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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.08.2009

Hazorea - Ein Kibbutz im Norden Israels. Ein Dokumentarfilm von Ulrike Pfaff
Iella Peter

Ulrike Pfaffs bemerkenswerter Deb├╝tfilm "Hazorea" gew├Ąhrt tiefen Einblick in das allt├Ągliche Ringen eines Kibbutz` um die Bewahrung alter Werte und dem gleichzeitigen Wunsch nach Ver├Ąnderung.



Ungef├Ąhr drei Prozent der israelischen Bev├Âlkerung leben heute noch in Kibbutzim (hebr├Ąisch, Plural f├╝r Kibbutz). Besonders nach der Staatsgr├╝ndung Israels 1948 wurden viele Siedlungen in bis dahin kaum erschlossenen Gegenden errichtet und spielten damit eine entscheidende Rolle f├╝r die Besiedelung des Staates Israel.

Bis heute schl├Ągt sich die sozialistische Ideologie der Kibbutzim stark im Lebensalltag der BewohnerInnen nieder. Entscheidungen werden in der Mitgliederversammlung basisdemokratisch getroffen. Privater Besitz existiert nicht und ihre Arbeitsleistung bringen die Kibbutzniks "unentgeltlich" f├╝r das Kollektiv ein. Im Gegenzug stellt der Kibbutz Verpflegung, Unterkunft, medizinische Versorgung und oft auch Kleidung zur Verf├╝gung. Auch gerade die Gleichberechtigung der Frauen ist ein wichtiges Ziel der Siedlungen. Deswegen werden viele, traditionell als weibliche T├Ątigkeiten deklarierte, hauswirtschaftliche Aufgaben als Dienstleistungen vom Kibbutz angeboten.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das strenge Reglement vieler Kibbutzim allerdings gelockert. Das Kollektivbewusstsein nimmt immer mehr ab und die voranschreitende Individualisierung der Gesellschaft h├Ąlt auch in den Kibbutzim Einzug. Von den, mit diesen Entwicklungen und Ver├Ąnderungen einhergehenden, sehr unterschiedlichen Gef├╝hlen erz├Ąhlt Ulrike Pfaff in ihrem eindrucksvollen Dokumentarfilm.

Hazorea ist ein Kibbutz in der N├Ąhe der israelischen Stadt Haifa. Heute das Zuhause f├╝r etwa 1.000 Menschen, gr├╝ndeten Hanna Oppenheimer, Raja Nehab und andere deutsche J├╝dInnen nach der Flucht vor dem NS-Regime 1934 den Kibbutz. Anhand von Originalaufnahmen beschreibt Hanna die Ankunft in dem unwirtlichen Fleck Land, welcher von nun an ihr Zuhause sein soll. Die erste Zeit waren die 90 Neuank├Âmmlinge, allesamt zwischen 17 und 21 Jahren, nur damit besch├Ąftigt Steine zu sammeln, um so die Erde f├╝r den Ackerbau vorbereiten zu k├Ânnen. Jede Nacht unter Beschuss der arabischen Nachbarn, schafften sie es trotz dieser widrigen Umst├Ąnde, die anfangs nur aus Zelten bestehende Siedlung zu einem Dorf mit funktionierender Infrastruktur umzuwandeln. Wahre Pionierarbeit, die auf dem Wunsch nach einer gerechten Gesellschaft gr├╝ndete.

Heute sind Hanna und Raja ├╝ber 90 Jahre alt und m├╝ssen erkennen, dass ihre EnkelInnen nicht mehr nach ihren kommunistischen Idealen leben wollen. Viele haben den Kibbutz schon verlassen. Und auch Oriel (30) lebt mittlerweile in Tel Aviv und ist nur einige Wochen im Jahr bei seiner Familie im Kibbutz. Geboren und aufgewachsen ist er in Hazorea und bis heute, so erz├Ąhlt er, ist es seine Heimat geblieben. Er ist hin und her gerissen zwischen dem Ort seiner Kindheit und seinem neuen Zuhause. Denn mit seinen 30 Jahren wird Oriel eine wichtige Entscheidung treffen m├╝ssen: Verl├Ąsst er den Kibbutz f├╝r immer oder wird er ein festes Mitglied in der Kommune?

