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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.02.2006

56. Berlinale vom 9. - 19. Februar 2006
Tatjana Zilg

Britische Schauspielerin Charlotte Rampling ist Vorsitzende der Internationalen Jury. Öffentliche FachvortrĂ€ge. SektionsĂŒbergreifender Femina-Preis fĂŒr hervorragende filmische Leistungen von Frauen



NEWSBĂ€ren-Verleihung live im Fernsehen auf 3sat

Die Internationale Jury der Berlinale gibt am Samstag, 18. Februar 2006, live die GewinnerInnen des Goldenen und der Silbernen BĂ€ren bekannt. Die Gala zur Preisverleihung beginnt um 19 Uhr im Berlinale Palast und wird voraussichtlich bis 20.10 Uhr abgeschlossen sein. Als Moderator fĂŒhrt der Schauspieler Heino Ferch durch den Abend.

Im Wettbewerb konkurrieren in diesem Jahr 19 Filme um folgende Preise:

Goldener BĂ€r fĂŒr den besten Film (an den Produzenten)
Großer Preis der Jury - Silberner BĂ€r
Silberner BĂ€r fĂŒr die beste Regie
Silberner BĂ€r fĂŒr die beste Darstellerin
Silberner BĂ€r fĂŒr den besten Darsteller
Silberner BĂ€r fĂŒr eine herausragende kĂŒnstlerische Leistung
Silberner BĂ€r fĂŒr die beste Filmmusik

Zudem vergibt die Internationale Jury - in Erinnerung an den GrĂŒnder des Festivals - den Alfred-Bauer-Preis fĂŒr einen Spielfilm, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet.
Im Rahmen der Zeremonie wird erstmalig auch der Preis fĂŒr den Besten Erstlingsfilm verliehen.
Eine dreiköpfige Jury vergibt den mit 25.000 Euro dotierten Preis an das beste SpielfilmdebĂŒt aus den Sektionen Wettbewerb, Panorama und Kinderfilmfest/14plus.

Die Abschlussgala der Internationalen Filmfestspiele Berlin wird live im Fernsehen ĂŒbertragen.
Neben der Übertragung in 3sat wird die Veranstaltung live im Internet ( www.berlinale.de) gestreamt.

"Ich freue mich, dass wir eine faszinierende Frau und großartige KĂŒnstlerin wie Charlotte Rampling als Jury-PrĂ€sidentin gewinnen konnten", sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. "Mit ihrer Arbeit steht sie fĂŒr ein unkonventionelles und beeindruckendes Kino."

Unter der PrĂ€sidentschaft von Charlotte Rampling wird eine achtköpfige internationale Jury (u.a. Marleen Gorris/Regisseurin aus den Niederlanden, Lee Young-ae/Schauspielerin aus der Republik Korea) ĂŒber die Vergabe der Goldenen und Silbernen BĂ€ren entscheiden. Zum ersten Mal in der 56-jĂ€hrigen Geschichte der Filmfestspiele gibt die Jury die PreistrĂ€gerInnen erst wĂ€hrend der Preisverleihung am 18. Februar bekannt.

Ein besonders bemerkenswerter Film, der im Wettbewerb gezeigt wird, ist "Sehnsucht" unter der Regie von Valeska Grisebach. Sie erzĂ€hlt eine Liebes- und Dreiecksgeschichte aus der ostdeutschen Provinz. Der mit LaiendarstellerInnen besetzte Film reflektiert ĂŒber TrĂ€ume und AufbrĂŒche, die Suche nach dem GlĂŒck und die damit verbundenen Schmerzen und Hoffnungen.

Die Weltpremiere "En Soap" ist eine dÀnisch-schwedische Ko-Produktion.
Pernille Fischer Christensen schildert in ihrem DebĂŒtfilm das tragikomische VerhĂ€ltnis zwischen der Besitzerin einer Schönheitsklinik und eines Transsexuellen.

Auch dieses Jahr wurden die Filme fĂŒr alle sechs Sektionen (Wettbewerb, Panorama, Forum, Perspektive Deutsches Kino, Retrospektive und Kinderfilm) nach Themenkreisen ausgewĂ€hlt. Neben Filmen ĂŒber KĂŒnstlerInnen, ĂŒber Musik, ĂŒber den Maghreb und den Nahen Osten sowie ĂŒber Fußball wurde nach Werken mit der Thematik sexuelle DiversitĂ€t Ausschau gehalten. 17 Filme stellen in unterschiedlichster Weise die Suche nach sexueller IdentitĂ€t dar. Dabei verwundert es wie jedes Jahr, dass Filme von weiblichen Regisseurinnen in erstaunlich geringer Anzahl zu finden sind.

