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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 10.02.2009

Die Widerst├Ąndigen. Zeugen der Wei├čen Rose
Britta Leudolph

Katrin Seybold l├Ąsst in ihrem Dokumentarfilm Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld der "Wei├čen Rose" ├╝ber ihre Erinnerungen an die Widerstandsgruppe berichten. So entsteht auch ein Eindruck ...



... der Pers├Ânlichkeit und ├ťberzeugungen derer, die ihr Engagement mit dem Leben bezahlten.

Nur wenige Menschen wagten im nationalsozialistischen Deutschland den offenen Widerstand gegen den totalit├Ąren, m├Ârderischen Staat, viele zogen sich unter dem Deckmantel der Unwissenheit ins Private zur├╝ck oder wurden aktive oder passive Unterst├╝tzerInnen des Unrechtregimes.
Doch es gab sie: Widerst├Ąndige, die es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten, tatenlos zuzusehen. Die wohl bekannteste Widerstandsgruppe bildete sich 1942 im Umfeld der M├╝nchner Universit├Ąt ÔÇô die "Wei├če Rose". Deren Mitglieder, die Geschwister Sophie und Hans Scholl, ihre Kommilitonen Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell, sowie der Universit├Ątsprofessor Kurt Huber wurden f├╝r ihr mutiges Handeln mit dem Tod bestraft. Sie hatten sechs Flugbl├Ątter verfasst und verteilt, in denen sie das verbrecherische Nazi-Regime anprangerten und ein sofortiges Ende des Krieges forderten.

Katrin Seybold l├Ąsst in ihrem Dokumentarfilm WegbereiterInnen, FreundInnen und Familienangeh├Ârige der Widerst├Ąndigen zu Wort kommen, die zum Teil noch nie zuvor ihre Sicht des Erlebten ├Âffentlich dargestellt haben.
F├╝nf Widerstandk├ĄmpferInnen, die im zweiten "Wei├če Rose"-Prozess des Volksgerichtshofes angeklagt wurden, die Geschwister Susanne Zeller-Hirzel und Hans Hirzel, Franz J. M├╝ller, Heiner Guter und die Freundin von Hans Scholl, Traute Lafrenz-Page, berichten ├╝ber ihre Motive f├╝r den Widerstand, aber auch ├╝ber ihre Ohnmacht, nachdem die Todesurteile gegen die Geschwister Scholl und Christoph Probst innerhalb k├╝rzester Zeit vollstreckt wurden.
Lilo F├╝rst-Ramdohr, J├╝rgen Wittgenstein und Nikolay Hamazaspian, FreundInnen der Widerstandsgruppe, die kurzfristig in Gestapohaft gerieten, sprechen ├╝ber die Pers├Ânlichkeit der Ermordeten und dar├╝ber, wie sie deren Widerstandsarbeit unterst├╝tzen.

Katrin Seybold l├Ąsst zudem Familienangeh├Ârige ├╝ber ihre Erlebnisse reflektieren, so die Frau von Christoph Probst, Herta Siebler-Probst oder die Schwester von Hans und Sophie Scholl, Elisabeth Hartnagel, die zwar nicht eingeweiht war, jedoch die zunehmende Radikalisierung ihrer Schwester erlebte. Sie wurde nach der Ermordung ihrer Geschwister mit der Familie in Sippenhaft genommen.

Erg├Ąnzt wird die Dokumentation durch Originaldokumente, zum Teil unver├Âffentlichte Jugendfotos der Beteiligten, Fotos von den Tatorten, Gestapobeamten, Richtern und dem Henker. Katrin Seybold begann bereits 2000 mit ersten Gespr├Ąchen f├╝r die Dokumentation, einige der Interviewten leben heute nicht mehr.

Zur Filmemacherin: Katrin Seybold, geboren 1943 in Bromberg/Westpreu├čen, ist seit 1970 Filmemacherin. Sie besch├Ąftigt sich in ihren Werken mit vielf├Ąltigen Themen, etwa mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen und Angestellten oder den Problemen von Sinti und Roma. Seit 1994 ist sie Mitglied der Akademie der K├╝nste Berlin in der Sektion Film- und Medienkunst. Sie lebt in M├╝nchen. Weitere Infos und Kontakt: www.agdok.de

AVIVA-Tipp: Katrin Seybold l├Ąsst in ihrem Dokumentarfilm Menschen zu Wort kommen, die direkt in der Widerstandsgruppe "Wei├če Rose" aktiv waren oder ihr sehr nahe standen. In ihren Berichten ist noch immer der alte Widerstandsgeist zu sp├╝ren und das Bewusstsein, dass dieser t├Âdlich enden kann. Insbesondere die Frauen des inneren Kreises der "Wei├čen Rose" sind in der ├ľffentlichkeit bisher kaum f├╝r ihre Opferbereitschaft und Zivilcourage gew├╝rdigt wurden, ihre Namen sind weitgehend unbekannt. In "Die Widerst├Ąndigen" erz├Ąhlen sie davon, wie ihr Gewissen und ihre Ideale sie antrieben, nicht die Augen zu verschlie├čen und aktiv gegen das Nazi-Regime vorzugehen. Die Ausf├╝hrungen lassen auch eine Charakterisierung derer erkennen, die den Widerstand nicht ├╝berlebten, die zeigt, dass hinter dem Heldenmythos der rund um Sophie und Hans Scholl entstanden ist, junge politische Menschen standen, die sich in ihrem Glauben an Gerechtigkeit und Freiheit nicht beirren lie├čen.
Als Kontrast zeigt Katrin Seybold jene, die der Widerstandsgruppe entgegenstanden. Sie zeigt Fotos von Denunzianten, Spitzeln, Gestapobeamten und den Herren vom Volksgerichtshof, Richter und Reichsanw├Ąlte, die die Todesurteile beschlossen. Ihre Gesichter wirken gew├Âhnlich und bieder, den Terror, den sie verbreiteten, sieht man nicht.

Die Widerst├Ąndigen. Zeugen der Wei├čen Rose
Deutschland 2008, 92 Minuten
Regie und Buch: Katrin Seybold
Produktion: Katrin Seybold Film GmbH
Sprecherin: Hildegard Schmahl
Verleih: Basis-Film Verleih Berlin
FSK: ohne Altersbeschr├Ąnkung
Pr├Ądikat: "besonders wertvoll"
Kinostart: 19.02.2009

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28. Geschwister-Scholl-Preis posthum f├╝r Anna Politkovskaja

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Kultur Beitrag vom 10.02.2009 Britta Leudolph 





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