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Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.06.2011

Die Lust der Frauen. Von der Liebe, dem Leben und dem Sex im Alter
Tatjana Zilg

Dass Sex im Alter keinen Spa├č mehr macht, wird oft angenommen. Diese Doku beweist das Gegenteil! Frauen ├╝ber 60 mit unterschiedlichen Lebensentw├╝rfen vermitteln auf erfrischende Art, wie sie ...



... die Lust am Sex wiederentdeckt oder neu gewonnen haben.

Sexualit├Ąt im Alter ist oft ein gesellschaftliches Tabuthema. Leider wird M├Ąnnern ein aktiverer Umgang damit zugestanden als Frauen. Dass eine Seniorin losziehen k├Ânnte, um ihr Lustbed├╝rfnis tatkr├Ąftig umzusetzen, daran wird selten gedacht. Eher wird die Aufrechterhaltung einer langj├Ąhrigen Partnerschaft erwartet oder ein harmloser Flirt mit einem Kurschatten.

Die Wiener Regisseurin Gabi Schweiger machte sich auf die Suche nach Frauen, die bereit waren, offen ├╝ber ihren Umgang mit Sexualit├Ąt vor der Kamera zu berichten und so Blicke in ihren lustvollen Alltag zulassen. Entdeckt hat sie sympathische, quirlige, lebensfreudige, nachdenkliche und sinnliche Protagonistinnen, die mit ihrem sinnlich reflektiertem Liebesleben zur eigenen selbstbewussten Auseinandersetzung anregen k├Ânnen.

Alle f├╝nf ausgew├Ąhlten Protagonistinnen r├Ąumen mit dem Vorurteil auf, dass die k├Ârperliche Lust w├Ąhrend des ├älterwerdens abnimmt. Da die Beziehung zum eigenen K├Ârper unvoreingenommener geworden ist, erleben sie ihre Sexualit├Ąt mitunter unbefangener als in fr├╝hen Jahren und fordern mit mehr Nachdruck die Erf├╝llung ihrer Bed├╝rfnisse beim Partner bzw. der Partnerin ein.

Viel Raum wird im Film dem R├╝ckblick gewidmet. Aufgewachsen in den 1940ern bis 1960ern Jahren mussten die Frauen mehr mit klassischen Rollenerwartungen k├Ąmpfen als junge Frauen heute.
Berichtet wird davon, wie es nahezu selbstverst├Ąndlich war, fr├╝h zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich den W├╝nschen des Ehemannes unterzuordnen. Den Ausbruch zu wagen, war nicht einfach, doch er gelang.

Bernadette, heute 63 Jahre alt,
ging diesen Schritt, als ihre Tochter drei Jahre war. Sie schlitterte in die 68er Bewegung und erkundete die neuen M├Âglichkeiten sexueller Freiheit, wobei sie auch an Grenzen stie├č. Aber ihre Freude an der eigenen Lust hat sie sich bis heute bewahrt. Nur war und ist es nicht immer einfach, den passenden Partner zu finden: Die vielseitig interessierte und temperamentvolle Bernadette ist gegenw├Ąrtig Single. In ihrem gleichaltrigen Umfeld nimmt sie wahr, dass viele M├Ąnner ihren W├╝nschen nicht mehr gewachsen sind.

Die anderen vier Portr├Ątierten leben jeweils in einer erf├╝llenden Partnerschaft - wiederum auf ganz unterschiedliche Weise:
Christa, heute 65 Jahre alt,
hat sich selbst, ihre Tochter und ihre Mutter damit ├╝berrascht, dass sie die gro├če Liebe in dem 40j├Ąhrigen Jeremy, einem geb├╝rtigen Afrikaner, gefunden hat. Mit gl├Ąnzenden Augen schw├Ąrmt sie von ihm. Beim gemeinsamen Kochen in ihrem gem├╝tlichen Haus und beim sp├Ąteren gemeinsamen Entspannen im Garten kann die Zuschauerin an ihrem Gl├╝ck teilhaben. Witzig und charmant bezieht auch Christas hochaltrige Mutter Stellung zu der ungew├Âhnlichen Konstellation.

