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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.11.2008

So viele Jahre liebe ich Dich
Alexandra Kasjan

In seinem DebĂŒt als Regisseur verfilmte Philippe Claudel eine einfĂŒhlsame Geschichte ĂŒber starke Frauen, Geheimnisse, SchuldgefĂŒhle und das physische als auch psychische Eingesperrtsein, NĂ€he...



... und Distanz, Vertrauen und Argwohn.

Juliette (Kristin Scott Thomas) hat in ihrem Leben viel durchgemacht. Die ehemalige Ärztin saß 15 Jahre lang im GefĂ€ngnis. Die Zeit dort prĂ€gte sie so sehr, dass sie anderen Menschen gegenĂŒber verschwiegen und distanziert begegnet. In ihrer Verschlossenheit verbirgt sich ein tiefer Schmerz. Allein ihre Schwester LĂ©a (Elsa Zylberstein), eine Literaturdozentin, die sie warmherzig aufnimmt, ist imstande, ihr Schweigen zu brechen. Obwohl sich beide nach so vielen Jahren der Entfremdung erst noch besser kennen lernen mĂŒssen, fĂŒhlt sich LĂ©a zu Juliette sehr hingezogen. Ihre Eltern hatten ihr damals jeden Kontakt zu ihrer Schwester verboten, ihre IdentitĂ€t wurde unter Freunden und Bekannten verschwiegen. Dennoch konnte LĂ©a ihre Ă€ltere Schwester, die sie als jĂŒngeres MĂ€dchen immer als Vorbild betrachtete, nie vergessen.

Der Film beginnt damit, dass LĂ©a ihre Schwester vom Flughafen abholt und sie zu Hause, sie lebt in Nancy, ihrer Familie vorstellt. Man sieht Juliette an, dass sie sich unbehaglich fĂŒhlt. Sie raucht viel und die Gegenwart von Luc (Serge Hazanavicius), LĂ©as Ehemann, der Juliette von Anfang an misstrauisch begegnet, und die kindliche Unbefangenheit der beiden vietnamesischen Adoptivtöchter, machen sie nervös. Mit der Zeit jedoch freundet sie sich mit der Ă€lteren Tochter, P`tit Lys, an. Diese interessiert sich seit ihrer ersten Begegnung fĂŒr Juliette und tut alles, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Juliette schließt P`tit Lys in ihr Herz ein und bringt ihr sogar das Klavierspielen bei.

Juliette, die bei ihrer Schwester vorĂŒbergehend eingezogen ist, bis sie Arbeit findet, wird mit den skeptischen Blicken seitens verschiedener potentieller Arbeitgeber konfrontiert. Als einer von ihnen herausfindet, was sie getan hat, will er nichts mehr mit ihr zu tun haben. Prompt wird sie hinausgewiesen. SpĂ€ter findet sie einen Job als medizinische SekretĂ€rin in einem Krankenhaus. Doch auch hier hat sie es nicht leicht, da sich ihre Kolleginnen bei ihrem Chef beschweren, sie sei zu reserviert.

LĂ©a versucht Juliette mit allen Mitteln darin zu unterstĂŒtzen, wieder ein normales Leben zu fĂŒhren. Sie geht mit ihr schwimmen und in CafĂ©s, stellt Juliette ihrem Freundeskreis vor. Unter den Freunden ist auch Michel (Laurent GrĂ©vill), ein Kollege von LĂ©a, der frĂŒher im GefĂ€ngnis Inhaftierte unterrichtet hat und den wahren Hintergrund von Juliettes Verschlossenheit erkennt. Langsam bauen Michel und Juliette ein inniges freundschaftliches VerhĂ€ltnis auf. Eines Tages findet LĂ©a bei sich zu Hause einen Brief von Pierre, dem verstorbenen Sohn von Juliette. Auf der RĂŒckseite entdeckt sie Laborergebnisse. Einen Verdacht schöpfend, bringt sie ihrem guten Freund Samir, einem Chirurgen, eine Kopie zur Analyse. Es stellt sich heraus, dass Pierre todkrank war. SpĂ€ter beichtet Juliette ihrer Schwester, fast wahnsinnig vor Schmerz, dass sie es nicht mehr ertragen konnte, ihren Sohn leiden zu sehen. Sie entschloss sich, seiner Qual ein Ende zu setzen und spritzte ihm Gift.

"So viele Jahre liebe ich Dich" ist ein Drama, welches das Eingesperrtsein des Menschen innerhalb unserer Gesellschaft in emotionalen Bildern vor Augen fĂŒhrt. Sei es Lucs Vater, der nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen kann und so in seiner stillen Welt der ZurĂŒckgezogenheit lebt. Sei es die Mutter von LĂ©a und Juliette, die in einem Pflegeheim ihr Dasein fristet und aufgrund ihrer Demenzerkrankung Alzheimer nicht einmal mehr ihre eigenen Töchter erkennt. Oder sei es Capitaine FaurĂ©, der Juliettes Ansprechpartner bei der Polizei ist. Juliette und er treffen sich manchmal, um miteinander zu plaudern. Er lebt getrennt von seiner Familie und fĂŒhlt sich einsam. Sein großer Traum, einmal den Orinoco in SĂŒdamerika zu bereisen, geht nicht in ErfĂŒllung. Er begeht Selbstmord.

"So viele Jahre liebe ich Dich " feierte im Februar 2008 seine Weltpremiere und gewann im Wettbewerb der 58. Berlinale den Preis der Ökumenischen Jury sowie den LeserInnenpreis der Berliner Morgenpost.

AVIVA-Tipp: "So viele Jahre liebe ich Dich " ist die Geschichte einer starken Frau, die nach einer langjĂ€hrigen Haftstrafe darum kĂ€mpft, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, was mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, da sie bei vielen Menschen auf Ablehnung stĂ¶ĂŸt. Der Film beeindruckt durch die großartige schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Kristin Scott Thomas und zeigt, dass Menschen nach einer lĂ€ngeren Isolation von der Außenwelt nur dann eine Möglichkeit haben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern, wenn ihnen die Chance dazu gegeben wird. Nur dank der moralischen UnterstĂŒtzung der ihr nahestehenden Personen ist es Juliette möglich, langsam Kraft zu schöpfen und wieder Vertrauen aufzubauen, so dass sie einen Neuanfang wagen kann.

So viele Jahre liebe ich Dich
Originaltitel: Il y a longtemps que je tÂŽaime
Frankreich 2008
Regie: Philippe Claudel
Drehbuch: Philippe Claudel
Musik: Jean-Louis Aubert
DarstellerInnen: Kristin Scott Thomas, Elsa Zylberstein, Serge Hazanavicius, Laurent Grévill
LĂ€nge: 115 Minuten
FSK: 6 Jahre
Kinostart: 13. November 2008

Mehr Informationen zum Film unter:
www.alamodefilm.de


Kultur Beitrag vom 13.11.2008 AVIVA-Redaktion 





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