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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.03.2009

Sand und TrÀnen. Eine Dokumentation von Paul Freedman
Britta Leudolph

In Darfur werden seit Jahren Menschen systematisch ermordet, vergewaltigt und vertrieben. Dieser Völkermord ist weltweit bekannt, und doch werden die Opfer mit ihrem Schicksal allein gelassen.



Darfur – das ist eine fast vergessene Region im Westen des Sudans, etwa anderthalb mal so groß wie Deutschland. Die Lebensbedingungen sind hier seit jeher hart, besonders der Norden Darfurs ist geprĂ€gt von hĂ€ufigen DĂŒrreperioden und einer menschenfeindlichen Umwelt, in der kaum etwas wĂ€chst.

Seit Jahrhunderten siedeln hier zwei Volksgruppen: Zum einen arabische StÀmme, die unter dem Namen Baggara zusammengefasst werden und traditionell als Nomaden von der Viehzucht leben. Zum anderen die afrikanische StÀmme Fur, Masalit und Zaghawa, die Ackerbau betreiben. Ethnisch unterscheiden sich diese beiden VolksstÀmme kaum, es geht hier eher um sozial konstruierte IdentitÀten: Alle haben die gleiche Hautfarbe, alle sind MuslimInnen, fast alle sprechen arabisch. Der Unterschied ist, ob Arabisch die Muttersprache ist, oder die Zweitsprache.

Die GrĂŒnde fĂŒr den Ausbruch des Darfur-Konfliktes 2003 sind vielfĂ€ltig. Durch eine stetig wachsende Bevölkerung und mehrere DĂŒrreperioden verknappten sich die natĂŒrlichen Ressourcen Wasser und fruchtbares Land seit den 1980er Jahren. Die Menschen in Darfur wurden von der Regierung in Karthum weitestgehend ignoriert, es gibt weder eine funktionierende Infrastruktur noch entwicklungspolitische Maßnahmen. Gegen diese Marginalisierung rebellierten die afrikanischen StĂ€mme Darfurs, indem sie staatliche Einrichtungen angriffen. Daraufhin wurden arabische Milizen aus der Region, die Dschandschawid, von der Regierung mit Waffen ausgerĂŒstet. Der Terror gegen die afrikanisch-stĂ€mmige Zivilbevölkerung begann. 2004 erklĂ€rten die Vereinten Nationen die Darfur-Krise zur "schlimmsten humanitĂ€ren Katastrophe der Welt". Es wird davon ausgegangen, dass bis heute ĂŒber 400.000 Menschen ermordet wurden oder infolge des Konfliktes verhungerten, ĂŒber 2,5 Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben.

Der Dokumentarfilm "Sand und TrĂ€nen" klagt vor allem die Ignoranz der Weltgemeinschaft an. WĂ€hrend westliche Regierungen Staaten wie China oder Russland gern an die Einhaltung der Menschenrechte erinnern, sind ihnen die Menschen in Darfur offensichtlich egal. Sie sind in FlĂŒchtlingslagern untergebracht und werden dort von Hilfsorganisationen mit dem Nötigsten versorgt. Sie haben das Recht zu ĂŒberleben, mehr nicht. Die FlĂŒchtlinge können die Lager nur unter Gefahr fĂŒr Leib und Leben verlassen: MĂ€nner werden sofort ermordet. Deshalb mĂŒssen die Frauen los, um Holz zu sammeln, ihnen droht die Vergewaltigung, die die Milizen systematisch als Terrorwaffe einsetzen. FĂŒr die Frauen ist dies besonders grausam: Der Sudan gehört weltweit zu den LĂ€ndern mit der höchsten Rate an weiblicher GenitalverstĂŒmmelung, der so genannten Beschneidung. Zudem wird eine vergewaltigte Frau von der Familie als Schande angesehen und verstoßen. Aus diesem Grund werden Vergewaltigungen von den Frauen hĂ€ufig verschwiegen.

Nach dem Holocaust, den Genoziden in Kambodscha, Ruanda und Bosnien hieß es weltweit einhellig: "Nie wieder". Doch die Welt schaut erneut weg, obwohl das Ausmaß des Völkermordes im Sudan allen bekannt ist.

Paul Freedman lĂ€sst in seiner Dokumentation die Opfer in den FlĂŒchtlingslagern ihre verzweifelte Lage schildern. AktivistInnen und Sudan-WissenschaftlerInnen, der "New York Times"-Journalist Nick Kristof und der Friedens-NobelpreistrĂ€ger Elie Wiesel sowie der U.S. PrĂ€sident Barack Obama sprechen ĂŒber ihr Engagement fĂŒr die Menschen in Darfur. "Sand und TrĂ€nen" wurde von Hollywood-Star und UNO-Sonderbotschafter George Clooney erzĂ€hlt und produziert.

AVIVA-Tipp: "Sand und TrĂ€nen" ist ein verstörendes Zeugnis menschlicher Grausamkeit: Der Grausamkeit derer, die Menschen aufgrund ihrer Abstammung systematisch ermorden, vertreiben und vergewaltigen, aber auch der Grausamkeit derer, die von all dem wissen und wegschauen. Hier offenbart sich der Zynismus der westlichen Wertegemeinschaft: Der Sudan ist weder eine Bedrohung noch gibt es hier wirtschaftlich interessante Ressourcen, fĂŒr die ein Eingreifen lohnen wĂŒrde. Die Dokumentation zwingt die ZuschauerInnen, sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und gibt Anregungen, wie man sich fĂŒr die Opfer des Völkermordes im Sudan stark machen kann.

Weitere Infos:
www.sandandsorrow.org
www.savedarfur.org

Sand und TrÀnen
OT: Sand und Sorrow
USA, 2007, ca. 94 Minuten
Regie und Drehbuch: Paul Freedman
Kamera: Alexandre Naufel
ProduzentInnen: George Clooney, Michael Mendelsohn, Paul Freedman, Brad Kaplan, Natalie Lum Freedman
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16 : 9, 1 : 1,85
FSK: ab 12 Jahren
DVD-Erscheinungstermin: 20.02.2009
16,99 Euro

Kultur Beitrag vom 03.03.2009 Britta Leudolph 





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