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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.03.2009

Rosa. Schauspiel mit Musik. Von Volker Ludwig und Franziska Steiof
Claire Horst

Das Grips-Theater ist vor allem als emanzipatorisches Kinder- und Jugendtheater bekannt. Passend zum 90. Todestag von Rosa Luxemburg zeigt es jetzt ein St├╝ck f├╝r Erwachsene ├╝ber die Revolution├Ąrin.



Zu ihrer Geisteshaltung schrieb diese einmal: "Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. Und das hei├čt: fest und klar und heiter sein, ja, heiter trotz alledem, denn das Heulen ist Gesch├Ąft der Schw├Ąche." Rosa Luxemburg als Mensch darzustellen, das ist das Anliegen der AutorInnen Volker Ludwig, Gr├╝nder des Grips-Theaters, und Franziska Steiof, die auch Regie f├╝hrt.

In dem Theaterst├╝ck stellen sie die gesamte Lebensgeschichte Luxemburgs dar, angefangen bei ihrer schweren Knochentuberkulose, die zu einer lebenslangen Gehbehinderung f├╝hrte, bis zu ihrer Ermordung durch Soldaten konterrevolution├Ąrer Reichswehreinheiten. Dass ein derart ambitioniertes Programm nicht langweilig wird, ist eine dramaturgische und schauspielerische H├Âchstleistung. Schlie├člich muss sowohl das Privatleben Luxemburgs als auch ihre politische Arbeit einbezogen werden. Beides ist hochspannend. Denn Rosa Luxemburg steht nicht nur f├╝r die (gescheiterte) deutsche Revolution. Sie ist auch eine Symbolfigur der Arbeiterbewegung und nicht zuletzt eine der ersten Frauen, die in Deutschland eine hochrangige politische Position einnahmen.

Doch wie war das m├Âglich? Zu einer Zeit, in der sowohl j├╝dische Menschen als auch Frauen nur sehr wenig politischen Einfluss hatten, vermochte es Rosa Luxemburg, zu einer der bedeutendsten DenkerInnen der sozialistischen Internationale zu werden. Am 5. M├Ąrz 1871 als Rozalia Luksenburg, Tochter eines j├╝dischen Holzh├Ąndlers in Zamosc, Kongresspolen geboren, hatte sie nicht die besten Voraussetzungen daf├╝r, Karriere zu machen. Dass sie es dennoch schaffte, liegt den AutorInnen zufolge in ihrer charismatischen Pers├Ânlichkeit begr├╝ndet.

Bereits mit 22 Jahren begann sie ihre politische T├Ątigkeit, zun├Ąchst in Z├╝rich, wo sie als eine der ersten Frauen ├╝berhaupt 1897 promovierte. Nach ihrer ├ťbersiedelung nach Deutschland erlangte sie durch eine Scheinehe die deutsche Staatsb├╝rgerschaft und k├Ąmpfte von nun an auf Parteitagen, internationalen Kongressen und mit ihrer publizistischen T├Ątigkeit f├╝r die deutsche Sozialdemokratie. Sie setzte sich gegen Imperialismus, Militarismus und Kolonialpolitik ein. 1915 gr├╝ndete sie mit Karl Liebknecht und anderen KriegsgegnerInnen die Gruppe "Internationale", aus der 1916 die Spartakusgruppe hervorging. Wegen ihres politischen Engagements wurde Luxemburg mehrmals verhaftet, mehrere Jahre verbrachte sie im Zuchthaus.

Am 9. November 1918 aus der Haft entlassen, engagierte sie sich mit ganzer Kraft in der Novemberrevolution. Gemeinsam mit Karl Liebknecht gab sie die "Rote Fahne" heraus, arbeitete f├╝r einen umfassenden gesellschaftlichen Umbruch und geh├Ârte zur Jahreswende 1918/1919 zu den Gr├╝nderInnen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin ermordet. Jedes einzelne dieser Ereignisse bringt das Grips-Theater auf die B├╝hne.

