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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.09.2009

24 h Berlin - Ein Tag im Leben
Tatjana Zilg

Am 5. September 09 stehen die Menschen, die der Hauptstadt täglich ihr einzigartiges Gesicht geben, auf den öffentlichen Leinwänden im Mittelpunkt. Arte, RBB, Zero One Film und das Medienboard ...



... Berlin-Brandenburg pr√§sentieren einen 24 st√ľndigen Dokumentarfilm, der durch pr√§zise Regie, sorgsamen Schnitt und einer Gro√üzahl an ProtagonistInnen zu einer facettenreichen Liebeserkl√§rung an das Berlin der Gegenwart wurde.

Das RBB wirft von samstags sechs Uhr bis sonntags sechs Uhr fr√ľh seinen gesamten TV-Programmverlauf √ľber Bord und zeigt die Dokumentation ohne Unterbrechung. Alle regelm√§√üigen Sendungen (bis auf die Abendschau, die f√ľr die BerlinerInnen auf MDR zu sehen ist und f√ľr die BrandenburgerInnen auf RBB,) fallen daf√ľr aus. ARTE sendet neben der deutschen Fassung zeitgleich die franz√∂sische Fassung auf den entsprechenden Frequenzen. Um an diesem Ereignis teilzuhaben, muss aber niemand das Wochenende zu Hause verbringen. Im Technikmuseum findet bei freien Eintritt eine √∂ffentliche √úbertragung statt, die durch Diskussionsrunden, Lesungen und der Ausstellung "70 Jahre Fernsehgeschichte - von der R√∂hre zum HD Chip" zum vielseitigen Hauptereignis des Tages wird. Dar√ľber hinaus gibt es mehr als drei√üig weitere Public Viewings an den unterschiedlichsten Orten Berlins, so dass die StadtbewohnerInnen den Alltag in der eigenen Stadt als geselliges Leinwand-Ereignis genie√üen k√∂nnen. Besonders empfehlenswert sind das Screening w√§hrend der "Sch√∂nen Party" in der Kalkscheune, an der auch MacherInnen, RegisseurInnen und ProtagonistInnen teilnehmen, oder der pure Open-Air-Genuss im Sony Center am Potsdamer Platz, wo sonst meist Sportereignisse auf den √ľberdimensionalen Leinw√§nden gezeigt werden.

Vor drei Jahren wurde die Idee zu dem multimedialen Experiment "24h Berlin" von den Zero One Film-K√∂pfen Volker Heise und Thomas Kufus ins Leben gerufen. Sie √ľberzeugten den RBB, ARTE und das Medienboard Berlin-Brandenburg, als Partner in die Produktion einzusteigen. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung und Recherche waren 20 Haupt- und 50 NebenprotagonistInnen aus gew√§hlt. 80 Teams mit einem Stab von insgesamt rund 400 Personen waren am 5. September 2008 unterwegs, um die ProtagonistInnen bei ihrem Alltag zu filmen. Anschlie√üend wurde das Material elf Monate lang in vier rund um die Uhr besetzten Schneider√§umen geschnitten und die Ausstrahlung und die begleitenden Events f√ľr den 5. September 2009 geplant.

Daf√ľr, dass eine Vielzahl von RegisseurInnen, CutterInnen, CasterInnen und SprecherInnen am Prozess beteiligt war, kommt die Dokumentation von der k√ľnstlerischen Handschrift √ľberraschend linear her√ľber.
Inhaltlich gibt es viele √ľberraschende Wendungen, detaillierte Beobachtungen und Einblicke in Orte, √ľber die frau sonst m√∂glicherweise nie etwas erfahren h√§tte. Die Kontraste sind dabei hoch: Viele der ProtagonistInnen sind im ArbeiterInnen-Milieu angesiedelt oder in der erfolgreichen Kreativ-/Kultur-Szene, das Mittelfeld wurde leider etwas vernachl√§ssigt.

Bei den Begleitungen im Berufsalltag ist der Blick √ľber die Schultern der MetaDesign-Gesch√§ftsf√ľhrerin Uli Mayer-Johannssen oder des France 2-Deutschland-Korrespondenten Jerome Bony besonders reizvoll. In einer anderen Weise spannend ist es, mit einer U-Bahn-Fahrerin in der vordersten Kabine zu sitzen oder die zwanzigj√§hrige Noriko Ihlow beim Weg zur Arbeit in einer Fabrik zu verfolgen. Andere ProtagonistInnen k√§mpfen mit Einschr√§nkungen durch die Arbeitslosigkeit wie Jacqueline Assmann, Mitte vierzig, die versucht, sich in der U-Bahn mit ihrer Dichtkunst etwas dazuzuverdienen, oder die Mutter von sechs Kindern Marina Schneider. Auch in die Welt der Medizin dringen einige Kameras ein. Ein Patient wartet in der Charit√© auf eine Herzoperation, eine Frau sucht in der Notaufnahme Hilfe wegen starker Magenkr√§mpfe, an anderer Stelle wird die Geburt eines Kindes gezeigt. Abends prallen die vielf√§ltigen Freizeitm√∂glichkeiten der Stadt aufeinander: Das franz√∂sische Ehepaar l√§dt G√§ste zu sich in die Wohnung am Hackeschen Markt ein, eine Rentnerin bleibt allein zu Hause und liest ein gutes Buch, eine t√ľrkische Clique zieht durch die Stra√üen, die Drag Queen Gloria Viagra veranstaltet eine Queer-Scene-Party und ein DJ legt im Berghain auf.

"Das war der eigentliche Balanceakt: N√§he und Totale, der einzelne Mensch und die Stadt" sagt Volker Heise im Interview auf der Website von ARTE. Eindeutig liegt der Schwerpunkt mehr auf der N√§he zu den Menschen. Eine Metaperspektive wird durch st√ľndliche Zusammenfassungen der Schlagzeilen des 5. September 2008 erreicht und durch statistische Zahlen, die erstaunen und eine √ľbergeordnete Struktur herstellen.

Vermutlich wird sich kaum jemand die Zeit nehmen k√∂nnen, die gesamten 24 Stunden am Wochenende anzuschauen, auch wenn ein gro√üer Reiz darin liegt, mehr √ľber die jeweiligen ProtagonistInnen zu erfahren und ihnen w√§hrend der 1.440 Minuten immer wieder zu begegnen.
Dies kann aber nachgeholt werden. Der RBB wiederholt die Dokumentation unmittelbar nach ihrer Erstausstrahlung in sechs vierst√ľndigen Teilen im Mitternachtsprogramm. Auch √ľber eine Integration zu einem fr√ľheren Programmzeitpunkt wird bereits nachgedacht.

Mehr Infos im Netz: www.24hberlin.tv/de/events/hauptevent

Live-Stream im Netz am 5. September 2009 auf den Websites von ARTE und des RBB

Wiederholungen im RBB-Fernsehen:

Sonntag, 06.09.2009, ab 23.30 Uhr
Montag, 07.09.2009, ab 0.05 Uhr
Dienstag, 08.09.2009, ab 0.30 Uhr
Mittwoch, 09.09.2009, ab 0.05 Uhr
Donnerstag, 10.09.2009, ab 0.50 Uhr
Freitag, 11.09.2009, ab 0.00 Uhr

Kultur Beitrag vom 05.09.2009 AVIVA-Redaktion 





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