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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.08.2010

Me too - Wer will schon normal sein - ein Film von Álvaro Pastor und Antonio Naharro
Miriam Hutter

Die Schauspielerin Lola Due├▒as und Pablo Pineda, dessen Rolle seinem eigenen Leben nachempfunden wurde, brillieren in diesem anr├╝hrenden Film zum Thema Down-Syndrom. Nicht umsonst haben die...



...beiden f├╝r ihre Leistung schon diverse Preise erhalten.

Der 34-j├Ąhrige Daniel (Pablo Pineda), der in Madrid lebt, f├╝hrt ein "ganz normales Leben": gerade hat er sein Studium abgeschlossen und seine erste Arbeit gefunden. Er sieht sich Pornos auf dem PC zuhause an und geht mit seinem Bruder regelm├Ą├čig ins Fitnessstudio.
Das Au├čergew├Âhnliche an ihm ist, dass er ein Chromosom zu viel besitzt, er hat Trisomie 21, das sogenannte Down-Syndrom.
Zwar hat Daniel es geschafft mit seinem Universit├Ątsabschluss seine "Normalit├Ąt" unter Beweis zu stellen, nur die Umwelt hat Schwierigkeiten damit, diese als solche zu akzeptieren.
Als besonders problematisch wird dabei sein sexuelles Begehren gesehen, das sich, so dr├╝ckt es der Bruder Daniels aus, nur auf jemanden mit ebenfalls einem Chromosom zuviel richten sollte. Doch Daniel hat sich in die gleichaltrige Laura (Lola Due├▒as) verliebt, die 46 Chromosomen besitzt, also eins "zu wenig". Beide arbeiten in einem staatlichen B├╝ro f├╝r Behinderte. Laura, die ihn zun├Ąchst mit einem Klienten verwechselt, schlie├čt Daniel aber immer mehr in ihr Herz.

Zwei weitere Liebesbeziehungen werden dieser Freundschaft, von Daniel zart in eine romantische Richtung gelenkt, gegen├╝bergestellt:
Zum einen die zwischen Luisa (Lourdes Naharro) und Pedro (Daniel Parejo), die sich in ihrer Tanzgruppe kennen gelernt haben. Zum anderen die Beziehung der Leiterin dieser Gruppe, Reyes (Mar├şa Bravo), mit Daniels Bruder Santi (Antonio Naharro). W├Ąhrend die letzteren beiden ein Kind erwarten und heiraten werden, m├╝ssen Luisa und Pedro fl├╝chten, um zusammen sein zu k├Ânnen. Beide sind "Down-Syndromler" und Luisa hat eine ├╝berbesorgte Mutter, die diese Beziehung unterbinden will.

Daraus ergibt sich eine der sch├Ânsten Sequenzen des Films: die gemeinsame Flucht, mit einer Hochzeitstorte in der Hand, gefolgt von einer Tanz-Jam-Session auf der Stra├če, ist einfach zum Dahinschmelzen.
Ernster wird die Sache, als Daniel und Lola das Paar im Hotel finden: werden sie verraten, oder k├Ânnen sie hier ihre erste Liebesnacht miteinander verbringen? Daniel, als Verbindungsglied zwischen "Normalit├Ąt" und "Behinderung" erm├Âglicht letzteres, allerdings nicht ohne zuvor einen h├Âchst am├╝santen Aufkl├Ąrungsunterricht abzuhalten.
Die Kamera zeigt uns den Anfang der gemeinsam verbrachten Nacht, in dem sie die beiden in einem intimen Close-Up einf├Ąngt, ohne sie jedoch blo├čzustellen. Und ganz klar bekommen die ZuschauerInnen das Gef├╝hl, dass diese beiden zusammen geh├Âren.

