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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 21.07.2010

Micmacs - Uns gehört Paris
Katharina Liese

Dany Boon spielt die Hauptrolle im neuesten, großartigen Film Jean-Pierre Jeunets, in dem er mithilfe einer liebenswert verrĂŒckten Gruppe von AußenseiterInnen der Waffenindustrie den Kampf ansagt



Der Eigenbrötler Bazil (Dany Boon) wuchs als Halbwaise auf, nachdem sein Vater durch eine Landmine in Nordafrika in den 1970-er Jahren ums Leben kam und seine Mutter daraufhin den Verstand verlor. Der vom Schicksal gebeutelte Videothekar tritt eines Tages vor die LadentĂŒr und wird von einer verirrten Pistolenkugel in den Kopf getroffen. Ob die Kugel entfernt werden oder in Bazils Kopf bleiben soll, wobei er jeden Moment tot umfallen könne, entscheiden die Ärzte schließlich durch den Wurf einer MĂŒnze.

Aus der Klinik entlassen, muss Bazil ernĂŒchtert feststellen, dass seine Stelle bereits neu besetzt und seine Wohnung aufgelöst wurde. Nach einigen Tagen des orientierungslosen Umherirrens durch die Straßen Paris` lernt er den SchrotthĂ€ndler Canaille (Jean Pierre Marielle) kennen, der ihn mit an einen ganz besonderen Ort nimmt.

Eine WG der besonderen Art

Er fĂŒhrt Bazil in die Welt von sieben AußenseiterInnen ein, die sich in einer selbstgestalteten Höhle eine eigene Welt bestehend aus aussortierten Gebrauchtwaren aufgebaut haben. Vor dem Hintergrund zusammengebastelten Schrotts symbolisiert die Höhle einen Ort des Zusammenhalts bizarrer, aber liebenswerter Individuen, die sich als Familie zusammengefunden haben. So skurril wie die Charaktere anmuten, verspricht die Handlung vor allem eines: spannend zu bleiben!

Jedes Mitglied der Gruppe hat seine Eigenheiten.

Als selbsternanntes Oberhaupt sorgt die Köchin Cassoulette (Yolande Moreau) fĂŒr den Zusammenhalt der verrĂŒckten Truppe. Calculette (Marie-Julie Baup), eine lebendige Rechenmaschine, die alles vermisst und verrechnet, was ihr unter die Augen kommt, ist ebenso Bestandteil des Teams wie Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier), die sich als Schlangenfrau so verbiegen kann, dass sie ĂŒberall hineinpasst, aber auch Bazil gehörig den Kopf verdreht...um nur einige von ihnen zu nennen.

Von "Toy Story" inspiriert, erschuf der Regisseur Jean-Pierre Jeunet Charaktere, die sich durch ihre jeweiligen Eigenschaften im Kampf gegen die WaffenhÀndler, aber auch in der kollektiven Freundschaft perfekt ergÀnzen.

Bazil wird Teil der Gemeinschaft und lebt sich schnell ein. Eines Tages entdeckt er zufĂ€llig die Firmensitze der beiden Waffenkonzerne, die fĂŒr die Schicksale in seinem Leben verantwortlich sind. In ihm regen sich tiefe RachegefĂŒhle, die das Ziel verfolgen, den WaffenhĂ€ndlern den Garaus zu machen.

David gegen Goliath

Voller Abenteuerlust und Ideenreichtum schließen sich die "kleinen Leute" Bazil an, um den Unternehmern das Handwerk zu legen und sie wortwörtlich mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Durch geschickt eingefĂ€delte Intrigen (auf Französisch = Micmacs) gelingt es ihnen, die Waffenlobbyisten gegeneinander aufzubringen.

