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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.12.2002

Eine wahre und ungewöhnliche Liebe zwischen zwei Verfolgten
Anja Kesting

"Wer ihn erh√§lt und mir antwortet, der soll mein letzter Liebhaber werden". Diesen Brief schrieb die Operns√§ngerin Marianne Golz in ihrer Todeszelle, wohlwissend, dass man sich nie sehen w√ľrde



Ihr antwortete der tschechische Todeskandidat Rischa, ein junger Mann von 27 Jahren, der einen kommunistischen Freund versteckt hatte, verraten wurde und ebenfalls auf seine Hinrichtung wartete.

Das Zwei-Personen-B√ľhnenst√ľck "Der gro√üe Tag: eine Liebe in Briefen" erz√§hlt von der ungew√∂hnlichen Liebe zwischen den beiden Verfolgten, die sich 1943 im Prager Gef√§ngnis Pankraz entwickelte.
Premiere ist am 15. Januar 2003 im Theaterforum Kreuzberg.
Eve Slatner, Autorin und Schauspielerin, verarbeitete die Briefe zum Dialog-B√ľhnenst√ľck. Dabei konnte sie zum einen auf die erhaltenen Zeilen zur√ľckgreifen und zum anderen rekonstruierte sie aus Kenntnis der zeitgeschichtlichen und psychologischen Umst√§nde die fehlenden Liebesbotschaften.

Zum Inhalt: Marianne Golz, eine deutsch-√∂sterreichische Operettens√§ngerin, die mit ihrem tschechisch-j√ľdischen Mann 1933 aus Berlin nach Prag geflohen war, verhalf 1938 nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei zahlreichen Juden und politisch Verfolgten zur Flucht. Da sie selbst nicht j√ľdisch war, f√ľhlte sie sich sicher und meinte, ihr k√∂nne nichts passieren. Ihren Mann, einen in den drei√üiger Jahren in literarischen Kreisen Berlins verkehrenden bekannten Journalisten, √ľberredete sie sehr schnell, nach London ins Exil zu gehen. Marianne aber blieb, um weiter anderen Menschen helfen zu k√∂nnen. Ihre Arbeit wurde verraten. Ein deutsches Gericht verurteilte sie zum Tode.

Mit zahlreichen anderen Frauen mit √§hnlichem Schicksal wartete sie im Gef√§ngnis auf ihre Hinrichtung. Die von gro√üer Vitalit√§t und Lebensenergie gepr√§gte 48j√§hrige Frau wollte sich nicht von den √§u√üeren Umst√§nden zerst√∂ren lassen, ihrem Tod mit W√ľrde begegnen. Deshalb schickte sie einen Kassiber in den M√§nnertrakt von Pankraz: "Wer ihn erh√§lt und mir antwortet, der soll mein letzter Liebhaber werden".

Daraus entwickelte sich eine Briefliebe zu Rischa, die nur vier Monate dauerte. Marianne trifft auf einen Menschen von gleicher psychischer Wellenlänge, von ähnlicher seelischer Stimmung. Nur ist er pessimistischer, verzweifelter, deprimierter. Sie ermutigt ihn, gibt ihm neuen Lebensmut, auch wenn beide ahnen, dass es sich nur um eine kurze Zeit handeln wird, die ihnen bleibt.

Im Theaterst√ľck "Der Gro√üe Tag: eine Liebe in Briefen" geht es auch darum zu zeigen, dass frau auch in finsteren Zeiten, in schlimmen, ja scheinbar aussichtslosen Situationen ihre Integrit√§t bewahren, sogar gl√ľcklich sein kann.
Das ist Marianne Golz, die damit auch ihren Liebhaber Rischa angesteckt hat, vorbildlich gelungen.



Der Große Tag: eine Liebe in Briefen
Eve Slatner und Stephan Wolf-Schönburg

Inszenierung Claudia Göbel
Musik Hermann Beesten Jr
Theaterforum Kreuzberg
Eisenbahnstr. 21
10997 Berlin
Vorstellungen:17. bis 19. Januar 2003, 20.00 Uhr
(030)611 089 33
Karten: 10 Euro / 8 Euro
U-Bhf Görlitzer Bhf. und Schlesisches Tor (U 1, U 12, U 15).

Kultur Beitrag vom 14.12.2002 AVIVA-Redaktion 





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