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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.12.2004

En Garde. Film und Interview mit Maria Kwiatkowsky und Pinar Erincin
Julia Rohrbeck

Sanfte X-Filme-Produktion ├╝ber die Freundschaft zweier ungleicher M├Ądchen. Regisseurin und Drehbuchautorin Ayse Polat erz├Ąhlt eine aufw├╝hlende Geschichte ├╝ber Tr├Ąume, Gef├╝hle und Erwachsenwerden



"Das Tolle am Fechten ist: Der Ablauf ist klar. Man stellt sich gegen├╝ber, "En Garde!" und los. Manchmal gibt man sich dem Spiel hin und verliert sich darin. Dann vergisst man sich. Man vergisst die Zeit und die Angst. Das sind die sch├Ânsten Momente."

Alice (Maria Kwiatkowsky), die junge Heldin des Films, ist 16 Jahre alt und leidet an Hyperakusis, "zu lautem H├Âren". Nach dem Tod ihrer Gro├čmutter wird sie von ihrer ├╝berforderten Mutter (Antje Westermann) in ein katholisches M├Ądchenerziehungsheim gesteckt.

Alice ist in sich gekehrt, still und schweigsam. Von der fremden Umgebung und der brutalen Hackordnung unter den M├Ądchen verunsichert, kann sie sich nur schwer ├Âffnen. Auch Schwester Clara (Geno Lechner), Alices strenge und f├╝rsorgliche Betreuerin, ist nicht in der Lage, dem M├Ądchen fehlende m├╝tterliche W├Ąrme zu vermitteln.

Schlie├člich freundet sie sich mit dem kurdischen Fl├╝chtlingsm├Ądchen Berivan (Pinar Erincin) an, deren rechtlicher Aufenthaltsstatus in Deutschland unklar ist. Berivan hat Angst vor einer Abschiebung und vertraut Alice ein streng geh├╝tetes Geheimnis an, das ihr beim Asylverfahren zum Verh├Ąngnis werden k├Ânnte...

In ihrer Freizeit gehen die beiden M├Ądchen zum Fechttraining. Anfangs f├Ąllt ihnen der ungew├Âhnliche Sport schwer, doch die M├Ądchen ermutigen sich gegenseitig. Zum ersten Mal sieht man Alice aus sich herausgehen und lachen.

Doch die Freundschaft wird auf die Probe gestellt: Berivan verliebt sich in Ilir (Luk Piyes), einen Pizzaboten, der ihre Zuneigung erwidert. Alice hat Angst, ihre einzige Freundin zu verlieren. Weitere Probleme tun sich auf und die Situation im Heim eskaliert...

"En Garde" ist ein Film, der die Befreiung eines verschlossenen M├Ądchens aus ihrer inneren Gefangenschaft beobachtet. Ruhige, intensive, geduldige und stark emotionale Bilder werden geschaffen. Um das extrem laute H├Âren von Alice zu visualisieren, wurde den Bildern ├╝bernat├╝rliche Sch├Ąrfe und H├Ąrte verliehen.

Die junge Regisseurin Ayse Polat gibt zwei Leinwand-Newcomerinnen die Chance, sich auszutesten: Pinar Erincin und Maria Kwiatkowsky sind zum ersten Mal im Kino zu sehen. Die Frische und Unverbrauchtheit der beiden jungen Frauen macht En Garde zum Erlebnis.

AVIVA-Tipp: Der weibliche, sensible Blick von Regisseurin Ayse Polat und Produzentin Maria K├Âpf ist zu sp├╝ren. Eine bewegende Geschichte, fernab vom Mainstream-Kino. Die komplexe, eindringliche und facettenreiche Darstellung der Frauen ist Erholung f├╝r das geschundene Blockbuster-Auge.


En Garde
Deutschland 2004
Buch und Regie: Ayse Polat
Produzentin: Maria K├Âpf
DarstellerInnen: Maria Kwiatkowsky, Pinar Erincin, Luk Piyes, Antje Westermann, Geno Lechner
Kinostart: 09.12.04

Hier geht┬┤s zum Interview mit den Hauptdarstellerinnen.

Kultur Beitrag vom 06.12.2004 AVIVA-Redaktion 





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