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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.07.2011

Toast. Filmstart am 11. August 2011
Marie-Luise Wache

Die Regisseurin SJ Clarkson verfilmte die Biografie des britischen Kochstars und Restaurantkritikers Nigel Slater. Skurril, witzig und dramatisch erz├Ąhlt sie, unter anderem mit Helena Bonham Carter...



... in einer der Hauptrollen, die Kindheit und Jugend Nigels im England der 1960er und 70er Jahre.


Nigel Slater hat in Gro├čbritannien denselben Bekanntheitsgrad und Kultstatus erlangt wie Jamie Oliver. Was in seiner Kindheit passierte und wie er die Leidenschaft zum Kochen entdeckte, schildert er in seiner im Jahr 2006 im Piper Verlag erschienenen Biografie "Halbe Portion - Wie ich lernte die englische K├╝che zu lieben". Diese wurde 2010 zun├Ąchst f├╝r eine TV-Produktion und schlie├člich f├╝r die Kinoleinwand von Regisseurin SJ Clarkson ("Dr. House") in Szene gesetzt.

Schon in den ersten Minuten des Films, in denen der 8-j├Ąhrige Nigel Slater (Oscar Kennedy) tr├Ąumerisch vor K├Ąsekuchen oder frischen W├╝rsten stehend zu sehen ist, wird der Zuschauerin klar, um was es in seinem jungen Leben geht: Essen. Zum Leidwesen Nigels ist seine Mutter (Victoria Hamilton) zwar die liebevollste Mama, die er sich vorstellen kann, nur eben leider eine weniger gute K├Âchin. Ihre "Kochk├╝nste", die sich t├Ąglich in mit salziger Butter bestrichenen Toasts oder Konservendosenmahlzeiten ├Ąu├čern, macht sie jedoch mit dem unersch├╝tterlichen Glauben an die Gesundheit dieser Nahrung sowie der Zuneigung und F├╝rsorglichkeit zu ihrem Sohn wett.
Jeder Versuch des jungen Nigel, seine Eltern kulinarisch in Richtung Salat, K├Ąse oder selbstgebackene Kuchen zu bewegen, scheitert. Aber der Junge liebt seine Mutter, ├╝ber deren Leben frau au├čerhalb der K├╝che leider wenig erf├Ąhrt, er isst ihre wenig abwechslungsreichen Mahlzeiten und studiert nachts heimlich Kochb├╝cher unter der Bettdecke.

Als die Mutter an ihrem Lungenleiden stirbt, stellt der Vater Nigels (Ken Stotter) eine Reinigungskraft ein. Ms. Potter, ├╝berzeugend gespielt von Helena Bonham Carter, wickelt, zus├Ątzlich zu ihren "Putzqualit├Ąten" und zum Entsetzen Nigels, den Witwer mit modernsten Koch- und Backkreationen um den Finger, um durch eine Heirat in die Middle Class aufzusteigen.

Ein erbitterter Kampf um die Aufmerksamkeit und den Respekt des Hausherrn entbrennt. Die Positionen sind klar, die wirkungsvollsten Mittel auch - Gaumenfreuden. Im Alter von 14 Jahren beschlie├čt Nigel Kochen im Haushaltskurs zu lernen, und nicht, wie die anderen Jungs seiner Klasse am Werkunterricht teilzunehmen. Mit den besten Zitronen-Baiser-Tortenkreationen, den saftigsten Porkpies oder den s├╝├česten Teascones wird gewetteifert - bis schlie├člich einer auf der Strecke bleibt und sich das Leben aller Beteiligten ├Ąndert.

Toast ist ein bis ins kleinste Detail durchdachter Film, der mit einer hervorragenden Besetzung gl├Ąnzt. Drehbuchautor Lee Hall schrieb, ├Ąhnlich wie in seinem bekanntesten Film Billy Elliot, eine starke, in der Unter- und Mittelklasse verankerte, typisch britsische Geschichte. Witzige Dialoge, ernsthafte Gr├╝beleien, kindliche Neugier, aber auch die Verarbeitung des Verlusts der Mutter und den Kampf um den Respekt des Vaters vereint der Autor so geschickt, dass eine magische aber authentische Geschichte entsteht. Zu diesem stetig mitschwingenden Zauber hat die Regisseurin SJ Clarkson mit einer an "Die fabelhafte Welt der Am├ęlie"-erinnernden Filmmusik, bunten Bildausschnitten, schr├Ągen Kameraeinstellungen und sehr gutem Cast einen gro├čen Teil beigetragen.

Helena Bonham Carter ├╝berzeugt in der Rolle eines etwas schrillen, leicht verr├╝ckten aber wenig sympathischen "Haushaltsmonsters", das kein Staubkorn unangetastet lassen kann. Die Rolle des Teenagers Nigel Slater wurde durch Freddie Highmore mit einem talentierten Jungschauspieler, bekannt geworden durch Tim Burtons "Charlie und die Schokoladenfabrik", besetzt.

AVIVA-Tipp: "Toast" r├╝ckt als ehrlicher, schriller und magischer Film weniger die Kochk├╝nste des Nigel Slaters in den Vordergrund, als vielmehr die in der Kindheit verwurzelten Motive seiner Kochleidenschaft. Dabei geht es zwar auch ums Essen, aber vor allem um das Duell mit der Schwiegermutter und die Erziehung in einem kleinb├╝rgerlichen, englischen Ort in den 1960er Jahren - verpackt als leichte Kost.

Zur Regisseurin: In den vergangenen Jahren arbeitete SJ Clarkson auf beiden Seiten des Atlantiks an einigen der bekanntesten TV-Shows mit. Sie war Co-Autorin der erfolgreichen BBC-Serie Mistresses, bei deren Er├Âffnungsfolge sie auch Regie f├╝hrte und wovon es inzwischen auch eine US-amerikanische Version gibt. 2008 drehte sie f├╝r Carnival/IT die dreiteilige Folge Whitechapel (Jack the Ripper ist nicht zu fassen) mit Rupert Penry-Jones und Phil Daniels. Die Miniserie hat die Aufkl├Ąrung von Serienmorden, ver├╝bt von einem Nachahmungst├Ąter von Jack the Ripper, zum Thema und erreichte au├čergew├Âhnlich hohe Zuschauerquoten. 2009 f├╝hrte Clarkson Regie bei Dexter, der von der Kritik gefeierten US-Serie ├╝ber das Doppelleben eines Gerichtspathologen/Serienm├Ârders, sowie zwei Folgen der beliebten NBC-Serie Heroes. Nach Toast kehrte SJ Clarkson in die Vereinigten Staaten zur├╝ck, um einige Episoden der Arzt-Serie Dr. House zu drehen. (Quelle: MFA+ Film )

Toast
Basierend auf der Autobiografie von Nigel Slater
Regie: SJ Clarkson
Drehbuch: Lee Hall (Billy Elliot)
DarstellerInnen: Helena Bonham Carter, Ken Stott, Victoria Hamilton und Freddie Highmore
Verleih: MFA+ Film
L├Ąnge: ca. 100 Minuten
Kinostart: 11. August 2011

www.mfa-film.de

Kultur Beitrag vom 26.07.2011 AVIVA-Redaktion 





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