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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 21.05.2010

Königin im Ring - Regie Simone Jung. Kinostart: 03. Juni 2010
Marie Heidingsfelder

Zwölf Jahre ungeschlagene Weltmeisterin - wer an Frauenboxen denkt, denkt an Regina Halmich, spätestens seit ihrem Showkampf mit Stefan Raab 2001. Hinter dem Blitzlichtgewitter der Medien...



...und der harten Fassade des Boxsports, gelingt Regisseurin Simone Jung in ihrem Kinodeb√ľt ein einf√ľhlsames Portrait √ľber die "K√∂nigin im Ring".

"Frauen m√ľssen doppelt so gut sein wie M√§nner, um die gleiche Anerkennung zu bekommen." Dieses Statement von Regina Halmich l√§sst ahnen, welche Schwierigkeiten sie auf ihrem Weg bew√§ltigen musste, um sich selbst und das Frauenboxen aus der "Schmuddelecke" in die √∂ffentliche und mediale Anerkennung zu holen.

Gemeinsam mit ihrem Kameramann Kai Wiehagen dokumentiert Simone Jung nicht nur die einzigartige Karriere, das harte Training und die K√§mpfe, sondern gibt auch einen sehr privaten Einblick in die Kindheit, die Familie und das private Umfeld. Mitten aus dem Kinosaal f√ľhlt man sich als BetrachterIn pl√∂tzlich nach Karlsruhe versetzt, in das beschauliche Wohnzimmer von Vater und Mutter Halmich: Man sp√ľrt den Stolz vor den Ordnern mit Zeitungsausschnitten und die Angst um "ihre Regina", wenn sie w√§hrend der K√§mpfe den Fernseher ausschalten.
Dar√ľber hinaus bekommt man einen Einblick in den Alltag, die karge Realit√§t der Trainingslager und das emotionale Auf und Ab zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Konzentration und Medienrummel.

Trotz aller Einf√ľhlsamkeit verliert der Film √ľber den deutschen American Dream von der Rechtsanwaltsgehilfin zur Weltmeisterin an keiner Stelle die Spannung. Das liegt einerseits an der Erz√§hlstruktur, denn der Film startet am Abend ihres letzten Kampfes und nimmt immer wieder den Pulsschlag der letzten Vorbereitungen auf. Andererseits liegt es an der in R√ľckblenden und Interviews erz√§hlten Geschichte selbst, die sich als st√§ndiger, leidenschaftlich gef√ľhrter Kampf mit sich selbst, ihrer Familie und den Medien erweist. Man sp√ľrt die Kr√§nkung von damals, als der jungen Rechtsanwaltsgehilfin unterstellt wurde, sie habe einfach nichts Anst√§ndiges gelernt" und die Dem√ľtigung, als sie sich, blutig zerschlagen, nach der ersten und einzigen Niederlage in Las Vegas dem Blitzlicht der Fotografen stellen mu√üte. "Regina ist immer nur gerannt, nie langsam gelaufen", erz√§hlt Vater Halmich. Mit dieser Energie, Disziplin und dem ungeheuren Selbstbewusstsein ist sie W√§nde einfach eingelaufen.

Auch ohne Begeisterung f√ľr den Boxsport kann man das Mitfiebern kaum verhindern: Der Puls hebt sich, die Konzentration steigt und pl√∂tzlich versteht man diesen anderen Blick, der in Regina Halmichs Augen tritt. Im Ring gibt es nur "Du oder ich", aufgefressen werden oder und den anderen fressen" So die Frau, die bei √∂ffentlichen Auftritten immer ihre Weiblichkeit betont und 2003 f√ľr den Playboy posierte. Simone Jung schafft es, diese scheinbare Spannung zwischen der h√ľbschen blonden Familienfrau und der aggressiven Zerst√∂rerin aufzul√∂sen. Regina Halmich ist nicht schizophren gespalten zwischen den geflochtenen Z√∂pfen der Ringfrisur und dem Gl√§tteisen vor Talk-Show-Auftritten, sondern vereint beides mit der gleichen Energie, dem gleichen Anspruch und der gleichen Disziplin.

Dennoch musste sie sich in ihrer Karriere nicht nur als Sportlerin, sondern auch als Frau immer wieder beweisen: In der bis dato reinen M√§nnerdom√§ne meisterte sie den Balanceakt, sich einerseits durchzusetzen und andererseits als Frau anerkannt zu werden. Diese F√§higkeit ist nicht nur auf sie und den Sport beschr√§nkt, sondern betrifft viele Frauen, die sich von traditionellen Rollenbildern l√∂sen. Daher ist f√ľr die Regisseurin nicht das Milieu entscheidend, sondern der Weg einer Frau, die mit bedingungsloser Faszination und Selbstbehauptungstrieb ihren Weg geht, immer nach dem Motto: "Man kommt immer an einen Punkt, an dem man nicht mehr kann. Der Kampf besteht darin, √ľber die eigenen Grenzen zu gehen."

AVIVA-Tipp: "K√∂nigin im Ring" ist nicht nur ein gleicherma√üen einf√ľhlsames wie mitrei√üendes Portrait, sondern zeigt anhand einer beispiellosen Karriere auch eindrucksvoll das Zusammenspiel von Gesellschaft und Medien. Regina Halmich erk√§mpft sich ihren Weg, als Sportlerin und als Frau.

Zur Regisseurin: Simone Jung wurde 1967 in Karlsruhe geboren, dem Ort, aus dem auch Regina Halmich stammt. Bereits w√§hrend ihres Studiums in Germanistik, Philosophie und Psychoanalyse sammelte sie journalistische Erfahrungen und arbeitet seit 1998 als freie Autorin und Regisseurin. Ihre erste Doku "Kaufhaus M. Schneider" wurde 1999 auf dem Hessischen Rundfunk gesendet, seitdem dreht sie regelm√§√üig f√ľr regionale und nationale Fernsehsender. F√ľr ihren ersten Kinofilm "K√∂nigin im Ring" gewann Simone Jung 2008 den Hessischen Filmpreis in der Kategorie "Dokumentarfilm.

Königin im Ring
Deutschland 2008
Buch und Regie: Simone Jung
Kamera: Kai Wiehagen
PROGRESS Film-Verleih, www.progress-film.de
Lauflänge: 90 Minuten
Kinostart: 03. Juni 2010

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Die Kraft ist weiblich" von Regina Halmich

"Die Boxerin", 2006 Regie: Catharina Deus

Weitere Infos zu Regina Halmich finden Sie unter:
www.regina-halmich.org

Kultur Beitrag vom 21.05.2010 Marie Heidingsfelder 





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