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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.03.2012

Fliegende Fische m├╝ssen ins Meer. Ein Film von G├╝zin Kar. Ab 23. M├Ąrz 2012 gibt es den Gewinner des Max-Oph├╝ls-Preises 2011 auf DVD
Marie-Luise Wache

Die dreifache Mutter Roberta, gespielt von Meret Becker, scheint ihren jugendlichen Eifer nicht nur in Sachen M├Ąnnern nie verloren zu haben, hingegen wirkt ihre 15-j├Ąhrige Tochter Nana schon...



... allzu erwachsen. Ein skurriler Rollentausch in einer Mutter-Kind-Beziehung, der das Chaos vorprogrammiert.

Roberta (Meret Becker) st├╝rzt sich immer wieder in neue Liebesabenteuer von kurzer Dauer, die weder f├╝r sie noch f├╝r ihre Kinder gut sind. Die jeweiligen Herren lernt sie bevorzugt w├Ąhrend ihrer Arbeit auf einem Ausflugsdampfer kennen, der den Grenzfluss zwischen Schweiz und Deutschland bef├Ąhrt. Roberta vertraut in die Versprechen der M├Ąnner, mit ihr und ihren Kindern die gro├če, weite Welt zu bereisen, wird aber immer wieder entt├Ąuscht. Da sich ihre Mutter in Zukunftstr├Ąumen verliert, muss die ├Ąlteste Tochter, die 15-j├Ąhrige Nana (Elisa Schlott) f├╝r die Familie sorgen. T├Ąglich arbeitet sie als Schleusenw├Ąrtin beim Wasserkraftwerk, erledigt die Eink├Ąufe und bringt ihre Geschwister ins Bett.

Als sich das Jugendamt bei Roberta meldet und droht, die Kinder ins Heim zu geben, falls sie ihre Rolle als dreifache Mutter nicht ernster nimmt, verspricht sie Besserung. Da sich die Kinder darauf nicht verlassen wollen, begeben sich Nana und ihre Geschwister erst mal auf die Suche nach einem geeigneten Mann und eventuellem Familienvater. Doch dann verliebt sich die 15-J├Ąhrige selbst in einen der Anw├Ąrter, den jungen und attraktiven Arzt des Dorfes (Barnaby Metschurat).

Als Kulisse f├╝r die tragik-komische Familiengeschichte dient ein Grenzdorf zwischen Deutschland und der Schweiz. Umgeben ist das provinziale St├Ądtchen von Wiesen aus sattem Gr├╝n, die vielleicht die seltenen TouristInnen zu Begeisterungsspr├╝ngen r├╝hren, jedoch nicht Roberta und ihre Familie. Die kleine Gemeinde ist genau so, wie frau sich einen Ort am Ende der Welt vorstellt. Die BewohnerInnen leben nach konservativen Wertvorstellungen, Hausfrauen und Verk├Ąuferinnen treffen sich einmal w├Âchentlich zum Singen im Chor, es gibt genau eine Fleischerei, einen Supermarkt und vor allem viel zu wenig Abwechslung.

Nicht nur durch ihre Arbeit und Lebensweise sticht so die Eigenbr├Âtlerin Roberta aus ihrem Umfeld heraus, sondern auch optisch. Die Regisseurin G├╝zin Kar inszeniert ihre Hauptperson in knallig-bunten, kurzen Kleidern und die Wohnung der Familie als einen wilden Mix aus M├Âbeln und Mustern, die so den Patchwork-Charakter verdeutlichen. Aber auch Nana, im Gegensatz zu ihrer Mutter schlicht gekleidet, lebt in einer bunten Welt. Ihre Tagtr├Ąume, die als ironische Zwischenepisoden im Film auftauchen, handeln phantasievoll und mit satten Farben von ihren Vorstellungen eines b├╝rgerlicheren Familienlebens.

"(Ich wollte) einen bunten, farbenfrohen Film machen, der Nanas Perspektive diente, die trotz aller Alltagssorgen eine kindlich-verspielte ist." so die Regisseurin im Interview mit der betreuenden Presseagentur "Cinemaids".
Die Farbenpracht und die witzigen, filmischen Einsch├╝be dienen au├čerdem dazu, "Fliegende Fische m├╝ssen ins Meer" von einem Drama in eine tragische Kom├Âdie umzulenken. So wird zwar die Situation einer alleinerziehenden Mutter detailliert behandelt, Spa├č und Charme allerdings nicht au├čen vor gelassen.

Meret Becker verk├Ârpert Roberta als lebenslustige, etwas durchgeknallte Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Verlangen, auszubrechen und Verantwortung f├╝r ihre Kinder zu ├╝bernehmen. Dem herausragenden Spiel Beckers ist es zu verdanken, dass die Figur nicht ins L├Ącherliche abf├Ąllt, wenn sie im kurzen Minirock und rot-gepunkteten, viel zu hohen Pumps Songs wie Madonnas "Like a Virgin" f├╝r die TouristInnen und Bankkaufm├Ąnner auf dem Ausflugsdampfer dahinhaucht.
Elisa Schlott als Nana, deckt mit ihrem Spiel mehrere weibliche Facetten so ├╝berzeugend ab, dass frau ihr die hart arbeitende Schleusenw├Ąrterin, die f├╝rsorgliche "Mutter" oder auch die verf├╝hrerische Diva, die sie verk├Ârpert, belustigt und fasziniert zugleich abnimmt. 2010 war die talentierte Jungschauspielerin bereits in einer deutschen Kinoproduktion zu sehen: An der Seite von Bruno Ganz und Corinna Harfouch spielte sie die Rolle der Jessica in "Giulias Verschwinden".

Zur Regisseurin: G├╝zin Kar wurde 1971 in der T├╝rkei geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Nach dem Gymnasium in Basel begann sie in Z├╝rich ein Germanistikstudium und arbeitete zwischenzeitlich als Jugendarbeiterin, Deutschlehrerin f├╝r Hausfrauen und Manager sowie als Frisurenmodell. Von 1994 bis 1999 studierte sie an der Ludwigsburger Filmakademie mit Schwerpunkt Drehbuch. Seit ├╝ber zehn Jahren macht sie Filme, schreibt Kolumnen und B├╝cher, die zu Bestsellern wurden. Zu ihren Werken geh├Ârt unter anderem das Drehbuch zu "Die wilden H├╝hner" nach dem gleichnamigen Kinderroman von Cornelia Funke. Zurzeit lebt G├╝zin Kar in Z├╝rich.

AVIVA-Tipp: Ein Film, der die ZuschauerInnen ├Ąhnlich wie ein M├Ąrchen in seinen Bann zieht. Mit viel Witz und Farbe behandelt die Regisseurin die T├╝cken der ersten Liebe und die Schwierigkeiten des Lebens in der Provinz sowohl f├╝r pubertierende Erwachsene als auch f├╝r "erfahrenere" Teenager.


Fliegende Fische m├╝ssen ins Meer
Schweiz/Deutschland 2011
Drehbuch und Regie: G├╝zin Kar
DarstellerInnen: Meret Becker, Elisa Schlott, Barnaby Metschurat, Hans-Peter M├╝ller-Drossaart
Label: Movienet Film GmbH
Filml├Ąnge: ca. 86 Min
Sprachen Deutsch Untertitel: keine
Extras: Trailer
V├ľ 23. M├Ąrz 2012 (V├ľ Rental: 9. M├Ąrz 2012)
FSK ab 0 Jahren
Bestellnummer 28408387 EAN 4250128408387
Vertrieb Lighthouse Home Entertainment

www.movienetfilm.de


(Quelle: Cinemaids)

Kultur Beitrag vom 25.03.2012 AVIVA-Redaktion 





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