Geliebte Clara. Ein Film von Helma Sanders-Brahms - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.12.2008

Geliebte Clara. Ein Film von Helma Sanders-Brahms
Karolin Korthase

Wunsch und Wirklichkeit liegen manchmal weit auseinander. Die Regisseurin Helma Sanders-Brahms hat einen Film ├╝ber die Musikerin Clara Schumann gedreht und ist an der Gr├Â├če des Stoffes gescheitert.



Sagenumwoben ist das Leben der Clara Schumann. Unz├Ąhlige Dokumente, Aufzeichnungen und Briefe sind erhalten, die ein ├Ąu├čerst widerspr├╝chliches Bild der Musikerin zeichnen. Als Wunderkind von ihrem Vater gedrillt, stand sie schon mit neun Jahren auf internationalen Konzertb├╝hnen und komponierte mit 14 Jahren ihr erstes Klavierkonzert. Sp├Ąter erk├Ąmpfte sie gerichtlich die vom Vater missbilligte Ehe zu Robert Schumann und wurde Mutter von acht Kindern. Stark umstritten ist ihre Beziehung zu Johannes Brahms. Der 12 Jahre j├╝ngere Komponist war ein gl├╝hender Bewunderer und Vertrauter Claras und ging im Hause Schumann ein und aus. Als die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geriet, half Brahms mit Geld und begleitete Clara auch nach dem Tode ihres Mannes bis an ihr Lebensende. Ob er auch ihr Geliebter war, ist unklar.

Helma Sanders-Brahms portr├Ątiert Clara Schumann in den D├╝sseldorfer Jahren von 1850 - 1856. Dorthin siedelte die Familie um, als Robert Schumann eine lukrative Stelle als Musikdirektor in Aussicht stand. Bald stellte sich jedoch heraus, dass der introvertierte Komponist den Anforderungen einer Orchesterleitung nicht gewachsen war. Seine Frau ├╝bernahm zeitweilig diese Rolle und sprengte damit jegliche Konventionen und gesellschaftliche Schicklichkeiten des 19. Jahrhunderts. Trotz der gefeierten Urauff├╝hrung seiner Rheinischen Sinfonie verlor Robert Schumann den Posten des Generalmusikdirektors jedoch endg├╝ltig und st├╝rzte die Familie damit in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Zudem konnte Clara aufgrund st├Ąndiger Niederk├╝nfte - sie hatte neun Geburten in nur 14 Jahren - nicht konzertieren.

In "Geliebte Clara" wird der Niedergang der Familie in diesen Jahren erz├Ąhlt. Mit einigen wenigen Ausnahmen, wie dem Erfolg der Rheinischen Sinfonie, dokumentiert Sanders-Brahms das Scheitern Roberts, der, von st├Ąndigen Kopfschmerzen und Depressionen gequ├Ąlt, nach und nach der Alkohol- und Medikamentensucht verf├Ąllt. Unter seinem Leiden, seinen Launen und Ausbr├╝chen leidet die ganze Familie und auch die Liebe zu seiner Frau. Diese wendet sich zunehmend dem dynamischen, freiheitsliebenden und hochbegabten Komponisten Johannes Brahms zu, dem sie bis zu ihrem Lebensende eng verbunden bleiben wird.

Der Drehbuchautorin und Regisseurin Helma Sanders-Brahms, einer Nachfahrin von Johannes Brahms, ist die Sympathie zur historischen Figur Clara Schumann deutlich anzumerken. Die F├╝lle an Materialien ├╝ber die Musikerin, in denen sie zum Teil auch als hart und eigenn├╝tzig beschrieben wird, l├Ąsst sie vollkommen unbeachtet. Ihre Clara ist emanzipiert, sch├Ân, verf├╝hrerisch, duldsam gegen├╝ber den cholerischen Ausf├Ąllen und S├╝chten ihres Gatten und eine liebende und sorgende Mutter noch dazu. Historisch belegte Fakten, wie die durch Clara initiierte Einweisung Robert Schumanns in die Endenicher Nervenheilanstalt werden eindeutig zugunsten einer im positiven Lichte dastehenden Protagonistin inszeniert. Diese Glorifizierung und Ikonisierung der Figur l├Ąsst den Film einiges an potentiellen Tiefenschichten verlieren. So wird beispielweise die f├╝r das Verst├Ąndnis der Figur ├╝berm├Ąchtige Rolle des von Ehrgeiz besessenen Vaters Friedrich Wieck nur am Rande erw├Ąhnt.

