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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.03.2011

In einer besseren Welt - der oscarprÀmierte Film von Susanne Bier. Filmstart: 17. MÀrz 2011
Anna Hohle

Wie umgehen mit dem Bösen in der Welt? Kann und darf Rache jemals zur Option werden? Essentielle Fragen um Moral und Schuld stehen im Mittelpunkt dieses Dramas um den Arzt einer internationalen...



... Hilfsorganisation und dessen Familie

Anton (Mikael Persbrandt) pendelt zwischen zwei Welten: In der ersten ist er engagierter Arzt in einem afrikanischen Krisengebiet und versorgt dort tagtĂ€glich mittellose Menschen. Die andere Welt ist seine beschauliche Heimat DĂ€nemark, in die er regelmĂ€ĂŸig reist, um einige Tage mit seiner Frau Marianne (Trine Dyrholm) und seinen beiden Söhnen Elias (Markus Rygaard) und Morton zu verbringen.

Doch die heimatliche Familienidylle bröckelt: Marianne kann Anton einen Seitensprung nicht verzeihen – die wachsende Distanz zwischen den Eheleuten scheint unĂŒberbrĂŒckbar. Der zwölfjĂ€hrige Elias kĂ€mpft derweil mit ganz eigenen Problemen: In der Schule ist der introvertierte Junge ein Außenseiter, der von seinen MitschĂŒlern drangsaliert und gequĂ€lt wird.

Dies Ă€ndert sich, als der gleichaltrige Christian (William JĂžhnk Nielsen) in seine Klasse kommt. Die beiden Jungen freunden sich an und Christian schĂŒtzt Elias vor den Übergriffen. Dass er bei diesen "Selbstverteidigungsmaßnahmen" auch vor eiskalter Gewalt nicht zurĂŒckschreckt, ist zum Teil seiner eigenen Biografie geschuldet: Seit dem Krebstod der Mutter hat sich der Junge eine emotionslose und abgebrĂŒhte Haltung zugelegt.

Wie weit darf der Einzelne gehen, wenn es um die Verteidigung gegen vermeintlich oder tatsÀchlich "böse", gegen amoralische Menschen geht? Bier entwickelt die moralische Essenz des Films anhand zweier paralleler HandlungsstrÀnge an den verschiedenen SchauplÀtzen. Auf beiden Seiten sind die ProtagonistInnen Àhnlichen Konflikten ausgesetzt:

In der Heimat versucht der Pazifist Anton, seinen Söhnen und Christian das Ideal des Gewaltverzichts zu vermitteln. Als er von einem rassistischen AutohÀndler geohrfeigt wird, praktiziert er das biblische Prinzip der "anderen Wange".
Christian reagiert mit UnverstĂ€ndnis und plant Vergeltung nach eigener Vorstellung. Frei nach der Talionsformel "Auge um Auge" will er mit all Jenen abrechnen, die aus seiner Perspektive durch ihre Handlungen Rache provozieren. Vergeblich appelliert Anton an seine Vernunft: "Er schlĂ€gt dich – du schlĂ€gst ihn – das ist Krieg!", versucht er dem verbitterten Jungen begreiflich zu machen.

Doch kann er selbst diese Haltung lĂ€nger vertreten? In Afrika wird Anton eines Tages mit der Person des "Big Man" konfrontiert: ein skrupelloser regionaler Bandenchef, der fĂŒr brutale Morde an Frauen verantwortlich ist. Antons afrikanische KollegInnen weigern sich, diesem "Monster" medizinische Hilfe zukommen zu lassen und der Arzt gerĂ€t in ein moralisches Dilemma. Ist er nicht per hypokratischem Eid verpflichtet, jedes Leben zu retten?

"In einer besseren Welt" behandelt essentielle moralphilosophische Fragen. Welche Mittel sind legitim, um das Leben von SchwĂ€cheren zu schĂŒtzen? Verdienen Vertreter eines "radikalen Bösen" den Tod, wenn dadurch potentielle neue Opfer verhindert werden? Und wo bleibt die eigene moralische IntegritĂ€t, wenn wir zur Verteidigung der Gewaltfreiheit Gewalt praktizieren?

AVIVA-Tipp: Susanne Bier prĂ€sentiert mit diesem Drama eine sensible AnnĂ€herung an ein moralisch komplexes Thema. Die Regisseurin verhandelt bedeutsame Fragen in einem spannungsreichen Plot. Der Zwiespalt der ProtagonistInnen zwischen den eigenen Idealen und der oftmals grausamen Wirklichkeit wird von den SchauspielerInnen ĂŒberzeugend verkörpert.
Leider verzichtet der Film an einigen Stellen dennoch nicht auf Stereotype. ZunĂ€chst stĂ¶ĂŸt das namenlose "afrikanische Land" negativ auf – eine Spezifikation hĂ€tte weniger klischeehaft gewirkt. Die Handlung erweist sich darĂŒber hinaus einige Male als vergleichsweise vorhersehbar – insbesondere die letzten 15 Minuten wĂ€ren in dieser Hinsicht eher einem schlichten Fernsehkrimi und weniger einem oscarprĂ€mierten Spielfilm angemessen. Dennoch bleibt In einer besseren Welt ein wichtiger und tiefgrĂŒndiger Film, der zudem durchweg spannend inszeniert ist.

Zur Regisseurin: Susanne Bier wurde 1960 in Kopenhagen geboren. Sie studierte Angewandte Kunst in Jerusalem, Architektur in London und Regie an der Nationalen Filmschule DĂ€nemark. Mit ihrer Abschlussarbeit, dem Kurzfilm De Saliges Ø gewann sie den ersten Preis des Internationalen Festivals der Filmhochschule MĂŒnchen. Ihr SpielfilmdebĂŒt Freud leaving Home - eine Komödie ĂŒber die Irrungen und Wirrungen eines jĂŒdischen Familienlebens, wurde mehrfach ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit dem Drama Open Hearts – fĂŒr immer und ewig. Dieser Film, sowie das Post-Afghanistan-Drama Brothers – zwischen BrĂŒdern erhielten zahlreiche Preise. Mit Nach der Hochzeit war bereits 2006 ein Film der Regisseurin fĂŒr einen Oscar nominiert. In einer besseren Welt erhielt einen Golden Globe sowie den Oscar in der Kategorie "bester nicht-englischsprachiger Film".
(Quelle: Presseinformation Universum Film GmbH)

In einer besseren Welt
DĂ€nemark 2010
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Susanne Bier und Thomas Anders Jensen
Produktion: Sisse Graum JĂžrgensen
DarstellerInnen: Mikael Persbrandt, Ulrich Thomsen, Trine Dyrholm, Markus Rygaard, William JĂžhnk Nielsen, Bodil JĂžrgensen, Elsbeth Steentoft, Martin Buch, Anette StĂžvlbĂŠk, Kim Bodnia u.a.
Verleih: Universum Film GmbH
LauflÀnge: 113 Minuten
Kinostart: 17. MĂ€rz 2011
FSK: ab 12
www.ineinerbesserenwelt-film.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Things We Lost in the Fire", Spielfilm von Susanne Bier aus dem Jahr 2008

"Nach der Hochzeit", ein Drama von Susanne Bier aus dem Jahr 2007



Kultur Beitrag vom 17.03.2011 AVIVA-Redaktion 





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