Installation, ein Bild oder eine Performance geht. Immer gibt es einen Gedanken oder ein Gef├╝hl, das ich verfolge, bevor ich es umsetze in sinnlich Erfahrbares.

Jinran Kim
"After the Rain":

Veranstaltungsort: Galerie im K├Ârnerpark
Ausstellung bis zum 27.7.2014, ├ľffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr
F├╝hrung jeden Sonntag um 15.00 Uhr

Schierker Str. 8, 12051 Berlin
Tel. 030 ÔÇô 568 23 939

Mehr Informationen:

www.jinrankim.com

kultur-neukoelln.de


Copyright Foto von Jinran Kim: Jinran Kim

Kultur Beitrag vom 07.07.2014 AVIVA-Redaktion 





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