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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.11.2008

33 Szenen aus dem Leben - ein Film der polnischen Nachwuchsregisseurin Malgoska Szumowska
Henriette Jankow

Julia Jentsch spielt eine junge K├╝nstlerin, die durch den Tod ihrer Eltern lernen muss, erwachsen zu werden. In der deutsch-polnischen Koproduktion stand sie nach ihrer Darstellung der Liza...



... in Jiri Menzels "Ich habe den englischen K├Ânig bedient" zum zweiten Mal f├╝r einen internationalen Film vor der Kamera. Es ist ihre erste Hauptrolle seit "Sophie Scholl ÔÇô die letzten Tage".

Julia (Julia Jentsch) stammt aus einem sehr k├╝nstlerischen Elternhaus, in dem sie gut beh├╝tet aufwuchs. Ihre Mutter Barbara (Malgorzata Hajewska) ist eine erfolgreiche Krimi-Autorin, ihr Vater Jurek (Andrzej Hudziak) ein Dokumentarfilmer, dessen Ruhm jedoch noch aus Zeiten des kommunistischen Polens stammt. So verwundert es kaum, dass auch sie eine bildende K├╝nstlerin wurde und den aufstrebenden Komponisten Piotrek (Maciej Stuhr) heiratete.

Innerhalb weniger Monate muss Julia allerdings lernen, dass der Tod Teil des Lebens ist. Ihre Mutter erkrankt unheilbar an Krebs. Julia und Jurek stehen ihr in der letzten Phase ihres Lebens bei, w├Ąhrend Piotrek Auftr├Ąge im Ausland entgegen nimmt. Auch ihre Halbschwester Kaska (Iza Kuna) wendet sich in dieser schwierigen Zeit von der Familie ab. Der Vater wird zusehends labiler und erliegt nach dem Tod seiner Frau dem Alkoholismus. Kurze Zeit sp├Ąter stirbt er ├╝berraschend an Herzversagen. Allein und auf sich gestellt, erweist sich f├╝r Julia ihr Assistent und Freund der Familie, der wortkarge Adrian (Peter Gantzler), als best├Ąndiger Fels in der Brandung. Julia erf├Ąhrt innerhalb k├╝rzester Zeit die H├Ąrte des Lebens und erkennt, dass sie nicht l├Ąnger Kind sein kann.

Momente der Liebe und der Sch├Ânheit, des Begehrens und der Schuld, der Furcht und der Freude wollen sich in diesem Film zu "33 Szenen aus dem Leben" zusammen schlie├čen. Gleichwohl sind diese 33 Szenen aus dem eigenen Leben der Regisseurin und Drehbuchautorin Malgoska Szumowska gegriffen. Die Tochter der renommierten polnischen Schriftstellerin Dorota Terakowska und des Dokumentarfilmers Maciej Szumowksi verlor selbst kurz vor ihrem 33. Geburtstag innerhalb von sechs Monaten beide Elternteile. Sie hielt ihre Emotionen und Gedanken fest und schrieb sie kurze Zeit sp├Ąter in ein Drehbuch um, welches aus 33 Szenen bestand.

In der Verfilmung versuchte Malgoska Szumowska ihre Gef├╝hlswelt darzustellen: "Meine Vorstellungen von Krankheit und Tod waren so verschieden, von dem was ich f├╝hlte, sah und erlebte, dass ich dieses Gef├╝hl der Absurdit├Ąt und das Bed├╝rfnis, in den unangebrachtesten Momenten zu lachen, teilen musste." So versucht auch der Film Groteske und Tragik zu balancieren. In der ungesch├Ânten Darstellung der sterbenden Mutter zwar sehr realistisch, entbehrt die Geschichte jedoch jeder M├Âglichkeit, sich mit den Figuren zu identifizieren. Zu kurz erscheint die Einf├╝hrung der Charaktere und die Schilderung der Familiensituation. So wirkt das Wechselspiel zwischen Humor und Tragik nicht ausgewogen, sondern unentschlossen. Dar├╝ber hinaus wird die schauspielerische Leistung von Julia Jentsch und ihren polnischen und d├Ąnischen KollegInnen durch die schlechte deutsche Synchronisation stark beschnitten. Merkw├╝rdig erscheinen auch die ├ťberg├Ąnge zwischen den Filmkapiteln, in denen die ZuschauerIn sekundenlang auf eine schwarze Leinwand starren muss, w├Ąhrend aus den Lautsprechern dramatische Musik erklingt.