Die kuriosen Persönlichkeiten gestatten den ZuschauerInnen die Möglichkeit der freien Fantasieentfaltung, so dass man voller Erwartung auf die nĂ€chsten Aktionen der Bande lauert, sie gerne bei ihren Machenschaften begleitet und sich letztendlich ĂŒber gar nichts mehr wundert.
Regisseur Jean-Pierre Jeunet bietet nach "Die fabelhafte Welt der AmĂ©lie" wieder eine Geschichte, die sich durch ihren außergewöhnlichen Charakter auszeichnet. In seiner neuesten Komödie "Micmacs – Uns gehört Paris!" prĂ€sentiert er surrealistische und Ă€ußerst fantasievolle EindrĂŒcke vor einem ernsthaften Hintergrund.

DarĂŒber hinaus stellte er sich ein ausgezeichnetes SchauspielerInnensemble zusammen, das durch SchauspielerInnengrĂ¶ĂŸen wie Dany Boon, Yolande Moreau oder AndrĂ© Dussolier, aber auch durch SchauspielerInnen glĂ€nzt wie Marie-Julie Baup, die in ihrer Rolle der Calculette zum ersten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen ist.

Der Film feierte im Herbst 2009 auf den Internationalen Filmfestspielen in Toronto seine Premiere.

AVIVA-Tipp: Die eigenartigen zugleich liebenswerten Charaktere bilden in einem bunten und verrĂŒckten Durcheinander das HerzstĂŒck der Komödie, die auf herzliche Art zeigt, wie wichtig Zusammenhalt und Freundschaft sind. Der Regisseur Jean-Pierre Jeunet prĂ€sentiert mit "Micmacs – Uns gehört Paris" erneut einen Film, der anders ist. Doch gerade diese fĂŒr Jeunet typischen originellen Ideen sorgen fĂŒr ein Ă€ußerst unterhaltsames KinovergnĂŒgen.

Zum Regisseur: Jean-Pierre Jeunet wurde 1953 in Roanne geboren. Nach seinem Studium in Nancy drehte er Werbefilme und Videos. Zusammen mit seinem Partner Marc Caro drehte er ab 1978 erste Animationsfilme. Nach mehreren international prĂ€mierten Kurzfilmen gelang Jeunet und Caro 1991 mit ihrem ersten abendfĂŒllenden Spielfilm "Delicatessen" der Durchbruch. Das bildgewaltige DebĂŒt, durchsetzt mit ebenso derbem wie schwarzem Humor, wurde schnell zum Kultfilm. Vier Jahre nach diesem erfolgreichen KinodebĂŒt legten die beiden 1995 mit "Die Stadt der verlorenen Kinder" nach. Das dĂŒstere und innovative MĂ€rchen wurde zu einem weltweiten Erfolg. So drehte der Regisseur 1997 in Hollywood mit "Alien - Die Wiedergeburt" seinen ersten Spielfilm in Alleinregie und sein bisher einziges Auftragswerk. Danach kehrte Jeunet nach Frankreich zurĂŒck und ĂŒberraschte 2001 mit "Die fabelhafte Welt der AmĂ©lie" mit Audrey Tautou in der Hauptrolle erneut die Filmwelt. Der Film gewann internationale Preise, darunter vier CĂ©sars und Jeunet wurde mit dem EuropĂ€ischen Filmpreis als bester Regisseur ausgezeichnet. Drei Jahre spĂ€ter veröffentlichte er den Film "Mathilde - eine große Liebe", der fĂŒnf CĂ©sars gewann.

Micmacs – Uns gehört Paris!
Originaltitel: Micmacs Ă  tire-larigot
Frankreich 2009
104 Minuten
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
DarstellerInnen: Dany Boon, André Dussollier, Nicolas Marie, Jean-Pierre Marielle, Yolande Moreau, Julie Ferrier, Omar Sy, Dominique Pinon, Michel Cremades, Marie-Julie Baup
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 22. Juli 2010

Der Film im Netz: www.micmacs.kinowelt.de

Kultur Beitrag vom 21.07.2010 AVIVA-Redaktion 





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