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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 13.05.2004

Zwischen Monarchie und Republik
AVIVA-Redaktion

Anläßlich des 50. Todestages der Kronprinzessin Cecilie (1886-1954) stellt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die Biografie der letzten Hohenzollern-Thronfolgerin vor.



Etwa 300 Objekte, darunter Schmuck, Silber, Porzellan, Mobiliar, Gem√§lde, Dokumente und Fotografien, zeichnen in den acht wiederhergestellten R√§umen des Nordfl√ľgels im Marmorpalais den Lebensweg Cecilies nach: von der Kindheit √ľber die Verlobung und Hochzeit mit dem deutschen Kronprinzen Wilhelm, die Funktion als Repr√§sentantin des Kaiserhauses, das karitative Engagement w√§hrend der Jahre des Ersten Weltkrieges und die neu definierte Rolle nach dem Ende der Monarchie.

Zu den ausgestellten Objekten geh√∂ren zwei Tafelaufs√§tze, die zum ersten Mal in den R√§umen des Marmorpalais pr√§sentiert werden. Dabei handelt es sich um den kompletten Hochzeitszug von Adolph Amberg aus Berliner Porzellan und um Teile des so genannten Kronprinzensilbers - ein Geschenk der preu√üischen St√§dte zur Hochzeit des Kronprinzen, das jedoch erst 1913 in Teilen fertig gestellt werden konnte und durch die Ereignisse des Ersten Weltkrieges dem Kronprinzenpaar nie √ľberreicht wurde.

Ein weiterer H√∂hepunkt ist die Pr√§sentation eines M√§ander-Diadems. Die Pretiose wurde nach einem Entwurf des Kronprinzen bei den Hofjuwelieren Gebr√ľder Friedl√§nder in Berlin gearbeitet. Wilhelm √ľberreichte seiner Braut das Schmuckst√ľck als Morgengabe am Tage der Hochzeit im Berliner Schloss.

Drei R√§ume der Ausstellung werden sich zudem mit der Haltung der kronprinzlichen Familie w√§hrend der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus besch√§ftigen. Besondere Aufmerksamkeit ist der Schirmherrschaft der Kronprinzessin √ľber den deutsch-nationalen "Bund K√∂nigin Luise" gewidmet. Auch der Tod des √§ltesten Sohnes Wilhelm 1940 und seine Folgen f√ľr die Wehrmachtsangeh√∂rigen ehemaliger F√ľrstenh√§user werden thematisiert. Die Flucht der Kronprinzessin aus Potsdam und ihre Lebensumst√§nde w√§hrend der letzten Jahre in Bad Kissingen und Stuttgart beschlie√üen die Ausstellung.

Original colorierte Foto-Glasplatten vom Einzug Cecilies als Braut des Kronprinzen k√∂nnen durch ein historisches Tischger√§t, das so genannte Kaiserpanorama, betrachtet werden. Durch die dreidimensionale Wirkung der Stereoglasplatten wird ein lebendiges Bild von den Festtagen in Berlin vermittelt. An einer H√∂rstation k√∂nnen die Besucher akustisch "Einsicht nehmen" in die Tagebucheintragungen der Kronprinzessin in den Jahren 1913/1914. Dar√ľber hinaus werden seltene Filmsequenzen mit einer Auswahl ihrer √∂ffentlichen Auftritte aus den Jahren 1912 bis 1954 zu sehen sein.

Cecilie wurde am 20. September 1886 als j√ľngstes Kind des mecklenburgischen Gro√üherzogs Friedrich Franz III. und seiner Gemahlin, der russischen Gro√üf√ľrstin Anastasia, in Schwerin geboren. Sie verlebte eine unbeschwerte Kindheit, bis ihr Vater 1897 starb. Mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Friedrich Franz (1882-1945) lebte sie bis zu ihrer Verlobung 1904 viele Monate des Jahres in Russland und in S√ľdfrankreich.

Die Hochzeit mit dem deutschen Kronprinzen Wilhelm geh√∂rte zu den herausragenden gesellschaftlichen Ereignissen des Jahres 1905 in Deutschland. Mit der Eheschlie√üung war eine gl√§nzende Zukunft in Aussicht gestellt. Durch ihr unkompliziertes und freundliches Wesen wurde Cecilie zu einem der beliebtesten Mitglieder des Hauses Hohenzollern. Von der Hofpropaganda systematisch zu einem Leitbild des Kaiserhauses aufgebaut, sollte sie haupts√§chlich die Monarchie als f√ľhrende Repr√§sentantin vertreten. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges √ľbernahm die Kronprinzessin die Betreuung von verwundeten Soldaten in den Lazaretten von Westpreu√üen und Berlin.

Nach dem Sturz der Monarchie 1918 lehnte es Cecilie ab, mit dem Kaiser und dem Kronprinzen ins niederl√§ndische Exil zu gehen und blieb mit ihren sechs Kindern in Deutschland. In den zwanziger Jahren widmete sich die ehemalige Kronprinzessin verst√§rkt der karitativen Arbeit, ganz in der Tradition der 1921 verstorbenen Kaiserin Auguste Victoria. Ihre Schirmherrschaft √ľber den deutsch-nationalen "Bund K√∂nigin Luise", der rechtsgerichtete Tendenzen aufwies, bleibt umstritten. Nach der Aufl√∂sung dieses konservativen Frauenbundes 1934 zog sich Cecilie ins Privatleben zur√ľck. Ihre Flucht aus Potsdam 1945 und der Verlust des gesamten Besitzes leiten das letzte Kapitel ihres Lebens ein. Als Cecilie am 6. Mai 1954 in Bad Kissingen verstarb, erinnerte sich kaum noch jemand an die zweite Dame des Kaiserreiches - die einst so popul√§re Kronprinzessin war in Vergessenheit geraten.



Cecilie - Deutschlands letzte Kronprinzessin
Ausstellung vom 9. Mai bis 1. August 2004 im Marmorpalais

Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass: 17 Uhr)
Eintrittspreise:
Ausstellung ohne F√ľhrung: 4,- erm. 3,- Euro
Ausstellung mit F√ľhrung: 5,- erm. 4,- Euro
Kombi
Marmorpalais mit Ausstellung:
ohne F√ľhrung 5,- erm. 4,- Euro
Marmorpalais mit Ausstellung:
mit F√ľhrung 6,- erm. 5,- Euro
Schulklassen, pro Sch√ľler 3,-
Begleitband: 16,- EUR

Kultur Beitrag vom 13.05.2004 AVIVA-Redaktion 





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