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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.04.2005

Die Dada Baroness
Sabine Grunwald

Elsa von Freytag-Loringhoven, die New Yorker Dada Queen f├╝hrte ein wildes Leben. Die Erste, die aus M├╝ll Kunst machte, suchte als Provokateurin den Skandal. Im Literaturhaus Berlin bis 08.05.2005



KennerInnen der New Yorker Dada Szene Anfang des letzten Jahrhunderts ist der Name Elsa von Freytag-Loringhoven bereits l├Ąnger ein Begriff. Die Deutsche erregte erst in New York und sp├Ąter in Paris Aufsehen als Surrealistin, mit Performances, K├Ârperkunst und Gedichten.

Die deutsche Baronin wurde 1874 unter dem Namen Elsa Pl├Âtz in Swinem├╝nde geboren.
Der fr├╝he Tod ihrer Mutter und die schlechte Beziehung zu ihrem Vater, trieben sie fr├╝h in die Selbst├Ąndigkeit. Naiv und jung wie sie war, versuchte sie sich als B├╝hnenk├╝nstlerin und tauchte Anfang des 20. Jahrhunderts als verheiratete Baroness von Freytag-Loringhoven in New York auf. Die mittellose Witwe ern├Ąhrte sich als Aktmodell, entdeckte die Performance f├╝r sich und war in der Bohemeszene tonangebend. Sie war eine Abenteurerin und hatte ein ausgepr├Ągtes Gesp├╝r f├╝r die M├Âglichkeiten ihrer Zeit. ├ťber sich selbst urteilte sie, sie sei "verr├╝ckt, begabt und am├╝sant, aber auch eklatant unkonventionell."

Mit allen Mitteln protestierte sie gegen das Konventionelle. Ihr BH bestand aus Milchdosen, mit Hundeketten verbunden, auf ihrem Kopf trug sie einen Pflaumenkuchen und an ihrem Hinterteil ein R├╝cklicht. Ihren Kopf trug sie oft rasiert und zinnoberrot lackiert. Manchmal benutzte sie das Oberteil eines Kohleeimers als Hut, den sie unter ihrem Kinn wie ein Helm festschnallte. Unkonventionell war sie auch in Liebesdingen, wo ihr Credo lautete: "Jede Nacht ein neuer Mann." Verliebt war sie ausschlie├člich in sich selbst und experimentierte mit immer neuen Aufmachungen.

Diverse K├╝nstlerInnen lie├čen sich von ihr inspirieren. Mit ihrer erotischen K├Ârperkunst war sie Vorl├Ąuferin der heutigen Performance Kunst einer Rebecca Horn, Yoko Ono und Marina Abramovic. Sie stellte Kunstobjekte aus Blechfolie und M├╝llresten her. Ihre ├ästhetik war die Kunst der Stra├če. In der Zeitschrift "Little Review" wurde sie mit ihrer Lyrik- und ihren Prosagedichten, die den Eros und die Sexualit├Ąt thematisierten, zum umstrittenen Star. Unterst├╝tzung erhielt die Baroness durch Djuna Barnes, Peggy Guggenheim und die Verlegerinnen des "Little Review".

Ihr Leben endete fr├╝h und tragisch bereits 1927. Mit nur 52 Jahren erstickte sie zusammen mit ihrem Hund an ausstr├Âmendem Gas in ihrer k├Ąrglichen Unterkunft. Nach ihrem Tod wurde sie als Exzentrikerin gebrandmarkt und ist schlie├člich in Vergessenheit geraten. Erst 1996/97 wurde sie in der New Yorker Dada-Ausstellung im Whitney Museum of American Art: "Making Mischief. Dada invades New York", neben Marcel Duchamp, Man Ray und Francis Picabia ausgestellt. Die weltweit erste Retrospektive: "Die Kunst der Elsa von Freytag-Loringhoven" fand 2002 in New York statt. Ihre Memoiren wurden 1992 nur auf Englisch ver├Âffentlicht.

AVIVA-TIPP:
Die Ausstellung zeigt umfangreiches Material: Tagebucheintragungen, Briefe, B├╝cher, Zeitungsausschnitte, Textfragmente, Fotografien und Kost├╝me. Begleitet werden die Dokumente von einem Audioguide. Doch w├Ąre es angeraten, k├Ânnte man diesen ├╝berlangen Text auf einer H├Âr-CD in Ruhe genie├čen. Zur Erkl├Ąrung der Exponate w├Ąre ein k├╝rzeres, informatives Tondokument hilfreicher gewesen.

Die Lebensgeschichte der schillernden K├╝nstlerin der Moderne liegt als Buch vor:
Irene Gammel
Die Dada Baroness. Das Wilde Leben der Elsa von Freytag Loringhoven
Edition ebersbach
256 Seiten, zahlr. Abbildungen
34 Euro
ISBN 3-934703-57-7
200961948875"

Im Rahmen der Ausstellung wird ein umfangreiches Rahmenprogramm pr├Ąsentiert.
Informationen im Netz unter www.literaturhaus-berlin.de

Ausstellungsort:
Literaturhaus Berlin
Fasanenstra├če 23
10719 Berlin
Ausstellungsdauer:
23.03.2005 bis 08.05.2005
Eintritt: 5/3 Euro
├ľffnungszeiten. T├Ąglich 11.00 bis 19.00 Uhr


Kultur Beitrag vom 07.04.2005 Sabine Grunwald 





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