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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 02.08.2010

Freche M├Ądchen 2 - Ein Film von Ute Wieland
Evelyn Gaida

Das Dumme am Happy End ist oft, dass der Film dann aufh├Ârt. Und was passiert, nachdem sie sich endlich gekriegt haben? In der Fortsetzung sind alle drei "frechen M├Ądchen" nun mit Freund ...



... ausgestattet.

Obwohl der erste Teil (2008) auf der sehr erfolgreichen "Freche M├Ądchen - freche B├╝cher!"-Reihe basiert, kam es f├╝r die MacherInnen doch ├╝berraschend, dass er mehr als eine Million ZuschauerInnen in die Kinos lockte. Zwecks Fortsetzung wurde deshalb, soweit wie m├Âglich, das bereits erprobte Team wieder zusammengeholt. Auch soll es ein weiteres Mal "um den ganz normalen Teenageralltag - Herzflimmern, Liebeswirren und Erwachsenwerden" gehen, f├╝r den im Erstling eine gut funktionierende Balance zwischen kom├Âdiantischer ├ťberzeichnung und Nat├╝rlichkeit gefunden wurde. Diesmal ist die Filmstory keine Adaption der "Freche M├Ądchen"-B├╝cher, sondern umgekehrt erscheint ein neues Buch zum Film. Vielleicht ist das der Grund daf├╝r, dass die Balance in Teil 2 nicht ganz hinhaut.

"Wie f├╝hrt man eigentlich eine Beziehung?" sei in der Fortsetzung jetzt die Frage, sagt Produzent Ulrich Limmer. So wirklich soll und muss ihr in einem Unterhaltungsfilm f├╝r eine Zielgruppe von Acht- bis Zw├Âlfj├Ąhrigen nat├╝rlich nicht nachgegangen werden. Die drei M├Ądchen fahren erstmal zur Chorfreizeit auf die Alm, fern von ihren Liebsten (ausgenommen Tobi). Vorher gibt es jedoch Eifers├╝chteleien, Trennungs├Ąngste und Vertrauensprobleme, die echt wirken und auch ohne das "Engelchen-versus-Teufelchen-Gefl├╝ster" auf Milas Schultern samt Verpuffungseffekt interessant genug gewesen w├Ąren.

Ein St├╝ck Schulzeit mit D├ęja-vu-Charakter wird zu Beginn der Klassenfahrt bei den ZuschauerInnen lebhaft wachgerufen: Das Ausharren vor den ge├Âffneten Gep├Ąckluken des Busses, der Jammer beim Koffertragen, begleitet von p├Ądagogischen Einwirkungen, das Grauen, als der Mathelehrer eintrifft. Dieser erscheint gar in Gestalt seines schauerlichen Prototyps - cholerisch, grotesk, unsensibel, im Heimwerkerchic mit Karohemd, sprich "Rumpelstilzchen", alias Armin Rohde. Demgegen├╝ber Neuzugang Tom Gerhardt als esoterischer Musiklehrer Nickel, Alt-68er mit Z├Âpfchen und gr├Â├čtm├Âgliche Antithese zu Rumpelstilzchen: "Man kann auch zu jungen Leuten ┬┤Bitte┬┤ sagen." "Bitte?"

Die Szenerie kippt allerdings in Richtung Quatsch, als besagtem Nickel der ├╝beroffensichtlich von der Requisiteurin "gepackte" Koffer aufplatzt, unter anderem ein Stofftier herausf├Ąllt und der Gesch├Ądigte sein Malheur in bester Teletubby-Manier mit den Worten "Armes B├Ąrchen. Nicht gut." kommentiert. Ungef├Ąhr so l├Ąuft es leider wiederholt im gesamten Film: Szenen oder Dialoge sind Teenagern anfangs glaubw├╝rdig nachempfunden, originell umgesetzt und nehmen gleichzeitig die Altersgruppe liebevoll auf den Arm. Bedauerlicherweise enden sie oft in der bizarr ├╝berzogenen und erzwungenen Lachnummer, die als Pointenkiller den gegenteiligen Effekt erzielt.

