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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.04.2004

Metamorphose
Anne Winkel

Letzte Auff├╝hrungen des Ballett Ensembles an der Komischen Oper. Von den international beachteten Choreographinnen Meryl Tankard, Australien und Ingun Bj├Şrnsgaard, Norwegen



Barfu├č - teils leicht, teils schwerf├╝├čig tanzen die DarstellerInnen von "Metarmorphose" in der Komischen Oper. Ihre Bewegungen sind scheinbar angetrieben von einer unbestimmten Sehnsucht. Der Tanz ist eine Suche - einerseits versuchter Ausbruch aus gesellschaftlichen Konventionen und andererseits versuchte Wahrung der Ordnung. Die K├Ârper wirken zerrissen zwischen Zivilisation und Chaos, zwischen Liebe und Hass. Die B├╝hnenk├╝nstlerInnen bewegen sich selbstbestimmt oder sind Spielfiguren ihrer (Tanz)partnerInnen. Sie verwandeln sich, nehmen Abschied und beginnen von Neuem. Begleitet wird das Ensemble im ersten Teil von einem melodisch-verbindenden Streichorchester. Das B├╝hnenbild setzt sich zusammen aus zwei Glaskomplexen: ein Haus mit T├╝r und eine Wand. Die Videoleinwand wir nur kurz und partial eingesetzt.

Das Sounddesign des zweiten Teils kombiniert sph├Ąrische Kl├Ąnge mit Klaviermusik, Trommelwirbel und Stimmvariationen. Das B├╝hnenbild weicht der Inanspruchnahme der Videowand. Eine mysteri├Âse weibliche Gestalt betritt die B├╝hne. Ihre Bewegungen zu den orientalisch-fernen Kl├Ąngen sind anmutig. Ihr Schatten erscheint in Einklang mit den immer abstrakter werdenden Wellenbildern der Leinwand. W├Ąhrend die Videoinstallation und die Szenen im Vordergrund wechseln, bleibt die Frau in wei├č (bzw. verwandelt: schwarz) auf der B├╝hne. Eine der Vordergrundszenen zeigt ein h├╝pfendes, kleines schwarzes Wesen. Die vogelartige Figur wird von den bunten, schillernden Artgenossen zun├Ąchst zu Albernheiten angespornt, um anschlie├čend verlacht zu werden.

Eine andere Szene erinnert an einen Kindergeburtstag. Mit einem Stock wird auf einen Pappmach├ę-Fisch eingedroschen. Das Spiel verwandelt sich in Aggression. Der Schl├Ąger verliert die Kontrolle, haut unkoordiniert um sich. Auch die Szenerie ├Ąndert sich. Dunkle Trommelwirbel schwellen an, propellergleiche Ger├Ąusche sind zu h├Âren. Der Klangteppich wird h├Ąrter, brutaler. Die R├╝ckwand wird von rot-schwarzer Farbigkeit durchzogen. M├Ąnnliche T├Ąnzer str├Âmen ├╝ber die B├╝hne - Gedanken an Krieg dr├Ąngen sich auf. Doch schnell folgen Abschnitte, die an einen Tempelkult erinnern, das "Vater unser" wird auf Spanisch gesprochen.

"Metamorphose" ist die "Fortsetzung der Reihe "Ballet is woman", welche im Oktober 2003 mit Poem/Body of Poetry begann. Die beiden international vielbeachteten Choreographinnen Meryl Tankard (Australien) und Ingun Bj├Şrnsgaard (Norwegen) kreieren Urauff├╝hrungen, die eigens f├╝r die Compagnie des BerlinBallett entstehen und einen innovativen und aufregenden Tanzabend versprechen. W├Ąhrend Ingun Bj├Şrnsgaard u.a. zu Franz Schuberts Streichquartett "Der Tod und das M├Ądchen" (Live Musik: Jargenow Quartett) choreographiert, - der bildende K├╝nstler Thomas Bj├Ârk entwirft f├╝r sie B├╝hne und Kost├╝me -, arbeitet Meryl Tankard mit dem renommierten Fotografen R├ęgis Lansac zusammen."

AVIVA-Tipp: Ein avantgardistisches Ballett ist vergleichbar mit einem Gedicht, das in W├Ârtern (nicht in S├Ątzen) Stimmungen erzeugt. ZuschauerInnen werden "Metarmorphose" mit unterschiedlichen, aber auch ├╝bereinstimmenden Assoziationen, Gedanken und Interpretationen verlassen.




Metamorphose/ K├Ârper der Verwandlung
Letzte Auff├╝hrungen des Berlin Ballett-Komische Oper
Choregrafinnen: Meryl Tankard, Ingun Bj├Şrnsgaard
K├╝nstlerische Leiterin: Adolphe Binder
28. April, 03., 06., 15. und 22. Mai, 05. Juni, sowie 06. und 10. Juli 2004, jeweils 20 Uhr
Komische Oper, Behrenstra├če 55-57, 10117 Berlin
www.komische-oper-berlin.de


Kultur Beitrag vom 27.04.2004 AVIVA-Redaktion 





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