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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.12.2009

Dinosaurier
Tatjana Zilg

Der demographische Wandel ist ein allgegenw├Ąrtiges Thema in den Schlagzeilen. Kult-Regisseur Leander Hau├čmann nahm die Herausforderung an und filmte eine provokativ-temporeiche, schnittig-witzige...



... sowie philosophisch-nachdenkliche Kom├Âdie ├╝ber T├╝cken und Freuden im dritten Fr├╝hling w├Ąhrend krisengesch├╝ttelter Zeiten.

Dritter Fr├╝hling oder Herbst des Lebens?

Wenn der Blick durch die Medien streift, verhei├čen einerseits grauhaarige, agile Menschen die Kunde von einem Leben jenseits der 60, indem jede(r) endlich alle Zeit der Welt f├╝r sich hat und alles tun kann, was er/sie immer schon wollte. Anderseits gibt es Berichte ├╝ber Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson, Altersarmut und erschreckende Missst├Ąnde in den Pflegeheimen. Klar, dass niemand sich gerne unter der Obhut von st├Ąndig wechselnden Personal und in platzarmen R├Ąumen wiederfinden m├Âchte. Vorbei ist es dann auch oft mit der Selbstbestimmung, der Alltag ist streng geregelt und die PflegerInnen passen auf, dass keine(r) aus der Reihe tanzt.

Mit Power aus dem Pflegebett und hinein ins turbulente Bonnie And Clyde - Leben

Im Mittelpunkt der Kom├Âdie "Dinosaurier" von Leander Hau├čmann steht die pensionierte Lehrerin Lena Braake (Eva-Marie Hagen), die ein zauberhaftes H├Ąuschen bewohnt und der Ex-Banker Johann (Ezard Hau├čmann), der von seinem Sohn ins Pflegeheim entsendet wurde. Wie schnell sich die Grenzen verschieben k├Ânnen, muss Lena innerhalb k├╝rzester Zeit erfahren. Anstelle der ersehnten Reiseschecks endet der Besuch bei der Bank ihres Vertrauens damit, dass sie sich von ihrem Berater Tobias Hartmann (Daniel Br├╝hl) zu Anlagespielen ├╝berreden lie├č, die sie geradlinig in den Ruin f├╝hren.

Das Haus ist weg und Lena nun Zimmernachbarin von Johann. Dieser verliebt sich unsterblich in sie und tut alles, um Lenas Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dabei sind sie wie Yin und Yang: Sie zur├╝ckhaltend, alles sorgf├Ąltig bedenkend, h├Âflich und umsichtig gegen├╝ber ihren Mitmenschen, er draufg├Ąngerisch, listig und das Beste aus seiner Situation herausholend, auch wenn im Pflegeheim "Sonnenruh" die Voraussetzungen daf├╝r schlecht sind. Direktor Piretti redet das renovierungsbed├╝rftige Haus, das karge Freizeitprogramm und den Pflegenotstand sch├Ân und die Oberschwester ist so ausgebrannt, dass sie ihre Anvertrauten kaum noch ertragen kann. Gl├╝cklicherweise hat Johann nicht die hohe Pflegestufe, unter der er im Computer registriert ist.
Er hat diese selbst dort hineingeschummelt, um ein bisschen Luxus wie ein Einzelzimmer zu bekommen. Schwindeln und Betr├╝gen ist sein gro├čes Talent, mit dem er auch Lena erobern will. Er verspricht ihr, einen grandiosen Plan auszuhecken, um ihrem Bankberater gewaltig eins auszuwischen und ihr Haus zur├╝ckzugewinnen. Z├Âgerlich l├Ąsst Lena sich darauf ein, bis sie Johann pl├Âtzlich das Ruder aus der Hand nimmt und seine gauner-genialen Ideen noch ├╝bertrumpft. Mittlerweile hat das ungleiche Paar viele Mit-LeidensgenossInnen f├╝r ihr "David gegen Goliath"-Abenteuer gewonnen.

