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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.07.2009

ErzÀhl mir was vom Regen von Agnés Jaoui - Kinostart: 30.07.2009
Anna Opel

Eine Feministin wird beim Wahlkampf in der Provinz mit den Unvorhersehbarkeiten des echten Lebens konfrontiert. Und mit ihren verschĂŒtteten SehnsĂŒchten.



Buntes Beziehungsgeflecht

Die energische Feministin Agathe (AgnĂ©s Jaoui) will sich in der Politik einen Namen machen und reist zum Wahlkampf ins beschauliche SĂŒdfrankreich, an den Ort ihrer Kindheit. Sie trifft die Familie ihrer Schwester Florence (Pascale Arbillot), die dort geblieben ist, und die algerische HaushĂ€lterin Mimouna (Mimouna Hadji), die schon seit Jahrzehnten den Haushalt fĂŒhrt.
Deren erwachsener Sohn Karim (Jamel Debbouze), latent widerstĂ€ndig gegen all die kleinen DemĂŒtigungen, die ihm als Migrant stĂ€ndig widerfahren, tritt mit einem Dokumentarfilmprojekt an sie heran, obwohl er Agathe nicht ausstehen kann. Die Idee zu diesem Film ist auf dem Mist seines Freundes Michel (Jean-Pierre Bacri) gewachsen.

Der schusselige TV-Reporter will sich mit einem PortrĂ€t von Agathe, das in der Reihe "erfolgreiche Frauen" laufen soll, wieder ins GesprĂ€ch bringen. Der sympathische Michel leidet unter der Tatsache, dass er nach der Scheidung seinen Sohn so selten sieht. Er hat ein VerhĂ€ltnis mit der in ihrer langweiligen Ehe frustrierten Florence. Agathe ist in Begleitung ihres Freundes Antoine (FrĂ©dĂ©ric Pierrot) angereist. Als sie zwischen zwei Handytelefonaten unĂŒberlegt in das Filmprojekt einsteigt, haben die beiden allerdings kaum noch Zeit fĂŒreinander und Antoine reist genervt ab.

Lose HandlungsstrÀnge

Obwohl August ist, bleibt das Wetter schlecht. Es regnet und auch sonst kommt vieles anders als gedacht. Inmitten des unĂŒbersichtlichen FigurenknĂ€uels kristallisieren sich nach und nach zwischen kleinen Begegnungen und wunderbar beilĂ€ufigen Dialogen ein Handlungsstrang und die Hauptfiguren heraus: Karim, Michel und Agathe treffen sich jetzt regelmĂ€ĂŸig zu ihren kruden Film-Sessions. Immer kommt jemand zu spĂ€t, immer ist Agathe genervt, weil es zu lange dauert, meistens behĂ€lt sie die Contenance trotz unĂŒbersehbarer UnzulĂ€nglichkeiten des angeblichen TV-Profis Michel. In und um dieses Trio, dessen Einzelindividuen sehr unterschiedliche Motive verfolgen, schwappt das Privatleben stĂ€ndig ins Professionelle hinein.
Bei einer ungeplanten FilmvorfĂŒhrung erfĂ€hrt Agathe, dass Karim sie fĂŒr eine unausstehliche Domina hĂ€lt. Karim erfĂ€hrt unterdessen, dass der Produzent noch gar nichts vom Film weiß und dass Michels große Klappe nicht immer hĂ€lt, was sie verspricht. Michel dagegen erfĂ€hrt beim gemeinsamen Joint, dass Agathe sich die Politik anders vorgestellt hat. So lernt man sich kennen.

Bruchstellen, Wendungen

Alle drehen sich in einem trubeligen Karussell und man hat Mitleid, wenn die verkniffene Florence beim sommerlichen Baden von einer Freiheit redet, die sie vermutlich nicht einen Tag lang aushalten könnte. Das Film-Team macht einen Ausflug, an die Stelle, von der aus angeblich ganz Frankreich zu sehen ist und endet, vom Regen durchnÀsst, auf einem Bauernhof, Agathe findet heraus, dass sie tatsÀchlich von der verstorbenen Mutter bevorzugt behandelt wurde. Agathe, ist die Figur, die sich am deutlichsten entwickelt. Sie befreit sich von ihrem starren Profi-Korsett und öffnet sich den charmanten, aber offen unvollkommenen Zeitgenossen, die sie umgeben. Es wird verziehen, sich selbst und anderen und die Dinge kommen in Bewegung.

Am tÀglichen Scheitern wachsen

AgnĂ©s Jaoui und ihr Film- und Lebenspartner Jean-Pierre Bacri haben das Drehbuch fĂŒr diesen wunderbaren, beschwingten Film ĂŒber das heilsame Chaos des Lebens geschrieben. Es ist ein Film, der kleinteilig, aber in langen Einstellungen vom tĂ€glichen Scheitern erzĂ€hlt, von der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit und davon, wie mĂŒhsam VerĂ€nderungen oft sind. Michel und Florence sind hier die Figuren, die am offensichtlichsten das gar nicht können, was zu wollen sie vorgeben. Aber auch alle anderen geraten immer wieder bedrohlich ins Schlingern. Will Agathe wirklich in die Politik? Will Karim treu bleiben?

AVIVA-Tipp: Das Duo Jaoui/Bacri ist in der liebevollen und zugleich schonungslosen Darstellung menschlicher UnzulÀnglichkeiten und Chancen vielleicht so etwas wie die französische Antwort auf Woody Allen.
"ErzĂ€hl mir was vom Regen" prĂ€sentiert seine Figuren so unfertig und schwankend, suchend und verletzlich, dass man nach Herzenslust lachen und weinen kann.. Und wo bleibt der Feminismus, fĂŒr dessen Sache die erfolgreiche Agathe kĂ€mpft? Er wird mit feiner Selbstironie auf die Schippe genommen, denn alle Ideen und Vorhaben stehen in diesem Film auf dem PrĂŒfstand des persönlichen Vermögens ihrer UrheberInnen.

ErzÀhl mir was vom Regen
(OT: Parlez-moi de la pluie)
Frankreich 2008
Buch und Regie: Agnés Jaoui
DarstellerInnen: Agnés Jaoui, Jean-Pierre Bacri, Jamel Debbouze u.a.
Verleih: Alamode
100 Minuten
Kinostart: 30. Juli 2009
www.erzaehl-mir-was-vom-regen.de

Kultur Beitrag vom 17.07.2009 AVIVA-Redaktion 





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