Insgesamt hat der Film das Herz jedoch am rechten Fleck. Vor allem ist ihm zugute zu halten, dass die Protagonistinnen und ihre Jungs nicht zu Stereotypen mutieren, sondern Entwicklungen durchmachen, die f├╝r das Erwachsenwerden tats├Ąchlich wichtig sind. Hanna (Selina Shirin M├╝ller) muss nicht singen wie Christina Aguilera oder irgendein anderes Pop-Sternchen, auch wenn ihr selbsternannter Produzent und Freund (Ben Unterkofler) das von ihr verlangt. Kati (Henriette Nagel) findet einen von ihr angehimmelten Aufrei├čer, der auch noch Model ist, am Ende v├Âllig hohl und Mila (Emilia Sch├╝le) verabschiedet sich langsam von kindischen Eifersuchtsspielchen.

Das "gro├če Gef├╝hlsfinale" tr├Ągt dann allerdings so dick auf, dass die Peinlichkeitstoleranz der ZuschauerInnen auf eine arge Probe gestellt wird. Alles kommt im Lauf der Abschlussfeier in die Reihe und zueinander, was leider gleich auf der B├╝hne demonstriert werden "muss". Gl├╝ckliche Menschen tanzen, bezeugen vor aller Welt ihre gegenseitige Liebe, k├╝ssen sich und springen herum. Das anfangs beschriebene Kippen eben, hier in die gro├če Schmalzoffensive. Ob sich da nicht auch bei der Zielgruppe zum Schluss das Kr├Ąuseln einstellt?

AVIVA-Tipp: Trotz zahlreicher ├╝berfl├╝ssiger Abrutscher ins Quatsch-Gebl├Âdel und zu starke ├ťberzeichnungen eine ├╝berwiegend sympathische und unterhaltsame Teenie-Kom├Âdie mit Schmachtpotential, die in ihren besten Momenten den Wirren, M├╝hsalen und Freuden des Teenagerdaseins auf witzige Weise spontanes Leben einfl├Â├čen kann. Das Ende ist dagegen ein echter Rausschmei├čer mit schmalziger Rutschgefahr.

Zur Regisseurin: Ute Wieland, geboren in Gro├čbottwar (bei Stuttgart), studierte zun├Ąchst Germanistik und Theaterwissenschaften, bevor sie sich an der M├╝nchner Hochschule f├╝r Fernsehen und Film einschrieb. Ihr Kinodeb├╝t IM JAHR DER SCHILDKR├ľTE von 1989 war f├╝r den Bundesfilmpreis nominiert. Danach arbeitete Ute Wieland haupts├Ąchlich an TV-Produktionen, darunter die "Polizeiruf 110"-Folge "Hetzjagd", die Kom├Âdien "Wie angelt man sich seinen Chef?" und "Italiener und andere S├╝├čigkeiten" und der Zweiteiler "Miss Texas". 2006 kehrte Ute Wieland mit der Fu├čballkom├Âdie FC VENUS auf die gro├če Leinwand zur├╝ck. Ihre letzten gro├čen Fernseharbeiten waren Ende 2007 der Lena-Odenthal-"Tatort" mit dem Titel "Fettkiller" und der dreiteilige ZDF-Fernsehfilm "Die Rebellin". Nach dem gro├čen Erfolg von FRECHE M├äDCHEN (2008) ├╝bernahm sie auch f├╝r den zweiten Kinofilm mit den Abenteuern der "Frechen M├Ądchen" Mila, Kati und Hanna die Regie.

Freche M├Ądchen 2
Deutschland 2010
Regie: Ute Wieland
Buch: Maggie Peren
DarstellerInnen: Emilia Sch├╝le, Selina Shirin M├╝ller, Henriette Nagel, Jonathan Beck, Vincent Bruder, Ben Unterkofler, Armin Rohde, Tom Gerhardt u.a.
Verleih: Constantin Film
Laufl├Ąnge: 95 Minuten
Ohne Altersbeschr├Ąnkung
Kinostart: 05. August 2010

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.frechemaedchen2.film.de

www.facebook.com

www.frechemaedchenfrechebuecher.de

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