Lesen Sie auch unser Interview mit Julia Jentsch
Lesen Sie auch unser Interview mit Malgoska Szumowska

AVIVA-Fazit: Sind die ├ähnlichkeiten zu gro├čen polnischen Regisseuren wie Krzysztof Kieslowski zwar sp├╝rbar, so bleiben die "33 Szenen aus dem Leben" alles in allem hinter dem Potential ihrer Geschichte zur├╝ck. Der Verlust der Eltern, das Ende einer Lebensphase, die Bande einer Familie und die Entdeckung der Liebe ÔÇô das alles sind starke Themen, die in diesem Film durchaus enthalten sind. Doch er vermag es nicht, eine Verbindung zu seinen ZuschauerInnen aufzubauen. Die Szenen der Hysterie, in denen unvermittelt gelacht wird, wirken eher befremdlich, als dass sie die Anteilnahme der BetrachterInnen f├╝r das Gef├╝hlschaos der DarstellerInnen wecken k├Ânnten.

In Bezug auf seine Rezeption ist der Film wohl ein gutes Beispiel f├╝r die Kulturspezifik des Kinogeschmacks: In Polen erzielte er gro├če Erfolge: Am ersten Wochenende lockte "33 Szenen aus dem Leben" 40.000 BesucherInnen in die Kinos. Die deutsch-polnische Koproduktion gewann in Locarno bereits den Spezialpreis der Jury und erhielt auf dem Festival von Gdynia Preise in den Kategorien beste Regie, beste Kamera, beste Musik und beste weibliche Nebenrolle.

Zur Regisseurin: "33 Szenen aus dem Leben" ist der dritte abendf├╝llende Spielfilm der jungen polnischen Nachwuchsregisseurin Malgorzata Szumowska. Wie auch schon ihre Landsm├Ąnner Krzysztof Kieslowski und Roman Polanski studierte sie Regie an der weltber├╝hmten Filmhochschule in Lodz. Bereits w├Ąhrend ihres Studiums zeigte sie ihre Filme auf zahlreichen Festivals in Thessaloniki, Tel Aviv, Angers und Bologna. Ihr zweiter Spielfilm "Leben in mir" war auf Robert Redfords Sundance Film Festival f├╝r Independent Filme zu sehen und wurde f├╝r den European Film Award nominiert. Szumowska ist Mitglied der Europ├Ąischen Filmakademie.

33 Szenen aus dem Leben
Deutschland / Polen 2008, 96 Minuten
Regie und Drehbuch: Malgoska Szumowska
Produzenten: Raimond Goebel, Karl Baumgartner
Co-ProduzentInnen: Teresa Dworzecka, Malgoska Szumowska
DarstellerInnen: Julia Jentsch, Peter Gantzler, Maciej Stuhr, Malgorzata Hajewska, Andrzej Hudziak, Iza Kuna, Rafal Mackowiak
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 13. November 2008

Weitere Infos zum Film finden Sie auf der Homepage des Verleihs www.realfictionfilme.de

Weiterlesen/-sehen/-h├Âren:
"Ich habe den englischen K├Ânig bedient"
"Sophie Scholl ÔÇô die letzten Tage"
Julia Jentsch im Interview zu "Ich habe den englischen K├Ânig bedient".
"Im Winter ein Jahr"

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Kultur Beitrag vom 13.11.2008 AVIVA-Redaktion 





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