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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.09.2010

Menachem und Fred - Ein Film von Ofra Tevet und Ronit Kertsner. Ab 26. August 2010 auf DVD
Iella Peter

Ein wahres Meisterst├╝ck ist den beiden Regisseurinnen mit diesem bemerkenswerten und zu Herzen gehenden Dokumentarfilm ├╝ber das tragische Schicksal zweier j├╝discher Br├╝der aus dem ├ľrtchen...



...Hoffenheim gelungen.

"Menachem & Fred" ist die Geschichte einer Familie und gleichzeitig zweier Menschen, die ganz unterschiedliche Lebenswege einschlugen, um mit den Traumata ihrer Kindheit fertig zu werden.

Die Br├╝der Menachem und Fred hie├čen fr├╝her Heinz und Manfred Mayer. 1938, zur Reichspogromnacht, wurde die j├╝dische Familie aus ihrem Haus in Hoffenheim vertrieben und 1940 in das Konzentrationslager Gurs in S├╝d-Frankreich deportiert. Die Zust├Ąnde im Lager waren katastrophal und als sich, dank einer j├╝dischen Hilfsorganisation, die M├Âglichkeit bot, die Kinder in einem franz├Âsischen Waisenhaus unterzubringen, entschieden sich die verzweifelten Eltern f├╝r die Trennung von ihren S├Âhnen.

Im Film berichten Menachem und Fred von den letzten Minuten mit ihren Eltern. Der Vater trug Manfred, dem ├älteren, auf, sich um Heinz zu k├╝mmern. Ein Satz, der bei Fred auch heute noch kaum zu ertragene Emotionen hervorholt. Manfred war zu diesem Zeitpunkt zw├Âlf und Heinz neun Jahre alt.

W├Ąhrend der Jahre im Waisenhaus standen die Eltern mit Hilfe des Roten Kreuzes in Briefkontakt mit ihren S├Âhnen. Die Briefe, die im Film auszugsweise von den Br├╝dern vorgelesen werden, zeugen von der verzweifelten Hoffnung der Mutter, ihre S├Âhne vielleicht noch einmal wieder zu sehen. Sie versuchte die Normalit├Ąt aufrecht zu erhalten, fragte nach, ob die Jungen genug Kleidung h├Ątten und sich gut vertragen w├╝rden. F├╝r die ZuschauerIn ist es zutiefst beklemmend, diese Zeugnisse der Liebe und aussichtslosen Hoffnung zu h├Âren. Im August 1941 kam der letzte Brief der Mutter, kurz vor dem Transport nach Auschwitz, wo die Eltern in den Gaskammern starben.

Nach Kriegsende brach der siebzehnj├Ąhrige Manfred sein Versprechen, lie├č seinen j├╝ngeren Bruder Heinz in der Schweiz zur├╝ck und ging nach Amerika, wo er sich in Frederick Raymes umbenannte. Er verbarg seine j├╝dische Identit├Ąt und gr├╝ndete sp├Ąter eine Familie, in der die j├╝dische Religion heute keine Rolle mehr spielt. Heinz dagegen wanderte nach Israel aus und nahm den hebr├Ąischen Namen Menachem an. F├╝r ihn steht der j├╝dische Glaube im Mittelpunkt seines Lebens. Seine Kinder leben als SiedlerInnen in der Westbank, er in Jerusalem.

Zwei v├Âllig verschiedene Lebensentw├╝rfe, um die Traumata der gemeinsamen Kindheit zu verarbeiten und ein neues Leben zu beginnen. Letztlich ist Menachems und Freds Entwicklung eine Auseinandersetzung mit ihren kulturellen und religi├Âsen Wurzeln.

Erst nach sechzig Jahren waren die Br├╝der bereit, sich dem Trauma ihrer Vergangenheit zu stellen. Bei einem Umzug entdeckte Fred die Briefe seiner Eltern aus dem Konzentrationslager und schickte sie seinem Bruder Menachem, mit dem er jahrzehntelang keinen Kontakt mehr gehabt hatte. Im Rahmen der Aufnahmen zu diesem Film sehen sich die beiden das erste Mal wieder und begeben sich gemeinsam auf Spurensuche in Europa.

Die Distanz zwischen Menachem und Fred ist zu Beginn des Films noch sehr sp├╝rbar. Die Regisseurinnen filmen ein Abendessen der beiden. Die Kamera befindet sich vor dem Fenster, die Stimmen der Br├╝der sind nicht zu h├Âren. In einem Voice-Over-Kommentar erl├Ąutert eine der Regisseurinnen ihre Wahrnehmungen. Weil Fred nicht mehr deutsch reden kann, sprechen die Br├╝der englisch. Ein Zustand, der f├╝r Menachem schwer zu ertragen ist und noch mehr Distanz schafft.

So ist er es auch, der mit den Menschen in Hoffenheim ├╝ber die Erinnerungen an die 1930er Jahre spricht. Als er einen Landwirt fragt, ob er etwas dar├╝ber wisse, verneint dieser. Seine Frau schlie├člich wiegelt das Gespr├Ąch barsch ab und behauptet, die Situation der Deutschen w├Ąhrend des Krieges sei mit den Erlebnissen der j├╝dischen Bev├Âlkerung vergleichbar. Sie spricht sich f├╝r einen Schlussstrich aus, f├╝r ein Vergessen.

Einen vollkommen anderen Weg gehen die Geschwister Hopp. Ihr Vater, Emil Hopp, war in den 1930er Jahren angesehenes SA-Mitglied in Hoffenheim und verantwortlich f├╝r die Vertreibung der Familie Mayer im Jahre 1938. Die Geschwister f├╝hlen sich schuldig f├╝r die Verbrechen ihres Vaters und setzen sich aktiv f├╝r eine Bewahrung der Erinnerungen ein. F├╝r die Dreharbeiten zum Film sind sich Menachem und Fred und die Geschwister Hopp wieder begegnet und zur ├ťberraschung, nicht zuletzt ihrer eigenen Familien, Freunde geworden.

AVIVA-Tipp: Dieser beeindruckende Film ist ein Muss! Ofra Tevet und Ronit Kertsner, die beiden Regisseurinnen, n├Ąhern sich ihren Protagonisten auf sehr einf├╝hlsame Weise und offenbaren so das kaum fassbare Schicksal Menachem und Freds.

Menachem & Fred. Wiedersehen in Hoffenheim. Die DVD
Deutschland/Israel 2008
DarstellerInnen: Menachem Mayer, Fred Raymes, Dietmar Hopp
Buch und Regie: Ofra Tevet, Ronit Kertsner
Musik: Zbigniew Preisner
Verleih: FILMLICHTER/Lighthouse Home Entertainment
DVD-Start: 26.08.2010
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Spieldauer: 95 Minuten
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Ohne Altersbeschr├Ąnkung
EAN: 4250128406734

Weitere Infos finden Sie unter: www.menachem-und-fred.de

Lesen Sie auch das Interview mit Regisseurin Ofra Tevet auf AVIVA-Berlin

Kultur Beitrag vom 06.09.2010 AVIVA-Redaktion 





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