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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.06.2010

La Nana - Die Perle
Marie Heidingsfelder

Wie sieht das Leben einer Frau aus, die mit 41 Jahren immer noch das "Hausm├Ądchen" ist? Nach 23 Jahren gehorcht Raquel nur auf den ersten Blick dem Gl├Âckchenl├Ąuten ihrer ArbeitgeberInnen...



... Heimlich bestimmt sie dickk├Âpfig ├╝ber Haushalt und Alltag der Familie Valdez. Eine Stellung, die sie auch verletzt noch mit Z├Ąhnen und Krallen gegen m├Âgliche Konkurrentinnen verteidigt.



Ein sehr sp├Ątes Coming of Age


Macht ist kein Gegenstand, den man besitzen kann, sondern begr├╝ndet sich immer nur in Beziehungen. Unter diesem Gesichtspunkt ist Sebasti├ín Silvas zweiter Film "La Nana" nicht nur ein beeindruckendes Frauenportrait und eine Coming of Age Story, sondern auch ein Film ├╝ber Macht. Denn nach 23 Jahren als Hausm├Ądchen ist Raquel in eine ambivalente Doppelbindung zu "ihrer Familie" verstrickt: Selbstverst├Ąndlich feiert sie Weihnachten mit ihnen - und selbstverst├Ąndlich isst sie von ihnen getrennt, nachdem sie das Essen serviert hat. Selbstverst├Ąndlich geh├Ârt sie zur Familie und selbstverst├Ąndlich ist sie "hier nur das Dienstm├Ądchen" wie ihr die ├Ąlteste Tochter Camila an den Kopf wirft. Mit 18 Jahren wurde Raquel in einer Funktion eingestellt, die den meisten westeurop├Ąischen BesucherInnen antiquiert erscheinen mag. Sie ist die "Perle" des Haushalts, schl├╝pft seit 23 Jahren morgens in ihre Uniform und zieht die Kinder anderer gro├č. Den Weg vom Haus-M├Ądchen zur Frau hat sie links liegen gelassen, nie eine eigene Familie, noch eine Beziehung, noch ├╝berhaupt irgendeinen intimen Kontakt gehabt. Zu Beginn des Films, an ihrem 41. Geburtstag ist Raquel ersch├Âpft: Der riesige Haushalt ├╝berfordert sie, zwei der vier Kinder sind in der Pubert├Ąt und sie sichert ihr t├Ągliches Funktionieren mit Tabletten. Kopfschmerzen und Schwindelanf├Ąlle machen aus der Perle einen Drachen, besonders als die Familie vorschl├Ągt, sie nach einem Schw├Ącheanfall mit einem zweiten Hausm├Ądchen - einer Konkurrentin also - zu entlasten. So anstrengend und perspektivlos Raquels Leben auch sein mag, sie verteidigt es verbissen und trickreich gegen alle Bewerberinnen - bis die lebensfrohe und herzliche Lucy kommt.

Der Lucy-Effekt

Mit "La Nana" gelingt es Regisseur Sebasti├ín Silva, die BesucherInnen in die seltsame Parallelwelt einer Hausangestellten zu entf├╝hren. In harten Bildern zeigt er Raquels Alltag, oft sieht man ihr m├╝des Gesicht in Gro├čaufnahme oder grell k├╝nstlich beleuchtet. Das Sonnenlicht und die warme Beleuchtung des Hauses stehen im Kontrast zu diesem flackernden Blau, das Raquels Feierabend-Vergn├╝gen ist. Auch was den Ton betrifft ist "La Nana" ein anstrengender Kinobesuch. Kinder schreien, Geschirr scheppert, der Wecker piept erbarmungslos und st├Ąndig knallt eine T├╝r.
Dass man das Eintrittsgeld trotzdem nicht bereut, liegt vor allem am gro├čartigen Spiel der Hauptdarstellerin Catalina Saavedra, der ein ebenso ber├╝hrendes wie schwarzhumoriges Bild von Raquel gelingt. Ohne ihren Lebensentwurf zu verstehen, mag man den "Hausdrachen", f├╝hlt mit und freut sich ├╝ber die gelungenen Gemeinheiten gegen die Konkurrentinnen. Beeindruckend ist au├čerdem, wie es Regisseur Silva gelingt, mit Lucy die graue Grundstimmung St├╝ck f├╝r St├╝ck aufzuhellen. Man sp├╝rt, wie sich Raquels feste Vorstellungen von ihrem Sein und der Welt nach 23 Jahren auflockern und erlebt fasziniert, wie sie - viel zu sp├Ąt, aber besser als nie - Freundschaft, Zuneigung und ein St├╝ck Selbstst├Ąndigkeit entdeckt.
"La Nana" ist erst der zweite Film von Sebastián Silva und wurde mehrfach ausgezeichnet - meist gewann er den Preis für die schauspielerische Leistung von Catalina Saavedra. 2010 wurde er für den Golden Globe in der Kategorie bester fremdsprachiger Film nominiert.

AVIVA-Tipp: "La Nana" ist eine Perle des zeitgen├Âssischen s├╝damerikanischen Kinos und das ber├╝hrende Portrait einer ebenso widerspenstigen wie liebenswerten Frau zwischen Hausm├Ądchen, Hausdrachen und zarter Emanzipation. Das Herz wird angenehm schwer, ohne dass einem das Lachen ├╝ber den schwarzen Humor im Hals stecken bleibt.

Zu der Hauptdarstellerin: Catalina Saavedra wurde 1968 in Chile geboren und arbeitet als Schauspielerin f├╝r Film, Fernsehen und Theater. Bereits mit zehn Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft f├╝r die B├╝hne und nahm sie die ersten Schauspielstunden. Nach der Schule studierte sie experimentelles Theater und erhielt 1992 ihre erste Rolle in einer Fernsehserie. Es folgten zahllose Theaterst├╝cke, Sitcoms, Soap-Operas und Filme in S├╝damerika. Durch ihre preisgekr├Ânte Darstellung der Raquel in "La Nana" wurde sie 2009 auch ├╝ber die Grenzen des Kontinents bekannt

La Nana
Chile und Mexiko, 2009
Buch und Regie: Sebastián Silva
Arsenal Film-Verleih
Laufl├Ąnge: 95 Minuten
Kinostart: 17. Juni 2010


Weitere Infos zum Film und Arsenal finden Sie unter: www.arsenalfilm.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ein Bericht ├╝ber den Beruf des "Hausm├Ądchens" im Zusammenhang mit Menschenhandel

Kultur Beitrag vom 17.06.2010 Marie Heidingsfelder 





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