Nun kann der Drehbuchautorin und Regisseurin Sanders-Brahms nicht der Vorwurf nachl├Ąssiger Recherche gemacht werden. Rund 10 Jahre arbeitete sie an dem Filmprojekt, das unter suboptimalen Bedingungen zu Stande kam: Die urspr├╝nglich f├╝r die Hauptrolle vorgesehene Isabelle Huppert sagte ab und Martina Gedeck bereitete sich in einer Rekordzeit von vier Wochen auf die Rolle vor. Zudem war das Etat ├Ąu├čerst knapp bemessen. Dadurch kam es zu vielen Fehlgriffen, die vermeidbar gewesen w├Ąren.

So wirken die Szenen mit dem D├╝sseldorfer Orchester, die in Ungarn gedreht wurden, ├Ąu├čerst dilettantisch. Die offensichtlich schlecht gemachten Schnurb├Ąrte der Orchestermusiker sind dabei besonders peinlich und w├Ąren leicht zu vermeiden gewesen. Auch Martina Gedeck in der Rolle der Clara Schumann und Pascal Greggory als Robert Schumann wirken beim Dirigieren vor dem Orchester seltsam h├Âlzern und steif. Hinzu kommen die zum Teil unausgereiften Dialoge und eine platte Symbolik, die besonders in der ersten Szene evident wird, in der Robert Schumann w├Ąhrend eines Konzerts seiner Frau den Ehering verliert, der dann ausgerechnet in die H├Ąnde von Johannes Brahms f├Ąllt.

Letztlich wird der Film vor allem von der Musik getragen. Ausschnitte aus den Konzertst├╝cken, Sinfonien und den Sonaten von Schumann und Brahms verm├Âgen, was Maske, Requisite und Drehbuch misslingt ÔÇô den ZuschauerInnen ein Gef├╝hl und eine Verbindung zur Epoche der Romantik und zu der gro├čartigen Musikerin Clara Schumann zu vermitteln.

AVIVA-Fazit: Im Zentrum des Films steht die Dreiecksgeschichte zwischen dem Ehepaar Schumann und Johannes Brahms und es scheint, als scheitere das Drehbuch und die Umsetzung an der Gro├čartigkeit des Stoffes, der schon f├╝r sich genommen filmreif ist. "Geliebte Clara" ist voller schw├╝lstiger Gesten und Dialoge, enth├Ąlt zu viele Eindeutigkeiten und zu viel Pathos. Helma Sanders-Brahms ist es nicht gelungen, ein Historiendrama und Frauenportr├Ąt von internationalem Format zu drehen.

Zur Regisseurin: Helma Sanders-Brahms wurde am 20. November 1940 in Emden geboren. Nach dem Abitur studierte sie zun├Ąchst Schauspielerei in Hannover und anschlie├čend Theaterwissenschaft, Anglistik und Germanistik in K├Âln. 1969 entstand ihr erster Film "Angelika Urban, Verk├Ąuferin, Verlobt". Ihr gr├Â├čter internationaler Erfolg war bisher "Deutschland bleiche Mutter" aus dem Jahre 1980.

Geliebte Clara
Deutschland 2008
Drehbuch und Regie: Helma Sanders-Brahms
Darstellerinnen: Martina Gedeck, Pascal Greggory, Malik Zidi, Clara Eichinger, Aline Annessy, Marine Annessy, Sascha Caparros, uvm.
Spielzeit: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 04.Dezember 2008
www.geliebteclara.de

Kultur Beitrag vom 03.12.2008 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken