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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.01.2010

A Serious Man
Judith Kessler

Der gro├čartige, bisher j├╝dischste Film der Coen-Br├╝der kommt ins Kino! Larry Gropnick ist Physikprofessor. Er lebt mit Frau und Kindern in einer kleinen j├╝dischen Gemeinde in Minnesota. Seine...



... Erf├╝llung ist es, die Wurzel aus 0,007 a Quadrat zu ziehen und Tafeln mit Zahlen zu bekritzeln. Doch pl├Âtzlich beginnt alles, aus dem Ruder zu laufen.


Die Universit├Ątsleitung bekommt anonyme Briefe, die Larrys (Michael Stuhlbarg) Verbeamtung gef├Ąhrden. Der koreanische Gaststudent versucht, mit einem B├╝ndel Dollarscheinen seine Klausurnote aufzubessern. Larrys heulsusiger Bruder Arthur (Richard Kind), der sich bei ihm eingenistet hat und entweder die Couch oder das Bad blockiert (wo er die Talgzyste in seinem Nacken entleert), wird beim illegalen Gl├╝cksspiel geschnappt. Der Nazityp vom Nebenhaus verlegt mal eben die Grundst├╝cksgrenze.

Ehefrau Judith (Sari Lennick) nimmt sich den schleimigen "Macher" Sy Ableman (Fred Melamed) mit dem sanften Aaaales-wird-gut-Timbre zum Liebhaber, will den Get, r├Ąumt Larrys Konto leer und verfrachtet ihn ins Motel und seinen (schnarchenden) Bruder gleich mit. Sohn Danny (Aaron Wolff) interessiert sich f├╝r genau zwei Dinge: Kiffen und Jefferson Airplane, auch wenn er mit Jossele-Rosenblatt-Platten f├╝r seine Bar Mizwa lernen soll und seine Schwester Sarah (Jessica McManus) angiftet ("Ich studiere die Tora, Du Arsch!"), die ihrerseits partout nur eins will: einen Nose-Job...

Der korrekt-brave Larry hingegen verstrickt sich tiefer und tiefer in Katastrophen Hiobscher Ausma├če (die Coens: "Wir fanden immer wieder neue Wege, wie wir Larry qu├Ąlen konnten"). Er dudelt jiddische Depri-Schnulzen ("Di reder drejen sich, di joren gejen sich un elend bin ich wi a stajn.") und ist am Verzweifeln. Weil er nicht kapiert, was er falsch macht. (Gar nichts.)

Joel und Ethan Coen tauchen mit "A Serious Man" tief in die eigene Kindheit ein und sie tun dies komischer, schr├Ąger, kl├╝ger, absurder denn je. All dies in einer Low-Budget-Produktion (Ethan: "Wenn du einen Film ├╝ber eine j├╝dische Gemeinschaft im Mittleren Westen drehst, der 1967 spielt, und Fred Melamed ist der Sextyp, dann geben sie dir nicht viel Geld...") und mit No-Name-DarstellerInnen. Die rekrutieren sich gr├Â├čtenteils aus der ├Ârtlichen Kehille, und auch die Profis, lauter lokale "authentische Juden", scheinen sich selbst (oder etwa Mitglieder der Berliner Gemeinde?) zu spielen. Die wichtigste Besch├Ąftigung ist 1967 offenbar das Richten von Fernsehantennen, der Universalausruf der Jugend ist "Fuck!" und der der (j├╝dischen) Erwachsenen: "Jesus Christ!" (so beim Heben der sauschweren Torarollen im Gottesdienst).

Der Film ist zum Schreien komisch und sehr, sehr j├╝disch. Der Prolog spielt im Stetl, auf Jiddisch. Es wimmelt vor Hebr├Ąismen - von Schiwe, Dibbuk, Aguna, Ez monim und Naches bis hin zur Konjugation von "lalechet ha baita", statt Antworten gibt`s immer nur neue Fragen und alles, was komisch ist, ist zugleich tief traurig und existentiell. Die Phantasien sind angstbesetzt, in Larrys Alptr├Ąumen treiben sich juden-erlegende J├Ąger herum und schon Danny fl├╝chtet st├Ąndig wie ein Hase vor dem fetten Nachbarsjungen durchs Bild.

In seiner Not sucht Schlemihl Larry rabbinischen Rat. Der "Junior Rabbi", bei dem er als erstes landet, kommentiert all die F├╝rchternisse mit "This is life!", w├Ąhrend der ├Ąlteste und weiseste weit und breit ihn von seinem Vorzimmerdrachen abwimmeln l├Ąsst: "Der Rabbi ist besch├Ąftigt... Er denkt nach."

Nummer Drei f├Ąllt zu Larrys Fall die Story von Zahnarzt Sussman ein, der eines Tages eine Botschaft des Ewigen im Gebiss eines goischen Patienten findet - Hebr├Ąisch steht da: Hilf mir! Sussmann, fortan appetit- und schlaflos, versucht verzweifelt herauszufinden, was HaSchem ihm damit sagen will... - "Und?", fragt Larry. - Der Rebbe: "Man kann nicht alles wissen."

Irgendwann scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Oder doch nicht? Larrys Arzt m├Âchte seine R├Ântgenbilder mit ihm besprechen ("Ja, am besten gleich.") und in Dannys Religionsschule sollen wegen eines aufziehenden Tornados alle in den Keller. Doch die Kids bleiben diskutierend drau├čen stehen. Die schwarze Wand rollt heran. Cut! Ende. "Please, accept the mystery"!


Dieser Artikel von Judith Kessler ist unter dem Titel "J. Rosenblatt gegen J. Airplane" in der Zeitschrift J├╝disches Berlin Nr.120/2010 im Januar 2010 erschienen und wurde AVIVA-Berlin von der Autorin freundlicherweise zur Verf├╝gung gestellt.

A Serious Man
USA 2009
105 Minuten
Regie, Produktion und Drehbuch: Joel & Ethan Coen
DarstellerInnen: Michael Stuhlbarg (Larry Gopnik), Richard Kind (Onkel Arthur), Fred Melamed (Sy Ableman), Sari Lennick (Judith Gopnik), Aaron Wolff (Danny Gopnik), Jessica McManus (Sarah Gopnik)
Verleih: TOBIS Film GmbH
Kinostart: 21. Januar 2010

Der Film im Netz: www.tobis.de/film/a-serious-man

Kultur Beitrag vom 05.01.2010 AVIVA-Redaktion 





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