Schattenwelt auf DVD - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

WOHNE LIEBER UNGEWÖHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.04.2010

Schattenwelt auf DVD
Anna-Lena Berscheid

In vielen RAF-Filmen wurde das Schicksal der Hinterbliebenen ausgelassen. Dieser Film legt seinen Fokus auf das Schicksal derer, die auch Jahre spÀter traumatisiert sind. Jetzt auf DVD.



Wenn im deutschen Film etwas Konjunktur hat, dann ist es wohl die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Filme ĂŒber das Dritte Reich, den Deutschen Herbst oder die DDR sind es, die sich bei den MacherInnen wie auch beim Publikum grĂ¶ĂŸter Beliebtheit erfreuen. Verwunderlich ist es da nicht, dass auch bei internationalen Filmpreisverleihungen wie den Oscars Filme mit solch historischer Thematik fĂŒr Deutschland ins Rennen gehen, 2007 gewann "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck die Auszeichnung fĂŒr den besten nicht-englischsprachigen Film und auch "Der Untergang" oder "Der Baader-Meinhof Komplex" waren in den vergangenen Jahren nominiert.

Im Fahrwasser dieser PopularitĂ€t wollte wohl auch "Schattenwelt" schwimmen: Der ehemalige RAF Terrorist Widmer (Ulrich Noethen) wird nach 22 Jahren aus der Haft entlassen. Über seine AnwĂ€ltin Ellen (Tatja Seibt) findet er eine Bleibe in einem Plattenbau, dort versucht er, in das normale Leben zurĂŒckzufinden und Kontakt zu seinem Sohn Samy (Christoph Bach) aufzubauen. Doch kaum angekommen lernt er seine Nachbarin Valerie (Franziska Petri) kennen. Diese hat seine Ankunft schon erwartet und sucht seine NĂ€he. Widmer weiß noch nicht, dass Valerie bei ihm nach Antworten sucht: Ihr Vater, ein einfacher GĂ€rtner, wurde vor 23 Jahren bei einem Attentat nur zufĂ€llig erschossen, an dem Widmer beteiligt war. Seine damalige LebensgefĂ€hrtin Pocke (Eva Matthes) wurde aufgrund der Kronzeugen-Regelung nie verurteilt, der dritte Beteiligte auf der Flucht erschossen. Doch wer die tödlichen SchĂŒsse abgegeben hat ist auch nach 23 Jahren ungeklĂ€rt.

"Schattenwelt" handelt weniger von den Taten der RAF als von den Opfern, die mit ihrer Traumatisierung nicht umgehen können. Das beschriebene Szenario ist rein fiktiv - es gibt weder die genannten TerroristInnen noch fand das Attentat wirklich statt. Parallelen zur RealitÀt gibt es dennoch - im Zuge der Diskussion um die vorzeitige Entlassung der ehemaligen RAF-Mitglieder Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt kam wieder die Frage auf, wer Generalbundesanwalt Buback getötet hat.

Der Film thematisiert jedoch nicht nur den Verlust der Nachkommen der Opfer: Auch Samy, der Sohn Widmers, fĂŒrchtet sich bis ins Erwachsenenalter vor seinem Vater, dessen plötzliches Erscheinen er jeden Moment erwartet. Die Angst fĂŒhrt soweit, dass Samy, mittlerweile erfolgreicher Architekt, sein Haus zu einem Hochsicherheitstrakt aufrĂŒstet. Als er aus dem Radio erfĂ€hrt, dass sein Vater frei gelassen wird, verliert er schließlich ganz die Kontrolle.

Zu den HauptdarstellerInnen:

Franziska Petri:
ist eine gelernte Putzmacherin. Sie erhielt eine klassische Ballett- und Gesangsaubildung (Mezzosopran), sang in mehreren Bands und studierte von 1992 bis 1995 an der berĂŒhmten Hochschule fĂŒr Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Schon wĂ€hrend ihres Studiums erhielt sie erste Fernsehhauptrollen und spielte am Berliner Schillertheater. 1998 gab sie in Michael Gwisdeks "Das Mambospiel" ihr KinodebĂŒt. Mittlerweile zĂ€hlt Franziska Petri schon zu den arrivierten deutschen Schauspielerinnen.

Ulrich Noethen gehört zu den wandlungsfĂ€higsten deutschen Schauspielern: Er brilliert in einem Kinderfilm ebenso wie in einer Literaturverfilmung, auf der Kinoleinwand wie bei TV-Produktionen - und fĂŒhlt sich weiterhin dem Theater verpflichtet. FĂŒr seine Kunst wurde er schon mehrfach ausgezeichnet.

Zur Regisseurin:
Connie Walther
studierte Soziologie und Spanisch in Marburg, wechselte zur Fotografie und absolvierte eine Ausbildung als Werbefotografin in DĂŒsseldorf. Anschließend sammelte sie praktische Erfahrung als Beleuchterin und Regieassistentin u.a. bei Wolfgang Becker und Dominik Graf. FĂŒr Ihre Filme "12 heisst: Ich liebe dich" (2008), "Wie Feuer und Flamme" (2002) und "Das Erste Mal" (1996) wurde sie vielfach ausgezeichnet.

AVIVA-Fazit: Der Film bemĂŒht sich, die psychologischen Folgen, die Opfer, TĂ€terInnen und deren Nachkommen durch die RAF-Attentate erlitten haben, zu thematisieren. Jedoch wird zu vieles nur angedeutet, die Charaktere bleiben undurchsichtig und gesichtslos, ihr Handeln ist nicht nachvollziehbar. Die Dialoge, die an die Sprache der RAF erinnern sollen, wirken gestelzt und entbehren dadurch jeder AuthentizitĂ€t. Zudem wurde den Bildern jegliche Farbe genommen, die ĂŒberbelichtete Optik stört beim Zuschauen - weshalb diese Technik eingesetzt wurde, bleibt unklar.
Nach endlosen Minuten zĂ€her und zugleich kruder Handlung endet der Film regelrecht abrupt und lĂ€sst so die ZuschauerInnen in vollkommenem UnverstĂ€ndnis zurĂŒck. "Schattenwelt" hat zwar einen sehr interessanten Ansatz, kann aber den eigenen Anspruch nicht erfĂŒllen und hinterlĂ€sst dadurch große Fragezeichen bei den ZuschauerInnen.

Schattenwelt
Deutschland, 2008
im Verleih der Edition Salzgeber
Regie: Connie Walther
Drehbuch: Uli Herrmann
Co-AutorInnen: Peter JĂŒrgen Boock, Connie Walther
DarstellerInnen: Franziska Petri, Ulrich Noethen, Tatja Seibt, Christoph Bach, Eva Matthes u.a.
FSK: ab 12
deutsche Originalfassung
Sound: Dolby Digital Stereo
Format: 16:9

Erscheinungstermin: 01. MĂ€rz 2010
19,90 Euro
schattenwelt-der-film.de

Kultur Beitrag vom 16.04.2010 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken