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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 10.02.2011

Das Lied in mir - Eine Frau sucht nach der Wahrheit
Yasmine Georges

Es geht um Liebe, Familie, Tod und historische Tatsachen, aber auch um Verrat, Schuld und IdentitÀtssuche: Florian Cossens erster Spielfilm spielt mit Genre-Grenzen und Themenvielfalt. Vor allem...



...die ĂŒberzeugenden DarstellerInnen machen Cossens Film trotz einiger Unstimmigkeiten zu einem beklemmenden Kinoerlebnis.

Wie von Ferne erklingen die Töne des Kinderliedes. Die beruhigende Stimme der Frau ĂŒbt eine beinah hypnotische Anziehungskraft auf Maria (Jessica Schwarz) aus. UnwillkĂŒrlich stimmt sie in den Gesang ein, und obwohl sie kein Wort Spanisch spricht, scheinen Maria Melodie und Text des Kinderliedes wie von selbst wieder einzufallen. Verstört und verwirrt zugleich begibt sich die Protagonistin auf eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Zwischen altem und neuem Leben

Maria Falkenmeyer fĂŒhrt ein behĂŒtetes Leben in Deutschland. Das tĂ€gliche Schwimmtraining und die Besuche bei ihrem Vater bestimmen den Alltag der 31-JĂ€hrigen. Als Maria zu einem Schwimmwettkampf in SĂŁo Paulo aufbricht und auf dem Flughafen in Argentiniens Hauptstadt umsteigt, beginnt ihre Welt auseinander zu brechen. Sie beschließt zu bleiben und nachzuforschen, bis sie auf ein lange gehĂŒtetes Familiengeheimnis stĂ¶ĂŸt.

Jessica Schwarz brilliert in diesem Film als Protagonistin Maria. Der Schauspielerin gelingt es, dem recht unscheinbaren und alltĂ€glichen Charakter eine vollkommen neue Seite zu geben, die sich den ZuschauerInnen erst im Laufe des Films erschließt. Sie verliert ihren Pass, lĂ€sst sich auf eine AffĂ€re mit einem Polizisten ein und löst sich schließlich von ihrem Vater Anton (Michael Gwisdek). Auch dessen Leben verĂ€ndert sich nach Marias Entdeckung. Die zunehmenden Fragen, die immer tiefer werdende Kluft zwischen Vater und Tochter und der Vertrauensbruch, den Letztere erfĂ€hrt, spielen Schwarz und Gwisdek mit ungebrochener IntensitĂ€t.

Ein Thriller, oder doch ein Drama?

Die Spannung bleibt dabei trotz raffinierter Dialoge und den großartigen Leistungen des gesamten Casts auf der Strecke. Nach der anfĂ€nglichen Fragerunde klĂ€ren sich die UmstĂ€nde von Marias Vergangenheit zu schnell und vor allem zu einfach auf. Die nĂ€chsten Schritte der Hauptfiguren ebenso wie HandlungsstrĂ€nge sind vorhersehbar, - Florian Cossens SpielfilmdebĂŒt fehlt es an OriginalitĂ€t, zu sehr hĂ€lt sich der Regisseur an seinem Plot fest und lĂ€sst keinen Raum fĂŒr Phantasie. Aus dem anfĂ€nglichen Thriller wird innerhalb der ersten halben Stunde ein Familiendrama. Diese abrupte Wendung nimmt dem Film viel von seiner StĂ€rke, wird aber im weiteren Verlauf ĂŒberraschend zu seinem Retter.

Der Drama-Teil des Films stellt nicht die Suche in den Mittelpunkt, sonder viel eher den Umgang mit dem Gefundenen, und schafft dadurch einen völlig neuen Ansatz, der "Das Lied In Mir" zum anrĂŒhrenden Selbstfindungstrip werden lĂ€sst. Wie geht es weiter, wenn das eigene Leben zur LĂŒge wird? Gibt es ĂŒberhaupt einen Weg zurĂŒck? Die Fragen, die der Film aufwirft, bleiben haften.

Die zweite Protagonistin

Neben der zunehmenden Verflechtung im Dickicht der Beziehungen, lebt "Das Lied In Mir" vom Charisma seines Schauplatzes. Der Film wurde fast ausschließlich in Buenos Aires gedreht. Florian Cossen fĂ€ngt die Hauptstadt von Innen heraus ein, zeigt heruntergekommene Straßenecken und korrupte PolizistInnen und vergisst dabei nicht, die Schönheit des SĂŒdens einzufangen. Regietechnisch besonders beeindruckend ist der wasserĂ€hnliche Schleier, der aus Reflektion und Sonnenlicht auf den DĂ€chern der Stadt entsteht, und zu Anfang des Films wie ein Flimmern ĂŒber die Leinwand lĂ€uft. Die wellenartigen Bewegungen dieser unsichtbaren Schicht lassen Marias Reise in die Vergangenheit erahnen - ein sehr metaphorischer Ausblick auf das Kommende, der seine Wirkung nicht verfehlt.

"Das Lied In Mir" wurde bereits bei seiner Weltpremiere in MontrĂ©al zweifach ausgezeichnet. "Das Lied In Mir" lief danach auf mehreren Festivals, darunter das "Filmfestival ZĂŒrich" und die "Internationalen Hofer Filmtage", und wurde mehrfach prĂ€miert.

AVIVA-Tipp: Es wĂ€re besser gewesen, sich fĂŒr ein Genre zu entscheiden, statt eine halbgare Wahrheitssuche ĂŒbereilt zu einem Familiendrama umzumodeln. Trotz dieses Mankos ist "Das Lied In Mir" sehenswert. Mit ihren nachdenklichen Bildern und gehaltvollen Dialogen entschĂ€digt die zweite HĂ€lfte des Films fĂŒr den komprimierten Anfang.

Das Lied in mir
Deutschland/Argentinien 2010
Regie: Florian Cossen
Buch: Elena von Saucken und Florian Cossen
DarstellerInnen: Jessica Schwarz, Michael Gwisdek, Rafael Ferro, Beatriz Spelzini, Carlos Portaluppi u.a.
Verleih: Schwarz-Weiss-Filmverleih
LauflÀnge: 95 Minuten
Kinostart: 10. Februar 2011
FSK: freigegeben ab 12 Jahren

Weitere Infos zum Film finden Sie unter:

www.dasliedinmir.de

Weitersehen auf AVIVA-Berlin:

"Nichts als Gespenster" Jessica Schwarz in einem Film ĂŒber die Suche nach Liebe und das Sich-Selbst-Finden


Kultur Beitrag vom 10.02.2011 AVIVA-Redaktion 





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