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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.04.2009

Der Junge im gestreiften Pyjama ‚Äď Er√∂ffnungsfilm des 15. Jewish Film Festival Berlin
Claire Horst

Basierend auf der Romanvorlage von John Boyne erzählt der Film die Geschichte des achtjährigen Bruno, der sich mit einem komisch gekleideten Jungen anfreundet. Dass der gestreifte Pyjama ...



... den Shmuel tr√§gt, die Kleidung der j√ľdischen Lagerinsassen ist, wei√ü Bruno nicht.

Er h√§lt das Lager, in dem Shmuel lebt, f√ľr einen Bauernhof und den Stacheldraht, der es umgibt, f√ľr den Teil eines Spiels. "Der Junge im gestreiften Pyjama" erhebt nicht den Anspruch auf historische Korrektheit. Stattdessen haben Autor und Regisseur sich entschieden, den Holocaust aus der naiven Perspektive eines Kindes darzustellen.

Das ist eine legitime Herangehensweise, wenn sie dazu hilft, das Unvorstellbare begreiflicher zu machen. Bei Roberto Benignis "Das Leben ist sch√∂n" von 1998 hat das wunderbar funktioniert. Er zeigt das Grauen nicht direkt und schafft es dennoch, nichts zu verharmlosen. Mark Herman versucht etwas √Ąhnliches. "Der Junge im gestreiften Pyjama" besticht zun√§chst durch viele sorgf√§ltig ausgearbeitete Details. Drehorte, Kost√ľme und SchauspielerInnen, alles passt ganz wunderbar. Und doch bleiben einige Fragen offen.

Der Film beginnt gem√§chlich und macht die ZuschauerInnen zun√§chst mit den Figuren vertraut. Der achtj√§hrige Bruno lebt mit seiner Familie in einer herrschaftlichen Berliner Villa. Sein Vater ist Offizier der Wehrmacht. Als er bef√∂rdert wird ‚Äď sp√§ter wird er das Abzeichen der SS-Totenkopfverb√§nde am Revers tragen ‚Äď muss die Familie umziehen. Bruno ist tieftraurig, denn das neue Haus liegt weit weg von Berlin mitten in einem Wald, und er muss sich von seinen Freunden trennen. Nach und nach erfahren die ZuschauerInnen, was es mit der Bef√∂rderung auf sich hat: Brunos Vater hat die Kommandantur eines Vernichtungslagers √ľbernommen. Bruno, den die Mutter von den Geschehnissen um ihn herum abschirmen m√∂chte, wei√ü nichts davon. Wie seine Mutter auch, lebt er in einer Blase der Unschuld. Weder hat er von den Deportationen in der Berliner Nachbarschaft etwas erfahren, noch ist der Mutter bewusst, was ihr Mann tats√§chlich tut.

Bruno, v√∂llig vereinsamt und verzweifelt auf der Suche nach einem Spielkameraden, entdeckt beim Erforschen der Umgebung einen Stacheldrahtzaun. Dieser umgibt das Lager, das der Vater befehligt. Doch davon wei√ü Bruno nat√ľrlich nichts. F√ľr ihn ist nur eins interessant: Hinter dem Zaun sitzt der gleichaltrige Shmuel ‚Äď ein neuer Freund! Bruno, der das Lager f√ľr einen Bauernhof h√§lt, glaubt an ein Spiel, als er die merkw√ľrdige Kleidung des Jungen sieht. "Erkl√§rst du mir, wie das Spiel mit den Nummern funktioniert?", bittet er Shmuel. T√§glich besucht er jetzt den neuen Freund. Durch den Zaun hindurch spielen sie Brettspiele und unterhalten sich √ľber ihre Familien. Doch Bruno ist anscheinend so sehr mit seinen eigenen Problemen besch√§ftigt, dass er niemals wirklich fragt, was im Lager vor sich geht.

Als sein Vater verschwindet, bittet Shmuel Bruno um Hilfe. Die beiden Kinder planen gemeinsam ihre Suche nach ihm und es geschieht etwas Schreckliches ...

Die Freundschaft zwischen dem Sohn eines hochrangigen Nazis und einem j√ľdischen Kind, die unter dem Slogan "Eine zeitlose Geschichte von verlorener Unschuld und gefundener Menschlichkeit" beworben wird, verdeutlicht die Absurdit√§t der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Beide Jungen sind der faschistischen Indoktrination unterworfen, die sie doch √ľberhaupt nicht verstehen k√∂nnen. Die jungen Schauspieler Asa Butterfield (Bruno) und Jack Scanlon (Shmuel) √ľberzeugen dabei ebenso wie Vera Farmiga in der Rolle von Brunos Mutter.

Die langsame Entwicklung der Charaktere macht das Geschehen nachvollziehbar. So nimmt sich Herman Zeit f√ľr die Wandlung der Ehefrau des SS-Offiziers, die am Nationalsozialismus zu zweifeln beginnt, als sie von den Massenmorden erf√§hrt, f√ľr die zw√∂lfj√§hrige Tochter, deren Liebe zu ihren Puppen direkt in jugendliche Schw√§rmerei f√ľr den "F√ľhrer" √ľbergeht, f√ľr den jungen Soldaten, der die Emigration seines oppositionellen Vaters verschweigt.

Und dennoch ‚Äď beim Verlassen des Kinosaal bleiben einige kritische Gedanken im Kopf. Ist es glaubhaft, dass Bruno sich niemals f√ľr die Hintergr√ľnde von Shmuels Lebenssituation interessiert? W√ľrde ein Achtj√§hriger nicht den Hunger, das Elend des Freundes bemerken? Es stellt sich die Frage, warum Bruno einerseits fast nichts √ľber die Judenverfolgung zu wissen scheint, obwohl er doch in Berlin aufgewachsen ist, und sich andererseits nicht √ľber die Lage seines Freundes wundert.

Regisseur Herman lenkt das Mitgef√ľhl der ZuschauerInnen besonders auf Bruno, obwohl das wirkliche Leid doch um ihn herum bei den j√ľdischen Lagerinsassen zu sp√ľren ist. Ist es legitim, sich Bruno, dem Sohn eines SS-Offiziers, n√§her zu f√ľhlen als den tats√§chlichen Opfern des Holocaust? Der Film l√∂st viele solcher Fragen aus und wirkt noch lange nach, weil er keine einfachen Antworten bietet.

Der Junge im gestreiften Pyjama wird als Eröffnungsfilm des 15. Jewish Film Festival Berlin vom 3. - 14. Mai 2009 gezeigt und erhielt von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat besonders wertvoll.

AVIVA-Tipp: "Der Junge im gestreiften Pyjama" betrachtet den Holocaust aus einer ungewohnten Perspektive und wird sicherlich sehr kontroverse Diskussionen ausl√∂sen. Damit regt er zum Nachdenken √ľber den Nationalsozialismus und die menschliche Psyche √ľberhaupt an. Lesenswert ist die Romanvorlage, die der Autor John Boyne als Buch f√ľr Kinder und Erwachsene bezeichnet.

Der Junge im gestreiften Pyjama
(OT: The Boy in the Striped Pyjamas)
Großbritannien, USA, 2008
Regie: Mark Herman
DarstellerInnen: Asa Butterfield, Jack Scanlon, Amber Beattie, David Thewlis, Vera Farmiga, Rupert Friend, David Hayman, Cara Horgan
Verleih: Disney
Lauflänge: 93 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 07. Mai 2009

Weitere Informationen zum Film: www.derjungeimgestreiftenpyjama.de

Kultur Beitrag vom 10.04.2009 Claire Horst 





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