Die unangenehme Frage, ob sie Angst habe, dass Jeremy sie eines Tages wegen einer j├╝ngeren Frau verl├Ąsst, beantwortet Christa ehrlich und mit einer erstaunlichen Einsicht.
Die 70j├Ąhrige Brigitte musste dagegen beharrlich daran arbeiten, ihre zweite Ehe zu einer befriedigenden Beziehung zu gestalten. Lange Zeit k├Ąmpfte sie mit der Wort- und Gef├╝hlskargheit ihres Partners. Es hat sich gelohnt: Das Paar erreichte ein tieferes Verst├Ąndnis f├╝reinander und Brigitte f├╝hlt sich mittlerweile sehr wohl in ihrer Ehe.
Nicht so fest will Ina, 62 Jahre alt, den Kontakt zu ihrem Partner werden lassen. Eine Daueraff├Ąre gibt ihr einen Ort, wo ihre sexuellen Bed├╝rfnisse Raum bekommen, ohne ihren Alltag in neue Bahnen lenken zu m├╝ssen.
Auch die 64j├Ąhrige Birgit kann sich nicht vorstellen, mit ihrer Partnerin, die sie ├╝ber das Internet kennen gelernt hat, zusammenzuziehen. Stattdessen genie├čt sie lieber zeitweise N├Ąhe und Lust, aber das dann umso intensiver.

AVIVA-Tipp: Die Doku erlaubt ein neues Verst├Ąndnis zwischen den Generationen und ermuntert zum Dialog. Durch die Lebensgeschichten ergeben sich viele Ber├╝hrungspunkte, die in der post-emanzipativen Gegenwart leicht in Vergessenheit geraten.
Eine Protagonistin schildert, wie schwer es ihren Kindern falle, ihre Mutter als Frau mit sexuellen Bed├╝rfnissen zu akzeptieren. Dies zeigt, wie Klischeebilder in den Alltag eingreifen und Lebensentw├╝rfe belasten k├Ânnen. Gabi Schweigers Film ist ein gutes Heilmittel dagegen. Zudem verf├╝hrt die Freude der Sixtysomethings an ihrer Sexualit├Ąt dazu, sich fest vorzunehmen, die eigene Lust nie aus den Augen zu verlieren.

Zur Filmemacherin: Gabi Schweiger, 1959 in Steyr, Ober├Âsterreich geboren, absolvierte 2001 den Lehrgang Dokumentarfilm bei Walter Wehmayr und drehte 2005 den Dokumentarfilm "Zilli". Ab 2006 Recherche, Konzept und Dreharbeiten zu "Die Lust der Frauen". In Planung: Ein Dokumentarfilm zu "Die Lust der M├Ąnner". (Quelle: Website der Regisseurin) www.gabischweiger.at/index.html

Die Lust der Frauen
Von der Liebe, dem Leben und dem Sex im Alter

├ľsterreich 2010
Regie und Buch: Gabi Schweiger
Kamera: Eva Testor
ProtagonistInnen: Bernadette Beiwl, Enkel Philip und Christopher, Birgit Meinhard-Schiebel und Partnerin Margit Tischberger, Brigitte Pfeiffer, Schwiegertochter Ulli, Sohn Manfred und Enkel Paul, Christa Wagner und Sambila Jeremie Yerbanga, Ina Biechl und Egon Biechl
Eine Produktion der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion in Koproduktion mit ORF
Laufzeit: 61 Minuten
Sprache: Deutsch
FSK: ab 16 Jahre
Bildformat: 1:1,78 (16:9)
Ton: 2.0 Stereo Dolby Digital
Vertrieb: Zorro Film
EAN: 4047179587389

Weitere Infos unter:
www.geyrhalterfilm.com/dielustderfrauen



Kultur Beitrag vom 14.06.2011 AVIVA-Redaktion 





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