Der Gott des Gemetzels - Das Drama von Yasmina Reza, verfilmt mit Starbesetzung - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.11.2011

Der Gott des Gemetzels - Das Drama von Yasmina Reza, verfilmt mit Starbesetzung
Tatjana Zilg

Jodie Foster und Kate Winslet brillieren in den Hauptrollen der Leinwand-Adaption, die auf dem B├╝hnenst├╝ck der mehrfach ausgezeichneten Dramatikerin Yasmina Reza basiert. Roman Polanski, in den ...



... USA wegen Vergewaltigung verurteilt, ├╝bernahm die Regie.

Die Ausgangssituation ist einfach und tragisch: Die Auseinandersetzung zweier elfj├Ąhriger Jungen endete damit, dass der eine dem anderen mit einem Stock zwei Schneidez├Ąhne ausschlug. Die Eltern, zwei auf die 40 zugehende, beruflich erfolgreiche Paare, treffen sich , um die Angelegenheit formal und h├Âflich zu besprechen und beizulegen.

Doch was wie ein Lehrst├╝ck ├╝ber gewaltfreie Kommunikation unter Erwachsenen beginnt, offenbart erst im Zeitlupentempo, sich dann zu zynisch bis schwarzhumorigen Wortkaskaden rasant steigernd, die inneren Abgr├╝nde angeblich zivilisierter Mittelschichtsmenschen.

Roman Polanski hielt sich dabei dicht an das B├╝hnenst├╝ck, nur an wenigen Stellen ├Ąnderte er die Dialoge, und lie├č den gesamten Film fast ausschlie├člich in der Wohnung des Paares Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly) stattfinden. Die Namen der vier Beteiligten erfand er neu, vermutlich, um sie an den ebenfalls neu gew├Ąhlten Ort des Geschehens, New York - Brooklyn, anzupassen. Der hochkar├Ątige Cast, erg├Ąnzt von Kate Winslet als Nancy Cowan und Christoph Waltz als Alan Cowan, stellte sich mit hervorragender Leistung der Herausforderung, die Demontage h├Ąuslicher Streitschlichtungskultur in Echtzeit zu drehen. So wirkt der Film wie ein auf die Leinwand gebanntes Theaterst├╝ck, und wird dennoch durch filmische Stilmittel wie einem perfekten Szenenbild, hautnah ins Geschehen hineinziehenden Kameraeinstellungen und pointiert gesetzten Schnitten bereichert.

Der Fokus liegt so ganz auf der Beobachtung, wie die Masken vorbildlich aufeinander eingehender Erwachsener nach und nach verschwinden und dahinter heftige Emotionen und Schuldvorw├╝rfe erscheinen. Nicht nur gegen das andere Paar, auch innerhalb der Paare lag einiges im Argen, was nun den Raum in schneidenden Wortspiralen erobert und die Luft abschn├╝rt. Endlich freigesetzt wirkt sich dies nun auch auf die k├Ârperliche Ebene aus. In bitterb├Âse inszenierten H├Âhepunkten fliegen scheinbar harmlose Alltagsgegenst├Ąnde wie die extra am Morgen eingekauften Tulpen hoch durch die stickige Luft und ein hypermodernes Handy in die Vase. Auch der vorher noch hochgelobte Kuchen, der ohnehin mehr einem Auflauf ├Ąhnelt, meldet sich zur├╝ck und landet in despektierlicher Form auf den Kunstb├╝chern der politisch korrekt engagierten Penelope. Die Eskalationen tragen zum Am├╝sement der KinozuschauerInnen bei, denn zwischen all dem schwingt stets ein gereifter, satirischer Humor mit. Die Dekonstruktion b├╝rgerlicher Idealvorstellungen von harmonischer Streitbeilegung, beruflichem Erfolgsethos und solidarischer Ehe wiegt so nie zu schwer auf der eigenen Seele.

"Die Frage nach der Moral ist interessant. Vier Leute versuchen herauszufinden, was sie am besten unternehmen sollten. Aber ist das vermeintlich Richtige auch wirklich das Richtige? Die Zeit verstreicht, und nach und nach offenbaren sie, was hinter der Fassade steckt. Sie werden immer gemeiner und fieser. Genau das macht den Witz aus. Sie sind alle kultivierte Leute, gebildet, mittleren Alters, aus der gehobenen Mittelschicht. Sie leben in einem gepflegten Vorort und man sollte meine, dass sie bestens miteinander auskommen m├╝ssten. Doch stattdessen l├Ąuft das Ganze f├╝rchterlich schief", beschreibt Jodie Foster die Situation. (Quelle: Presseinfo Constantin Film)

AVIVA-Tipp: Die filmische Umsetzung h├Ąlt den hohen Erwartungen stand, die dem umjubelten B├╝hnenst├╝ck vorauseilen. Viele Fragen werden aufgeworfen und liefern so den Kinog├ĄngerInnen ausgiebig Stoff f├╝r anschlie├čende intensive Diskussionen ├╝ber das Spannungsfeld zwischen Moral und Urinstinkten.

Zur Autorin: Yasmina Reza, geboren 1959 in Paris als Tochter einer Budapester Geigerin und eines in Moskau geb├╝rtigen j├╝dischen Kaufmanns mit Wurzeln aus Samarkand, war erst Schauspielerin und Musikerin. Alle ihre Werke wurden Welterfolge und sind vielfach ausgezeichnet worden. Ihre Theaterst├╝cke "Gespr├Ąche nach einer Beerdigung", "Reise in den Winter", "Kunst", "Der Mann des Zufalls", "Drei Mal Leben" sowie "Ein spanisches St├╝ck" wurden weltweit aufgef├╝hrt und in 35 Sprachen ├╝bersetzt. "Der Gott des Gemetzels" hatte am 8. Dezember 2006 in der Inszenierung von J├╝rgen Gosch am Schauspielhaus Z├╝rich seine Urauff├╝hrung.

Der Gott des Gemetzels
Originaltitel: Carnage
Frankreich, Polen, Spanien, Deutschland 2011
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Yasmina Reza und Roman Polanski, basierend auf dem gleichnamigen Theaterst├╝ck von Yasmina Reza
DarstellerInnen: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly
Kinostart: 24.11.2011
Laufl├Ąnge: 79 Minuten
Verleih: Constantin Film
dergottdesgemetzels.de

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Yasmina Reza - Der Gott des Gemetzels


Kultur Beitrag vom 24.11.2011 AVIVA-Redaktion 





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