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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.04.2009

Trennung - von Amos Gitai und Marie-José Sanselme. Auf DVD
Margret M√ľller

W√§hrend des Gaza-Abzugs sucht eine franz√∂sische J√ľdin ihre Tochter unter den SiedlerInnen und ger√§t in die Wirren der R√§umungen. Ein Familiendrama unter politischem Einfluss.



Trennung und Annäherung, dies sind die zwei wesentlichen Komponenten des Films, wobei die Grenzen vor allem durch Politik bestimmt werden und dabei die Annäherungsversuche innerhalb einer bisher getrennten Familie bedrohen.

Ana (gespielt von Juliette Binoche) trifft ihren Stiefbruder Uli (Liron Levo) zur Beerdigung des Vaters in Frankreich. Das Erbe soll an Anas Tochter gehen, die sie nach ihrer Geburt vor 20 Jahren zur Adoption freigegeben hat. Nichts hält Ana in Frankreich, so beschließt sie, ihre Tochter in Israel zu suchen. Diese lebt als Siedlerin im Gazastreifen.

Zur Zeit Anas Ankunft beginnt der von der israelischen Regierung angeordnete Abzug der SiedlerInnen des Jahres 2005. Dieser war in Israel sehr umstritten und drohte, die Gesellschaft in zwei Lager zu spalten: jene ‚Äď meist politisch links Angesiedelte -, welche die Siedlungen bis heute f√ľr illegal halten und ein kleines Israel in Frieden bevorzugen und jene, meist Religi√∂se, die an ein biblisches Gro√üisrael glauben und daher den Gazastreifen als j√ľdischen Boden verstehen. Die SiedlerInnen weigerten sich, ihre D√∂rfer zu verlassen und wurden von der israelischen Polizei und Armee evakuiert. In starken Szenen zeigt Amos Gitai die Absurdit√§t und H√§rte dieses Konfliktes innerhalb eines Volkes, bei dem sich Br√ľder und Schwestern pl√∂tzlich auf gegnerischen Fronten wiederfinden. Uli befehligt auf Seiten der Polizei den Abzug, w√§hrend Ana sich auf der Suche nach ihrer Tochter auf der Seite der SiedlerInnen wiederfindet.

Trennung behandelt nicht nur die Auseinandersetzung mit den politischen Ereignissen Israels im Jahr 2005, vielmehr sind Grenzg√§nge, Trennung und Ann√§herung gleichzeitig subtil in der Familiendramatik wiederzufinden. Die Geschwister Uli und Ana sind von der Gesellschaft entfremdet, und ihre Beziehung zueinander bleibt unklar. Juliette Binoche gl√§nzt in ihrer Rolle der unangepassten Ana, der etwas verspielt, verwirrten Frau mit schlenkerndem Gang, unentschlossen, ob sie reife Erwachsene, oder doch Kind sein m√∂chte und dabei oft kokett tiefe Unsicherheit √ľberspielend. In die Wirren des Abzuges geraten, als unverbundener Fremdk√∂rper zwischen den Fronten hin- und hertaumelnd, scheint Ana innerlich zu wachsen. Zwar ist sie unf√§hig, die Prozesse um sich herum zu verstehen, wirkt aber in sich stabiler. Die zarte Ann√§herung zu ihrer Tochter steht im starken Kontrast zu den Geschehnissen des Umfeldes.
Jeanne Moreau √ľbernahm als Notarin des Vaters eine kleine, aber entscheidende Rolle der weckenden Mahnerin mit Charisma und Autorit√§t.

AVIVA-Tipp: Amos Gitais j√ľngster Film verbindet Familien- und Gesellschaftsdrama in einem. Ann√§herung innerhalb der Familie und Abkoppelung von der Heimat, Risse innerhalb eines Volkes, bis in Familien hinein und gleichzeitig Festigung alter Bande finden gleichzeitig statt, beeinflussen sich. Obwohl der Filmemacher sich politisch positioniert, bleibt der Zuschauerin Raum zum Weiter-Nachdenken.

Zum Regisseur: Amos Gitai wurde 1950 in Haifa, Israel, geboren. Wie sein Vater studierte er Architektur und gelangte durch seine Arbeit mit Super-8 Kameras w√§hrend des Yom-Kippur Krieges zum Film. In fast 40 Dokumentar- und Spielfilmen setzt er sich vor allem mit der Geschichte des Nahen Ostens auseinander. Seine Themen sind dabei Religion, Heimat und Exil, soziale Kontrolle und Utopien. Zwei seiner Filme wurden wegen zu "pro-pal√§stinensischer Haltung" vom israelischen Fernsehen nicht gesendet, auch Trennung wurde aus diesem Grund nicht unterst√ľtzt. Gitais Arbeiten wurden Retrospektiven unter anderem in Paris, London, New York, Berlin, Madrid, Toronto und Tokio vorgestellt und neue Filme werden regelm√§√üig in das Programm der Filmfestivals in Cannes, Toronto und Venedig aufgenommen. So wurde auch Trennung 2007 auf den Filmfestivals in Venedig und Toronto gezeigt und mit dem "Roberto Rossellini Award" ausgezeichnet.
Weitere Infos zu Amos Gitai und Kontakt unter: www.amosgitai.com

Trennung
Originaltitel: Désengagement
Israel / Frankreich / Deutschland 2007
Regie und Drehbuch: Amos Gitai, Marie-José Sanselme
DarstellerInnen: Juliette Binoche, Liron Levo, Jeanne Moreau, Barbara Hendricks
Verleih: Pandora Filmverleih
Laufzeit: 115 Minuten
Bonus: Trailer
DVD-Erscheinungstermin: 08. Mai 2009
ca. 16,95 Euro

Kultur Beitrag vom 07.04.2009 AVIVA-Redaktion 





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