F├╝r Oriel und die anderen der neuen Generation der Kibbutzniks ist es schwer, mit den alten Werten umzugehen. Sie streben nach Selbstverwirklichung und k├Ânnen den Umstand, dass sie kein Gehalt entsprechend ihrer geleisteten Arbeit erhalten, nicht mehr akzeptieren.

In einem f├╝r die Gemeinschaft historischen Moment gew├Ąhrt Ulrike Pfaffs Film der ZuschauerIn Einblick in die Geschehnisse des Kibbutz`. Denn es bleiben noch zwei Wochen, bis alle Kibbutzniks in einer Mitgliederversammlung ├╝ber wichtige Reformen, die Oriel und seine Freunde sich w├╝nschen, andere aber f├╝rchten, entscheiden m├╝ssen. Viele stellen sich die Frage, ob mit Annahme der Reformvorschl├Ąge die Zeit der urspr├╝nglichen Kibbutzim abgelaufen sei. Halil, ein junger Mann, der aus ├ťberzeugung in Hazorea geblieben ist, sieht schon in f├╝nf bis zehn Jahren das Ende seines Kibbutz`, seiner Heimat, herannahen.

"Hazorea - Ein Kibbutz im Norden Israels" f├Ąngt die unterschiedlichen Stimmen und Gef├╝hle der BewohnerInnen bez├╝glich der Zukunft ihres Kibbutz` ein und zeigt, dass die Geschichte des Kibbutz┬┤ Hazorea letztlich auch ein Spiegel der israelischen Gesellschaft ist. F├╝r viele ├Ąltere Israelis ist das Kibbutz Sinnbild f├╝r ein Gesellschaftsideal, das droht zu verschwinden, um einer ausschlie├člich leistungs- und profitorientierten Gesellschaft zu weichen. Ein Szenario, das gro├če Angst vor dem Verlust der traditionellen Werte und auch der eigenen Identit├Ąt sch├╝rt. In Ulrike Pfaffs Dokumentarfilm kommen alle Parteien zu Wort und lassen so die ZuschauerIn an der Faszination Kibbutz teilhaben.

Zur Regisseurin: 1997, kurz nach dem Abitur, ging Ulrike Pfaff selbst f├╝r einige Monate in ein Kibbutz und machte sich mit dem Leben dort vertraut. Nach weiteren Besuchen, viele Jahre sp├Ąter, sp├╝rte sie, dass Ver├Ąnderungen im Kibbutz stattgefunden hatten und machte es sich in der Folge zur Aufgabe, diesen auf die Spur zu gehen.

AVIVA-Tipp: Mit ihrem Deb├╝tfilm ist Ulrike Pfaff eine beeindruckende Dokumentation ├╝ber das Leben in einem Kibbutz gelungen. Sie verwebt die unterschiedlichen Stimmen und Gef├╝hle der BewohnerInnen zu einem unterhaltsamen, aber auch informativen Ganzen und offenbart der ZuschauerIn auf einf├╝hlsame Weise die, dem Kibbutz innewohnende, Faszination.

Hazorea ÔÇô Ein Kibbutz im Norden Israels
Originaltitel: Hazorea - A Kibbutz in the North of Israel
Deutschland/ Israel 2008
Buch und Regie: Ulrike Pfaff
DarstellerInnen:
Verleih: Instinctive Film
Laufl├Ąnge: 80 min.
Kinostart in Berlin: 04. August 2009
Weitere Infos: www.instinctivefilm.com


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Sweet Mud ÔÇô Im Himmel gefangen. In seinem neuen Film rechnet der israelische Regisseur und Drehbuchautor Dror Shaul mit dem Kibbuz ab und zeigt eine Gemeinschaft, in der Einsamkeit und Selbstsucht die Menschen bestimmen.

Kultur Beitrag vom 28.08.2009 AVIVA-Redaktion 





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