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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.02.2003

Romeo und Julia oder - In guter Ehe stirbt man immer jung
Gaby Miericke-Rubbert

Ein Theaterst├╝ck ├╝ber Liebe und Hass, Lust und Tod als Beitrag des Maxim Gorki Theaters zum wieder aktuellen Aufruf der 70-er "Make love not war"?



"Make Love, not war!" Ist das die Message, die uns Shakespeare schon 1595 mitgeben wollte, als er das ber├╝hmteste Liebespaar der Theatergeschichte auf die Bretter, die die Welt darstellen, brachte? Und angesichts der Aktualit├Ąt dieser Losung wird uns klar, dass wir selbst 500 Jahre sp├Ąter uns immer noch schwer mit Toleranz und Verst├Ąndigung bei mikrokosmischen und makropolitischen Konflikten tun.

Dabei war es nur eine wahrscheinlich wahre Begebenheit aus dem Verona des 14. Jahrhunderts, die Shakespeare zweihundert Jahre sp├Ąter dazu inspiriert hatte, das pralle emotions- und triebbestimmte Leben, Lieben und Sterben seiner Zeit in eine dramatische Rahmenhandlung mit tragischem Ausgang einzubetten.

Das St├╝ck entstand, zwei Jahre nachdem in London alle Theater wegen des Ausbruchs der Pest geschlossen worden waren Und es war auch dieselbe Seuche, die im St├╝ck zur Nichtauslieferung des entscheidenden Briefes f├╝hrte, worin Julia ihren Geliebten in ihren Rettungsplan einweihen wollte. Die Quarant├Ąnema├čnahmen einer pestkranken Gesellschaft waren schuld daran, dass das Liebesgl├╝ck ein vorzeitiges Ende finden musste.

Auf der B├╝hne und bis weit in den Zuschauerraum hinein wird beeindruckend die d├╝stere mittelalterliche Kulisse nachempfunden auf meterhohen, wehenden Stoffbahnen, wundersch├Ân bemalt mit der historischen Stadtansicht Veronas (B├╝hnenbild: Ezio Toffolutti). Ferngesteuerte Ratten huschen immer wieder surrend ├╝ber die B├╝hne, schwarzvermummte Totengr├Ąber mit Leichenkarren und Glockengel├Ąut machen die Allgegenwart des Todes gew├Ąrtig. Und vermitteln den Hintergrund f├╝r den bevorstehenden dramatischen, weil unab├Ąnderlichen Handlungsverlauf.

Der Tragik setzt Katharina Thalbach mit der deftigen Shakespeare-├ťbersetzung von Thomas Brasch und der vitalen, kom├Âdiantischen und trieborientierten bis unsentimentalen Spielweise der Protagonisten einen Kontrapunkt. Obsz├Âne Gesten, biertischl├Ąrmendes, kraftprotzendes M├Ąnnergehabe der feindseligen Clans werden konterkariert durch Julias schamhaften Liebreiz, ihre teils aufm├╝pfige, teils kindliche Leichtigkeit und Nat├╝rlichkeit (herausragend dargestellt durch Heike Warmuth).

Der Romeo von Fabian Kr├╝ger ist mit seiner ungelenken, breit grinsenden, zappeligen Art alles andere als ein romantischer Liebhaber, spielt hingegen ├╝berzeugend sein breites Spektrum zwischen Draufg├Ąngertum, Gl├╝ckseligkeit und t├Âlpeliger Unsicherheit. Die m├Ąnnlichen Rollen werden schon durch die knappen, den Genitalbereich betonenden Lederhosen weitgehend auf ihre Lustorientiertheit reduziert. Und die verfeindeten Gangs junger M├Ąnner ziehen lautl├Ąrmend und provozierend durch die Stadt. Da wundert es nicht, dass die beiden Anf├╝hrer, Romeos Freund Mercutio und Julias Vetter Tybalt in einem streitl├╝sternen H├Ąndel umkommen und somit einmal mehr die Vers├Âhnung, der seit Generationen in Fehde liegenden Familien verunm├Âglichen.

Elemente der Leichtigkeit und der Komik finden wir vor allem bei der deftigen und pragmatischen Lebens- und Liebesphilosophie von Julias Amme und im obsz├Ânen und bigotten Spott Mercutios. Kalauer ("Wer sich so gehen l├Ąsst, soll endlich gehen" M├Ânch zum weinenden Romeo), Dylan"scher Sprechgesang, discoartiges Maskenfest und Kissenschlacht sorgen zus├Ątzlich f├╝r den Bruch des Dramatischen.

Diese sehenswerte, aktionsreiche Inszenierung zeigt, wie dicht und erfrischend Humor und Tragik miteinander verwoben sind, vielleicht sich gegenseitig bedingen. Das Spiel mit Gegens├Ątzen ist reizvoll, das Lachen l├Ąsst aufatmen und bleibt alsbald darauf wieder im Halse stecken.

Ohne sein vorzeitiges Ende h├Ątte das jugendliche Liebesgl├╝ck wahrscheinlich auch niemals diese romantische Verkl├Ąrtheit erlangt, w├Ąre nicht zum Symbol der gro├čen Liebe schlechthin geworden. Oder hat zu guter Letzt doch der M├Ânch Recht mit seiner These: "In guter Ehe stirbt man immer jung"? - Weil in der K├╝rze doch die W├╝rze liegt?



Romeo und Julia von William Shakespeare
Deutsch von Thomas Brasch
Regie: Katharina Thalbach
B├╝hne und Kost├╝me: Ezio Toffolutti
Musik: Sabine Worthmann
Darsteller: Heike Warmuth, Fabian Kr├╝ger, Pierre Besson, Jacqueline Macaulay, Rainer K├╝hn, Anna Kubin, Norman Schenk, Frank Streffing u.a.
Maxim Gorki Theater
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin
Karten unter: 030- 202 21 115
www.gorki.de

Kultur Beitrag vom 10.02.2003 AVIVA-Redaktion 





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