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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.12.2009

Séraphine - Ein Film von Martin Provost mit Yolande Moreau
Sunna Krause-Leipoldt

Das filmische Portrait von Séraphine Louis, einer herausragenden, aber noch relativ unbekannten Vertreterin der "Naiven Kunst", avancierte in Frankreich in kurzer Zeit zum Publikumsliebling und...



...gewann 2009 sieben Césars.

Der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (gespielt von Ulrich Tukur) zieht 1912 in das französische Städtchen Senlis, um sich dem Schreiben zu widmen und von dem hektischen Treiben der Großstadt zu erholen. Als Haushälterin stellt ihm seine Vermieterin die unscheinbar und wortkarg wirkende Séraphine (Yolande Moreau) an die Seite.

Eines Tages findet Uhde, Entdecker von Picasso und Rousseau, ein Bild, das ihn sofort ber√ľhrt und begeistert. Zu seiner √úberraschung stellt sich heraus, dass das Werk von S√©raphine stammt. Noch ganz angetan von ihrer au√üergew√∂hnlichen Arbeit beschlie√üt er, die eigenwillige und von allen bel√§chelte K√ľnstlerin zu f√∂rdern.

Als die Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Frankreich einfallen, muss Uhde fliehen und l√§sst die Arbeiten seines Sch√ľtzlings S√©raphine zur√ľck. Vor seinem Aufbruch verspricht er ihr jedoch noch, wieder zu kommen, und bittet sie inst√§ndig, nicht mit dem Malen aufzuh√∂ren.

S√©raphine h√§lt Wort und widmet sich in jeder freien Minute der Kunst. Ihre Farben fertigt sie sich selber an ‚Äď aus Schlamm, Tierblut und Bl√ľtenstaub. Uhde kehrt 1927 nach Frankreich zur√ľck und wird durch eine Ausstellung lokaler K√ľnstlerInnen an seine Entdeckung von damals erinnert.

Mit seiner finanziellen Unterst√ľtzung kann S√©raphine sich nun ganz der Malerei hingeben. Ihre Werke werden immer imposanter, ihre Erstellung immer mehr zu einem Ritual. Sie malt nur nachts zu den Kl√§ngen von Kirchenliedern und ist dabei wie in Trance.

S√©raphine erreicht mit ihren Arbeiten einen gewissen Bekanntheitsgrad, doch dann kommt die Wirtschaftskrise und Uhde kann oder will sie nicht weiter unterst√ľtzen. F√ľr die Malerin ist das zuviel. S√©raphine verliert den Verstand...

Das Biopic wurde 2008 in den franz√∂sischen Kinos gezeigt und erhielt bei der Verleihung des nationalen franz√∂sischen Filmpreises 2009 sieben C√©sars. Ausgezeichnet wurde es in den Kategorien "Bester Film", "Bestes Drehbuch", "Beste Kamera", "Beste Kost√ľme", "Beste Ausstattung" und "Beste Musik". Zudem wurde Yolande Moreau f√ľr ihre Interpretation der S√©raphine als "Beste Hauptdarstellerin" mit dem Preis geehrt.

Laut dem franz√∂sischen Kunstkritiker Anatole Jakovsky(1909 - 1988), war S√©raphine "eine der gr√∂√üten naiven Maler der Welt und aller Zeiten." Der Regisseur und Drehbuchautor Martin Provost schildert in seinem Werk nicht nur das Leben dieser ungew√∂hnlichen Frau, sein Hauptaugenmerk liegt auf ihrem Schaffensdrang. Ohne gro√üe Worte, aber mit viel Liebe zum Detail √ľbermittelt er den ZuschauerInnen, wie lebensnotwendig die Malerei f√ľr S√©raphine war. In einfachen, fast meditativen Einstellungen stellt er nach, wie die K√ľnstlerin ihre Farben selber kreierte, sich Inspiration in der Natur holte und v√∂llig in ihrer Arbeit an den Bildern aufging.

Die n√ľchterne Zur√ľckhaltung in der Darstellung unterstreicht nicht nur die Seriosit√§t des Films, sondern l√§sst den ZuschauerInnen auch die M√∂glichkeit einer eigenen Interpretation.

Das Leben und Schaffen der K√ľnstlerin wurde mit dem Film aus der Vergessenheit herausgeholt und wieder f√ľr ein breites Publikum sichtbar gemacht. Von Oktober 2008 bis Mai 2009 fand eine Einzelausstellung der Werke von S√©raphine im "Mus√©e Maillol" in Paris statt.

Zur Hauptdarstellerin: Yolande Moreau wurde 1953 in Br√ľssel geboren und absolvierte ihr Schauspielstudium an der Ecole Jaques Lecoq. 1982 hatte sie ihren ersten Erfolg mit dem One-Woman-St√ľck "Sale affaire du sexe et du crime". Die Schauspielerin war in Filmen wie "Sans toit ni loi" (Vogelfrei) von "Agn√®s Varda" zu sehen. Vor allem die Zusammenarbeit mit Jean Pierre Jeunet war erfolgreich: "Amelie Poulain" avancierte 2001 zum Publikumsliebling. Mit "Quand la mer monte" "(Wenn die Flut kommt)" stellte die Schauspielerin erstmals ihr Talent als Regisseurin und Drehbuchautorin unter Beweis. Mit der Rolle der Ir√®ne gewann sie 2005 den C√©sar als beste Darstellerin sowie die Auszeichnung f√ľr das beste Erstlingswerk. F√ľr ihre Interpretation der S√©raphine erhielt sie 2009 erneut den C√©sar als beste Akteurin und reiht sich somit in die Riege gro√üer franz√∂sischer Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve und Nathalie Baye ein.
(Quelle: Arsenal Filmverleih)

AVIVA-Tipp: Durch eine geschickte Kameraf√ľhrung und die melancholische Filmmusik von Michael Galasso erlangt der Film "S√©raphine" eine Tiefe, die unter die Haut geht. Sowohl Besetzung als auch Regie √ľberzeugen und sorgen daf√ľr, dass die Darstellung zu keinem Zeitpunkt √ľberzogen wirkt. Der Film pr√§sentiert sich ohne viele Worte und richtet den Blick der ZuschauerInnen somit auf das Wesentliche.

Séraphine
Frankreich 2008
Regie: Martin Provost
ProduzentInnen: Miléna Poylo und Gilles Sacuto
Drehbuch: Martin Provost und Marc Abdelnour
DarstellerInnen: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennent, Genevi√®ve Mnich, Nico Rogner, Ad√©laїde Leroux, Serge Larivi√®re, Fran√ßoise Lebrun u.v.a.
Kamera: Laurent Brunet (Austrian Film Comission)
Musik: Michael Galasso
Original mit Untertitel und in synchronisierter Fassung
Länge: 125 Minuten
Arsenal Filmverleih
Kinostart: 17. Dezember 2009
Mehr zum Film: www.filmpresse-meuser.de und www.arsenalfilm.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Wenn die Flut kommt". Ein Film von und mit Yolande Moreau.

"Séraphine Louis" von Manja Wilkens und Hans Körner.

"Interview mit Agnès Varda".

Kultur Beitrag vom 16.12.2009 AVIVA-Redaktion 





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