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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.08.2005

Beautiful Boxer
Tatjana Zilg

Die Karriere als Thai-Boxer ermöglicht einem jungen Mann die Verwirklichung seines Lebenstraums: Er möchte durch eine Geschlechtsumwandlung eine Frau werden. Ergreifender Film nach wahrer Geschichte



Ein kleiner Junge ist von den seidigen Haaren und der Anmut seiner Mutter (Orn-Anong Panyawong) begeistert. Diese ist geschmeichelt, doch dann teilt ihr der Sohn mit, dass er, wenn er groß ist, auch so eine wunderschöne Frau wie sie werden möchte. Nach dem ersten Schreck akzeptiert die Mutter den Wunsch von Nong Toom (als Kind Sarawuth Tangchit, als Jugendlicher Asanee Suwan) mit stillschweigendem Wohlwollen, der Vater (Nukkid Boonthong) befĂŒrchtet dagegen soziale Ausgrenzung. Die Eltern sind froh, dass der Junge als Novize in ein buddhistisches Kloster aufgenommen wird, wo strenge Regeln verhindern, dass er sich seinen femininen Neigungen widmet. Aber Toom hĂ€lt an seinem innersten Wunsch fest, bis er das Kloster nach einiger Zeit mit einem Wandermönch wieder verlassen kann. Die RealitĂ€t lĂ€sst ihm ohnehin nicht viel Zeit fĂŒr das Ausleben seiner inneren SehnsĂŒchte, sondern verlangt den vollen Einsatz als mithelfendes Familienmitglied. Die Eltern sind ursprĂŒnglich arme Nomaden, bis sie sich durch eine Landbesetzung als Litchi-Anbauer niedergelassen haben. Die Mutter muss deshalb ins GefĂ€ngnis. Der kleine Toom besucht sie, sooft es geht und arbeitet heimlich, um ihr Essen zu kaufen und den Vater nach einem Unfall mit Medikamenten zu unterstĂŒtzen.

Eines Tages bietet sich ihm eine Gelegenheit zum Geldverdienst, die er sich nie ertrĂ€umt hĂ€tte. Mit seiner besten Freundin besucht er ein Fest, auf dem er zur Teilnahme an einem Preisboxen gedrĂ€ngt wird. Zur Überraschung aller gewinnt er. Im Zwiespalt mit seiner Abneigung gegen Gewalt und der Notwendigkeit, Geld fĂŒr seine Eltern, aber auch fĂŒr eine spĂ€tere Geschlechtsumwandlung zu verdienen, bewirbt er sich fĂŒr die Aufnahme an einer lokalen Boxschule. Der vĂ€terlich strenge Trainer (Sorapong Chatree) erkennt hinter dem Mantel der Unbeholfenheit und des kaum verborgenen femininen Touches das große Talent von Nong Toom zum Thai-Kickboxen, das in Thailand als traditionelle Sportart sehr angesehen ist. Zugleich ist es eine der Ă€ltesten Kampfsportarten der Welt und gilt als die hĂ€rteste. Eine Besonderheit ist, dass fast alle Körperteile zum Kampf genutzt werden dĂŒrfen.

Dem Teenager offenbart sich eine MĂ€nnerwelt, die von Disziplin und Aggression, aber auch von Zusammenhalt, kameradschaftlichen Erlebnissen und einem geregelten Tagesablauf gekennzeichnet ist. Er entwickelt schnell ein intensives VerhĂ€ltnis zu seinem Trainer und zu dessen Ehefrau, die dafĂŒr sorgt, dass Nong Toom trotz seiner ausgeprĂ€gt weiblichen Seite eine feste Position in der Gruppe gewinnt. Auch ist sie es, die den Trainer davon ĂŒberzeugt, Nong Toom offen als Transsexuellen im Boxring auftreten zu lassen. Einerseits wird sein Ruhm durch das außergewöhnliche Auftreten mit Schminke und femininen Styling gestĂ€rkt, anderseits ist er fortan starken Anfeindungen ausgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, das Image des Nationalsportes zu schĂ€digen. Er gewinnt jedoch einen Großteil der KĂ€mpfe und kann schließlich seinen Lebenstraum erfĂŒllen: Nach einer erfolgreichen Geschlechtsumwandlung ist er eine divenhaft wirkende, wunderschöne Frau, die als gefragtes Model und Schauspielerin von allen Seiten Bewunderung erhĂ€lt.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Parinya Charoenphol - in Thailand unter dem Spitznamen Nong Toom bekannt - hat ebenfalls ihren Traum wahr gemacht und lebt nun als Frau, nachdem sie sich 1999 einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Heute arbeitet sie als Model, Schauspielerin und Lehrerin fĂŒr Muay Thai (Thai Kickboxen) in Bangkok. Sie selbst kann nicht mehr im Ring stehen, da Frauen in Thailand nicht zum Kickboxen zugelassen sind.

Der Regisseur Ekachai Uekrongtham ist vielfach preisgekrönt fĂŒr seine Theaterinszenierungen. Er grĂŒndete das ACTION Theatre in Singapore. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist die Konzeption, RegiefĂŒhrung und Produktion von "Chang & Eng", ein Musical ĂŒber die wahre Geschichte der siamesischen Zwillinge.
"Beautiful Boxer" ist sein FilmdebĂŒt und wurde im Panorama der Berlinale 2004 gezeigt.

AVIVA-Tipp: Das fast zweistĂŒndige, farbenprĂ€chtige Werk ist ein vielschichtiger Film mit einem Spektrum an Themen, die verschiedenste Interessengebiete berĂŒhren: Thai Boxen als Kampfsport im Spannungsfeld zwischen traditionellen Material Arts mit feinabgestimmten, raschen, sehr Ă€sthetischen Bewegungen und sehr aggressiven PreiskĂ€mpfen, TranssexualitĂ€t im Zwischenfeld von kultureller Bindung, Selbstfindung und FamilienbezĂŒgen, Armut in einem Schwellenland, die von Kindern frĂŒhen Arbeitseinsatz und Opfer fordert und nicht zuletzt wird Buddhismus als Religion ein StĂŒck greifbarer, da er nicht - wie so oft in westlichen Filmen - idealisiert dargestellt wird.


Beautiful Boxer
Taiwan/Thailand 2004, 116 Minuten
Regie: Ekachai Uekrongtham
DarstellerInnen: Asanee Suwan, Sorapong Chatree, Orn-Anong Panyawong, Nukkid Boonthong, Sitiporn Niyom
Filmstart: 25.08.2005
Verleih: MFA Film Distribution Regensburg
www.beautifulboxer.com



Kultur Beitrag vom 23.08.2005 AVIVA-Redaktion 





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