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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.01.2005

25 Grad im Winter
Tatjana Zilg

Ein ungew√∂hnlich hei√üer Tag im Winter f√ľhrt den alleinerziehenden Vater Miguel zur gr√∂√üten Ver√§nderung seines Lebens. Nicht ganz freiwillig begleitet er eine Ukrainerin auf der Suche nach ihrem Mann



Die Freude der siebenj√§hrigen Laura (Rapha√ęlle Molinier) ist gro√ü, als der Postbote fr√ľhmorgens ein Paket aus Amerika abliefert. Ihre Mutter lebt dort seit einem Jahr, um Karriere als S√§ngerin zu machen. Das Grundschulm√§dchen wohnt nun mit ihrem Vater Miguel (Jacques Gamblin) allein in Br√ľssel. Sehns√ľchtig rei√üen Vater und Tochter das Paket auf.

Aber der Alltag dr√§ngt sich schnell wieder in den Vordergrund: Der Vermieter steht vor der T√ľre, um Mietschulden einzutreiben. Der chaotische Miguel b√ľndelt seine Kr√§fte, vertreibt den Gl√§ubiger und bringt die kleine Laura eilends zur Schule. Als er am Flughafen seinem nur halb legalen Job als Ticketkurier f√ľr ein Reiseb√ľro nachgehen will, begegnet er der Ukrainerin Sonia (Ingeborga Dapkunaite), die vor der Grenzpolizei flieht. Sie sollte nach Russland ausgewiesen werden. Obwohl Miguel mit seinen eigenen Problemen genug zu tun hat, bleibt sie hartn√§ckig, bis er sich ihrer annimmt. Die ersch√∂pfte Frau erz√§hlt, dass sie verzweifelt auf der Suche nach ihrem Ehemann ist, der vor mehr als zehn Jahren nach Belgien ausgewandert ist.

Eine Odyssee durch die Hauptstadt Belgiens beginnt f√ľr das unfreiwillige Paar. Auch Laura, die in der Schule in eine heftige Pr√ľgelei verwickelt wurde, und Miguels spanische Mutter (Carmen Maura) steigen mit in das Auto, um die Spur des russischen Immigranten zu verfolgen.

Die verschiedenen Migrationschicksale sto√üen aufeinander: Die Gro√ümutter Lauras hat mit ihrer Auswanderung versucht, ihren Nachkommen eine bessere Zukunft zu erm√∂glichen. Dem Sohn fiel es jedoch schwer, eine bodenst√§ndige Existenz aufzubauen, aber es gelingt ihm, das Leben f√ľr sich und seine kleine Tochter angemessen zu gestalten. Dagegen wird der Ukrainerin jegliches Bleiberecht verwehrt. Ihre einzige Chance liegt darin, gegen das Gesetz zu versto√üen und f√ľr ihr Gl√ľck zu k√§mpfen. Zugleich verbindet die ProtagonistInnen das Schicksal des Verlassen-Werdens: Sonias Ehemann hat sich von ihr gel√∂st, um im Land bleiben zu k√∂nnen. Er ist schon seit langer Zeit mit einer Belgierin verheiratet, die ihm ein normales Leben erm√∂glicht.

Der Film ist ausgesprochen feingezeichnet. Die einzelnen Charaktere werden präzise beobachtet. Es ist sehr bewegend, sie bei der Auseinandersetzung mit ihrem Schicksal und den unerwarteten Begegnungen zu beobachten: Das Grundschulmädchen Laura hat sich anfangs eingeigelt in der Trauer um den Verlust der Mutter. Sie lehnt die plötzlich aufgetauchte Frau an der Seite des Vaters ab, bis sie diese in ihrer Verletzbarkeit erlebt.

Der Regisseur St√©phane Vuillet entschloss sich nach einem abgebrochenen Mathematik-Studium und dem Zerbrechen seiner Musikband die Filmschule INSAS in Br√ľssel zu besuchen. "25 Grad im Winter" ist sein Deb√ľtfilm und wurde bereits im Wettbewerb der Berlinale 2004 gezeigt.

AVIVA-Tipp: Auf sensible Art behandelt der Film das aktuelle Thema der Migrationsproblematik. Anhand der spannenden Geschichte erf√§hrt der Zuschauer/die Zuschauerin mehr √ľber die Realit√§t der Abschiebungspraxis, ohne durch ausf√ľhrliches Doku-Material √ľberfordert zu werden.


25 Grad im Winter
25 degrés en hiver
Belgien/Frankreich 2003
Regie: Stéphane Vuillet
DarstellerInnen: Carmen Maura, Jacques Gamblin, Ingeborga Dapkunaite, Rapha√ęlle Molinier, Pedro Romero, Ingeborga Dapkunaite
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 27.01.2005


Kultur Beitrag vom 23.01.2005 AVIVA-Redaktion 





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