Wie nicht anders zu erwarten war, scheut Regisseur Leander Hau├čmann keine Tabus und l├Ąsst seinen Helden Johann wie einen Elefanten durch die Gebrechen seiner AltersgenossInnen steppen. So rei├čt er schon mal der Senioren-Petze das Gebiss aus dem Mund, um das vorzeitige Aus seines Feldzugs zu verhindern. Das angstbesetzte Thema Verlust und Krankheit im Alter verliert rasch seinen Schrecken und die Zuschauerin begleitet die sympathischen ├ť80-HeldInnen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Denn der Kontrahent, Bankberater Tobias Hardmann, ist trotz seines smarten ├äu├čeren ein Profitgier-Ekel, wie es die reale Finanzkrise nicht fieser h├Ątte produzieren k├Ânnen. Doch er hat nicht mit Johann gerechnet. Der Senioren-Tausendsassa wei├č genau, wo seine wunden Stellen sind, denn bevor er alt und weise wurde, war er selbst ein Immobiliengewinn-Eigennutz. Leander Hau├čmann schrieb Johann eine Vergangenheit auf den Leib, inspiriert von der Geschichte des Spekulanten J├╝rgen Schneider, der 1994 nach einer Milliardenpleite verhaftet wurde.

Die Story war bereits 1975 schon einmal auf den Leinw├Ąnden zu sehen als "Lina Braake oder Die Interessen der Bank k├Ânnen nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat" unter der Regie von Bernhard Sinkel.
Dass der schwierige Plot - als Kom├Âdie verarbeitet - im Jahre 2009 erneut funktioniert, ist auch dem brillanten SchauspielerInnen-Ensemble zu verdanken, welches der 38j├Ąhrige Leander Hau├čmann zusammentrommelte. Johann ist im wahren Leben sein Vater Ezard Hau├čmann, der auf eine turbulente Theater- und Film-Karriere vor und nach der Mauer zur├╝ckblicken kann, inklusive eines 10j├Ąhrigen Berufsverbot unter dem SED-Regime. An seiner Seite die bestechend charmante Eva-Maria Hagen, die ebenfalls auf ein bewegtes Leben auf B├╝hne und Leinwand zur├╝ckschauen kann, wobei sie bereits 1956 nach Westberlin ├╝bersiedelte. Die Rache-Gang der Beiden wird durch Walter Giller in der Rolle des Siegfrieds und Nadja Tiller in der Rolle des Hildchen bereichert. Leander Hau├čmann selbst mischt im Cast kr├Ąftig mit als Johanns Sohn, der plant, den eigensinnigen Vater durch eine Generalvollmacht zu entm├╝ndigen.

AVIVA-Tipp: Ein modernes M├Ąrchen f├╝r Erwachsene: Es ist nie zu sp├Ąt f├╝r Liebe, Lebenslust und das Gl├╝ck vom eigenen Heim und wenn man es richtig macht, rockt es dann auch f├╝r alle ├ť80 noch gewaltig! Als besonderes Highlight tauchen die drei britischen Rockabilly-Geschwister Kitty, Daisy And Lewis bei einer Altersheim-Party auf und auch der restliche Soundtrack swingt dank James Lasts Einsatz munter los.
Der Film startet exakt am Familienfest-Tag in den deutschen Kinos. Ob er eine geeignete Alternative zum Generationenkonflikt unter dem Tannenbaum ist, kann nicht garantiert werden, aber als heiteres CineastInnen-Bonbon f├╝r zwischen den Jahren ist er 100prozentig empfehlenswert.

Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!
Deutschland 2009
Regie: Leander Hau├čmann
Drehbuch: Mark Kudlow
Nach dem Film "Lina Braake" von Bernhard Sinkel
DarstellerInnen: Eva Maria Hagen, Ezard Hau├čmann, Daniel Br├╝hl, Hans Teuschner, Walter Giller, Nadja Tiller, Horst Pinnow, Ralf Wolter, Tom Gerhardt, Heinz Meier, Ingrid van Bergen, Leander Hau├čmann, Steffi K├╝nert, Bernhard Sch├╝tz, Anja Karmanski, Benno F├╝rmann, Simon B├Âer
L├Ąnge: 105 Minuten
Verleih: Constantin Film
Filmstart: 24.12.2009

Mehr zum Film: www.dinosaurier.film.de


Kultur Beitrag vom 20.12.2009 AVIVA-Redaktion 





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