In "Rosa" stellen Ludwig und Steiof jedoch nicht nur die Politikerin Rosa Luxemburg dar. Denn auch ihr Privatleben war mehr als unkonventionell. So hatte sie mehrere Liebesbeziehungen mit j├╝ngeren M├Ąnnern. Regisseurin Steioff fasziniert gerade diese Vielseitigkeit: "Nicht nur die politische Dimension gab es an ihr, sondern auch Romantik, das Sentimentale, die Sehnsucht, eine gute Hausfrau zu sein. So sah sie sich st├Ąndig in der Zerrei├čprobe zwischen Liebe und Pflichterf├╝llung, Arbeit, Parteiarbeit. Diese Seiten sind ebenso im St├╝ck zu finden, wie ihre Rolle als politische Vision├Ąrin, Analytikerin."

Trotz ihrer Bewunderung f├╝r Rosa Luxemburg h├╝ten sich die AutorInnen vor jeder Glorifizierung. Luxemburgs Glaube an die Kraft der Massen, der letztlich zum Scheitern der Revolution beitrug, wird ebenso aufgef├╝hrt wie ihre unangenehmen Seiten, etwa ihr beherrschender und vereinnahmender Charakter. Steiof: "Die Zumutung an Rosas Leben ist, wie sie sich in s├Ąmtliche Widerspr├╝che begibt. Es ist eigentlich alles vorhanden, wozu man sonst f├╝nf, sechs Frauengestalten br├Ąuchte."

AVIVA-Tipp: Wie am Grips-Theater ├╝blich, verkn├╝pfen die AutorInnen auch bei diesem St├╝ck Sprechtexte und Musikeinlagen. Die Methoden des Agit-Prop der Zwanzigerjahre, bei dem SchauspielerInnen im Chor Slogans deklamieren, werden eingesetzt, aber durchaus ironisch verfremdet. Die Darbietung von Franz Mehring, August Bebel und Karl Kautsky, die eine Choreografie zu dem Song "Wir sind die letzten Linken und fangen an zu sinken" tanzen, gelingt tats├Ąchlich ohne den geringsten Anflug von Peinlichkeit.
Besonders interessant ist das St├╝ck f├╝r LehrerInnen und andere P├ĄdagogInnen, da ein umfangreiches Begleitmaterial angeboten wird. Die zahlreich vertretenen Schulgruppen scheinen sich trotz der 31/2 Stunden L├Ąnge zu am├╝sieren. H├Ârbare Zustimmung gibt es von ihnen gerade bei Anspielungen auf die aktuelle politische Lage inklusive Finanzkrise. Was Rosa wohl zu dieser gesagt h├Ątte...

Rosa. Schauspiel mit Musik
von Volker Ludwig und Franziska Steiof
Musik von Thomas Zaufke
Es spielen: Sebastian Achilles, Thomas Ahrens, Katja G├Âtz, Michaela Hanser, Daniel Jeroma, Dietrich Lehmann, Robert Neumann, Kathrin Osterode, Regine Seidler, J├Ârg Westphal, Roland Wolf, Herbert Sowinski, Manfred Grashof-Ridder
Die Band No Regrets: Joe Gehlmann (guit), George Kranz (drums), Robert Neumann (keys), Daniel Zenke (bass)

Preise 18 / erm├Ą├čigt 10 Euro / Karte ├╝ber Theater der Schulen 5 Euro

Veranstaltungsort: GRIPS Theater
Altonaer Stra├če 22
10557 Berlin
Kartenreservierung: 030 - 397 47 477
Weitere Informationen zum Grips-Theater unter: www.grips-theater.de

Das AutorInnenteam:
Der Autor Volker Ludwig, Erfinder des emanzipatorischen Kinder- und Jugendtheaters, ist einer der weltweit meistgespielten deutschen Theaterautoren
Die Regisseurin Franziska Steiof ├╝bernimmt mit der Inszenierung von "Rosa" schon ihre f├╝nfte Regie am Grips. 2006 wurde die Inszenierung ihres St├╝ckes "Siedepunkt 1140. Marie Curie ÔÇô ein Leben" mit dem Hamburger Kritikerpreis (Rolf-Mares-Preis) ausgezeichnet.


Lesen Sie auch auf AVIVA-Berlin: ich war, ich bin, ich werde sein ÔÇô Rosa Luxemburg im Theater unterm Dach,
Gro├če Frauen. Portr├Ąts
Weitere Informationen zu Rosa Luxemburg unter: www.rosalux.de

Kultur Beitrag vom 26.03.2009 Claire Horst 





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