So einfach stellt sich dieses Gef├╝hl in Bezug auf die Beziehung zwischen Lola und Daniel dagegen nicht ein. Irgendwie unangenehm ber├╝hrt ist man in den Momenten, in denen Lola mit den romantischen Avancen umzugehen versucht, die Daniel ihr macht. Die Schauspielerin versteht es in ber├╝hrender Weise, den inneren Konflikt durch ihr Minenspiel sichtbar zu machen. Zwar ist sie es, die Daniel an einer Stelle fragt, warum er ├╝berhaupt normal sein m├Âchte, doch die Grenze zwischen Menschen mit oder ohne "Behinderung" scheint vor allem von der "normalen" Seite aus schwieriger ├╝berwindbar zu sein.
Wird es Lola gelingen?
┬ę Movienet


Die St├Ąrke des Films liegt darin, dass er Probleme offen beim Namen nennt. Das ist nicht immer leicht verdaulich, l├Âst andererseits aber h├Ąufig ein befreiendes Lachen auf der ZuschauerInnenseite aus. Der subtile Humor, der sich durch den gesamten Film zieht, verleiht diesem seinen Charme: Es findet sich zwar nicht f├╝r alles eine L├Âsung, aber das gemeinsame Lachen hilft dabei, daran nicht zu verzweifeln.

AVIVA-Tipp: Mit Humor und Einf├╝hlsamkeit werden in "Me Too" die Schwierigkeiten des Protagonisten Daniel dargestellt, der sich mit Down-Syndrom und Universit├Ątsabschluss zwischen zwei Welten bewegt.
Vor allem das durch seine Authentizit├Ąt beeindruckende Schauspiel der beiden HauptdarstellerInnen machen diesen Film so sehenswert.

Zu den Regisseuren: Álvaro Pastor & Antonio Naharro arbeiten seit 14 Jahren zusammen. Pastor wurde 1972 in Madrid geboren und arbeitet als Drehbuchautor und Regisseur für Film, Fernsehen und in der Werbung. Er war Regisseur und Produzent mehrerer Kurzfilme, darunter auch "Invulnerable" ("Unverwundbar", 2005), der mehr als 40 internationale Preise erhielt und in dem Naharro die Hauptrolle spielte.
Naharro wurde 1968 in Albacete geboren. Er machte eine Ausbildung zum Schauspieler und machte ein Diplom an der Madrider Schule f├╝r Gestalttherapie.
Er arbeitete als Schauspieler und Drehbuchautor für Kurzfilme, bevor er zusammen mit Pastor den Kurzfilm "Uno más, uno menos" produzierte und inszenierte, der zahlreiche internationale Preise gewann und der sich ebenfalls mit dem Thema der Behinderung auseinandersetzt.
Bei der Entwicklung der Rolle von Daniel haben sich die Regisseure durch die Geschichte Pablo Piedas inspirieren lassen, der tats├Ąchlich der erste "Down-Syndromler"-Akademiker ist.

Awards

"Me Too", der bereits auf vielen Festivals gefeiert wurde, gewann in San Sebastian die silberne Muschel f├╝r die beste Schauspielerin (Lola Due├▒as, bekannt aus den Filmen von Pedro Almod├│var) und den besten Schauspieler (Pablo Pineda) sowie zweimal den Spanischen Filmpreis Goya 2010 f├╝r die beste Hauptdarstellerin und die beste Musik. Dar├╝ber hinaus lief er im Wettbewerb von Sundance sowie als Er├Âffnungsfilm des Filmfest M├╝nchen. Beim Filmfest Br├╝ssel 2010 wurde "Me Too" mit dem Golden Iris Award ausgezeichnet.

Me Too - Wer will schon normal sein?
Originaltitel: Yo, tambi├ęn
Spanien 2009
103 Minuten
Drehbuch und Regie: Álvaro Pastor, Antonio Naharro
DarstellerInnen: Lola Due├▒as, Pablo Pineda, Antonio und Lourdes Naharro, Isabel Garc├şa Lorca, Daniel Parejo u.a.
Verleih: Movienet Film GmbH
Kinostart: 5. August 2010
www.metoo-derfilm.de

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Ihr Name ist Sabine - Ein Film von Sandrine Bonnaire


Kultur Beitrag vom 03.08.2010 AVIVA-Redaktion 





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