Der Verband der Filmarbeiterinnen möchte auf dieses Problem aufmerksam machen und vergibt seinen insgesamt zehnten, mit 3.000 Euro dotierten Femina-Film-Preis zum zweiten Mal auf der Berlinale. Er wird verliehen fĂŒr "hervorragende kĂŒnstlerische Leistungen einer Technikerin" in einem deutschsprachigen Spielfilm - und zwar in den Bereichen Kamera, Schnitt, Ausstattung, KostĂŒm oder Musik.
Damit soll die Bedeutung der mitwirkenden Frauen am kĂŒnstlerischen Gesamtresultat eines Films hervorgehoben werden. Nominiert wurden 36 Filmarbeiterinnen. Darunter sind Ingrid Henn fĂŒr die Ausstattung, Esther Walz fĂŒr die KostĂŒme in "Elementarteilchen", Bettina Böhler fĂŒr den Schnitt von "Sehnsucht" sowie von "Lucy", Brigitta Tauchner fĂŒr den Schnitt von "Komm nĂ€her", Elke Zetl fĂŒr die KostĂŒme, Nicola Undritz fĂŒr den Schnitt, Yasmin Khalifa und Carola Gauster fĂŒr das Szenenbild in "Bye Bye Berlusconi!" und Barbara Grupp fĂŒr die KostĂŒme von "Der Rote Kakadu". Die Jury besteht aus Marie Juliane Friedrich (Szenen- und KostĂŒmbildnerin), Ulla Kösterke (Tonmeisterin) und Sophie Rois (Schauspielerin).

Wie wichtig es ist, dem weiblichen und dem mÀnnlichen Blick ein Gleichgewicht im Filmschaffen zu geben, wird deutlich, wenn man zwei der deutschen Filme vergleicht, die beide die Suche ihrer ProtagonistInnen nach einer lebenswerten SexualitÀt zum Thema haben.
In "Vier Fenster" (Perspektive Deutsches Kino) von Christian Moris MĂŒller wird der Mikrokosmos einer scheinbar normal-bĂŒrgerlichen Familie untersucht. Langsam erschließt sich den ZuschauerInnen, welche Distanz und Fremdheit hinter den zunĂ€chst vertraut erscheinenden Beziehungen stecken muss. Ein Familiengeheimnis, sexueller Missbrauch in der Vater-Tochter-Beziehung, wird angedeutet. Tochter und Mutter werden als letztlich hilflos im Umgang mit ihrer SexualitĂ€t dargestellt: Die Mutter möchte einen Handwerker verfĂŒhren, die Tochter kann keine wirkliche NĂ€he zu ihrem Partner aufbauen. Dabei werden jedoch Klischees eher verstĂ€rkt als dass die Protagonistinnen in ihrer psychischen KomplexitĂ€t fĂŒr die ZuschauerInnen besser verstehbar werden.
"Komm nĂ€her" (Panorama) von Vanessa Jopp lĂ€sst teilnehmen am Alltag von drei auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Frauen, die stark betroffen sind von der wirtschaftlichen Misere und sich gleichzeitig auseinandersetzen mĂŒssen mit ihren widersprĂŒchlichen SehnsĂŒchten nach einer Beziehung und erfĂŒllter SexualitĂ€t. Sehr realitĂ€tsbezogen und doch in spannender, bewegender Filmsprache wird erzĂ€hlt, wie die Charaktere den Erwartungen ihrer Umwelt begegnen, trotz eingeschrĂ€nkter Möglichkeiten Wege zur Weiterentwicklung finden, und die Angst, etwas zu verĂ€ndern, ĂŒberwinden.

Im Filmpalast am KurfĂŒrstendamm, traditionsreicher Ort der Berliner Kinokultur mit wunderschönen, riesigen Saal, findet das Berlinale Special statt. Die Reihe zeigt aktuelle Arbeiten zeitgenössischer FilmemacherInnen sowie AuffĂŒhrungen zu besonderen Ehrungen von Filmpersönlichkeiten. Den Akzent setzen Filme von Neten Chokling ("Milarepa"), Luis Llosa ("La fiesta del chivo"), Fredi M. Murer ("Vitus"), und Julien Temple ("The Great Rock´,n´,Roll Swindle"). In diesem Jahr wird die Reihe durch eine besonders sehenswerte Publikumspremiere im Berlinale-Palast am Kinotag ergĂ€nzt: "La tigre e la neve" (Italien), der neue Film von Oscar-PreistrĂ€ger Roberto Benigni ("Das Leben ist schön"). Benigni spielt in dieser Tragikomödie einen verliebten Dichter, der seiner Angebeteten, einer durch eine Bombe verletzten Journalistin, in den Irak folgt.

Erstmals fĂŒr alle zugĂ€nglich ist der Berlinale Talent Campus, der in der vorangegangenen Jahren nur fĂŒr FilmemacherInnen und andere FachgĂ€ste zugĂ€nglich war. Neben der Entscheidung ĂŒber die Preisvergabe des Berlin Today Award, fĂŒr den sich die Jungtalente mit Kurzfilmen zum Thema "Berlin Today" bewerben konnten, finden im Haus der Kulturen der Welt zahlreiche öffentliche VortrĂ€ge zum Schwerpunkt "Film-Editing" statt.
GastrednerInnen sind u.a. Wim Wenders, Park Chan-wook, Christopher Doyle, Anthony Dod Mantle, Stephen Warbeck und bekannte Film-Editoren wie Jim Clark und Angie Lam. Am 16. Februar um 10.30 Uhr findet beispielsweise ein FachgesprĂ€ch zwischen dem international renommierten Autor und Filmkritiker Peter Cowie und der diesjĂ€hrigen Jury-PrĂ€sidentin Charlotte Rampling statt. Der Weltstar arbeitete in einer ĂŒber 30 Jahre umfassenden Karriere u.a. zusammen mit Regisseuren wie Lucchino Visconti ("La Caduta degli Dei"), Woody Allen ("Stardust Memories") und Francois Ozon ("Swimming Pool").

Infos zum Programm entnehmen Sie bitte der Website:
www.berlinale.de


Kultur Beitrag vom 08.02.2006 AVIVA-Redaktion 





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