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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 26.05.2009

Geliebte Clara. Der Film von Helma Sanders-Brahms, jetzt auf DVD
Korthase, Adler

Die beeindruckende Lebensgeschichte der gro├čen K├╝nstlerin Clara Schumann erscheint inklusive dem Making of, einem Interview mit Martina Gedeck und einer Fotogalerie



Sagenumwoben ist das Leben der Clara Schumann. Unz├Ąhlige Dokumente, Aufzeichnungen und Briefe sind erhalten, die ein ├Ąu├čerst widerspr├╝chliches Bild der Musikerin zeichnen. Als Wunderkind von ihrem Vater gedrillt, stand sie schon mit neun Jahren auf internationalen Konzertb├╝hnen und komponierte mit 14 Jahren ihr erstes Klavierkonzert. Sp├Ąter erk├Ąmpfte sie gerichtlich die vom Vater missbilligte Ehe zu Robert Schumann und wurde Mutter von acht Kindern. Stark umstritten ist ihre Beziehung zu Johannes Brahms. Der 12 Jahre j├╝ngere Komponist war ein gl├╝hender Bewunderer und Vertrauter Claras und ging im Hause Schumann ein und aus. Als die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geriet, half Brahms mit Geld und begleitete Clara auch nach dem Tode ihres Mannes bis an ihr Lebensende. Ob er auch ihr Geliebter war, ist unklar.

Helma Sanders-Brahms portr├Ątiert Clara Schumann in den D├╝sseldorfer Jahren von 1850 - 1856. Dorthin siedelte die Familie um, als Robert Schumann eine lukrative Stelle als Musikdirektor in Aussicht stand. Bald stellte sich jedoch heraus, dass der introvertierte Komponist den Anforderungen einer Orchesterleitung nicht gewachsen war. Seine Frau ├╝bernahm zeitweilig diese Rolle und sprengte damit jegliche Konventionen und gesellschaftliche Schicklichkeiten des 19. Jahrhunderts. Trotz der gefeierten Urauff├╝hrung seiner Rheinischen Sinfonie verlor Robert Schumann den Posten des Generalmusikdirektors jedoch endg├╝ltig und st├╝rzte die Familie damit in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Zudem konnte Clara aufgrund st├Ąndiger Niederk├╝nfte - sie hatte neun Geburten in nur 14 Jahren - nicht konzertieren.

In "Geliebte Clara" wird der Niedergang der Familie in diesen Jahren erz├Ąhlt. Mit einigen wenigen Ausnahmen, wie dem Erfolg der Rheinischen Sinfonie, dokumentiert Sanders-Brahms das Scheitern Roberts, der, von st├Ąndigen Kopfschmerzen und Depressionen gequ├Ąlt, nach und nach der Alkohol- und Medikamentensucht verf├Ąllt. Unter seinem Leiden, seinen Launen und Ausbr├╝chen leidet die ganze Familie und auch die Liebe zu seiner Frau. Diese wendet sich zunehmend dem dynamischen, freiheitsliebenden und hochbegabten Komponisten Johannes Brahms zu, dem sie bis zu ihrem Lebensende eng verbunden bleiben wird.

Der Drehbuchautorin und Regisseurin Helma Sanders-Brahms, einer Nachfahrin von Johannes Brahms, ist die Sympathie zur historischen Figur Clara Schumann deutlich anzumerken. Die F├╝lle an Materialien ├╝ber die Musikerin, in denen sie zum Teil auch als hart und eigenn├╝tzig beschrieben wird, l├Ąsst sie vollkommen unbeachtet. Ihre Clara ist emanzipiert, sch├Ân, verf├╝hrerisch, duldsam gegen├╝ber den cholerischen Ausf├Ąllen und S├╝chten ihres Gatten und eine liebende und sorgende Mutter noch dazu. Historisch belegte Fakten, wie die durch Clara initiierte Einweisung Robert Schumanns in die Endenicher Nervenheilanstalt werden eindeutig zugunsten einer im positiven Lichte dastehenden Protagonistin inszeniert. Auch die f├╝r das Verst├Ąndnis der Figur ├╝berm├Ąchtige Rolle des von Ehrgeiz besessenen Vaters Friedrich Wieck wird nur am Rande erw├Ąhnt.

Nun kann der Drehbuchautorin und Regisseurin Sanders-Brahms nicht der Vorwurf nachl├Ąssiger Recherche gemacht werden. Rund 10 Jahre arbeitete sie an dem Filmprojekt, das unter suboptimalen Bedingungen zu Stande kam: Die urspr├╝nglich f├╝r die Hauptrolle vorgesehene Isabelle Huppert sagte ab und Martina Gedeck bereitete sich in einer Rekordzeit von vier Wochen auf die Rolle vor. Zudem war das Etat ├Ąu├čerst knapp bemessen. Letztlich wird der Film vor allem von der Musik getragen.

AVIVA-Tipp: Regisseurin und Drehbuchautorin Helma Sanders-Brahms, selbst Nachfahrin von Johannes Brahms, ist trotz einiger Schw├Ąchen ein Portrait einer K├╝nstlerin gelungen, die ihrer Zeit weit voraus war. Geliebte Clara erscheint inklusive einem interessanten Making of, einem Interview mit Martina Gedeck und einer Fotogalerie.

Zur Regisseurin: Helma Sanders-Brahms wurde am 20. November 1940 in Emden geboren. Nach dem Abitur studierte sie zun├Ąchst Schauspielerei in Hannover und anschlie├čend Theaterwissenschaft, Anglistik und Germanistik in K├Âln. 1969 entstand ihr erster Film "Angelika Urban, Verk├Ąuferin, Verlobt". Ihr gr├Â├čter internationaler Erfolg war bisher "Deutschland bleiche Mutter" aus dem Jahre 1980.

Geliebte Clara
Deutschland 2008
Drehbuch und Regie: Helma Sanders-Brahms
Darstellerinnen: Martina Gedeck, Pascal Greggory, Malik Zidi, Clara Eichinger, Aline Annessy, Marine Annessy, Sascha Caparros, uvm.
Verleih: Kinowelt Home Entertainment
DVD im Verleih ab 05.06.09
DVD im Handel ab 05.06.09
Bst.-Nr. 502069, EAN 4006680044217
Technische Infos:
Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 Dolby Digital, Stereo Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch f├╝r H├Ârgesch├Ądigte
FSK: ab 6 Jahren

Die offizielle Website zum Kinostart: www.geliebteclara.de
Weitere Informationen auf www.arthaus.de.

Kultur Beitrag vom 26.05.2009 AVIVA-Redaktion 





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